Kool Savas: «Zürich ist ghettomässig»

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Fabian Zürcher
Entspannt: Kool Savas.- Katja Kuhl

ZÜRICH – Der deutsche Rapper Kool Savas (35) geht gerne ins Grüne – und hasst Rotlichtviertel.

Kool Savas, du schlägst auf deinem aktuellen Album «John Bello Story 3» ruhige Töne an. Sind die wilden Zeiten vorbei?

Es ist tatsächlich eine eher melodiöse Scheibe geworden. Ich habe einfach keinen Bock mehr auf all die «Bumm-Tschak»-Sachen. Viele stehen nur auf diesen Stil, ich nicht. Und jetzt wird mir halt vorgeworfen, ich sei zu sanft.

Stört dich das?

Meine Musik war auch vorher nicht so hart. Wir haben es einfach manchmal mit derben Raps über Frauen auf die Spitze getrieben. Jetzt lege ich mehr Wert aufs Songwriting, das war eine bewusste Entscheidung. Also stört mich die Kritik auch nicht. Aber ich bin sowieso ein entspannter Typ. Je länger, je mehr.

Wie äussert sich das?

Ich werde zusehends zum Naturburschen. Ich wohne ja längst nicht mehr in Berlin, sondern seit fünf Jahren in Heidelberg. Die Stadt ist das Geilste! Es läuft zwar überhaupt nichts, aber das will ich auch gar nicht. Dafür hats Wiesen, Wälder, den Neckar, ein Hammer-Schloss und sogar Berge.

Dann müsste es dir in Zürich eigentlich auch ganz gut gefallen.

Leider nicht – auf mich wirkt die Stadt ehrlich gesagt ein bisschen ghettomässig. Die Fassaden der Häuser sind voll schmutzig. Und dann das Rotlichtviertel. Ich hasse Rotlichtviertel, ekelhaft!

Ein hartes Urteil.

Ist nicht böse gemeint. Dafür mag mein DJ Zürich total gern, der kommt hierher, wann immer er kann. Ich bin ja auch oft in der Schweiz, aus irgendeinem Grund läuft es hier seit einigen Jahren sehr gut für mich.

Deutsche Hip-Hopper verkaufen allgemein sehr gut in der Schweiz.

Komisch, nicht? Dabei liest man doch immer über Vorurteile von Schweizern gegenüber Deutschen – und umgekehrt. Aber der Erfolg freut mich natürlich. Vielleicht bewegt das ja sogar etwas in den Köpfen. Die ach so gewaltverherrlichenden Rapper tragen zur Völkerverständigung bei, geil! (lacht)

Du engangierst dich auch für den Tierschutz und gegen Drogen.

Die armen Tiere tun mir einfach leid – deshalb bin ich ja auch Vegetarier. Und ich finde es sehr bedenklich, wenn sich 12-Jährige schon zudröhnen. Cannabis ist eine Einstiegsdroge. Und mit meinen 35 Jahren ist es okay, eine gewisse Vorbildfunktion wahrzunehmen. 

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