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Kurven lügen nichtSonntagsBlick Magazin: Ihr Album trägt den Untertitel «Memoirs of an Immigrant» – geht es dabei um Ihre Lebenserinnerungen?
Wyclef Jean: Meine, die meiner Eltern, die meiner Gäste auf dem Album: Shakira kommt aus Kolumbien, Akon aus dem Senegal. Serj Tankian, von der Metal-Band System of a Down, ist im Libanon geboren und hat armenische Wurzeln. Einflüsse aus aller Welt sind inspirierend. Das soll meine Musik zeigen. Viele Immigranten bereichern ihre neue Heimat – aber bekommen dafür nicht genug Respekt.
Im Intro stellen Sie fest, die ganze Welt befinde sich im Panik-Modus.
Wenn du die Nachrichten einschaltest, scheint die Welt dauernd in diesem Panikzustand zu sein. Da gibt es keine Ruhepause mehr. Niemals hat man das Gefühl: Okay, heute war der Tag ganz in Ordnung. Stattdessen haben wir das, was ich Paranoia-Amerika nenne. Und weil Amerika mit seiner Kultur den Rest der Welt prägt, wird die ganze Welt paranoider.
In «Heaven’s in New York» besingen Sie aber auch die andere Seite Amerikas.
Ja, als ich als neunjähriger Junge aus Haiti kam und in New York aufwuchs, war es noch eher das Land der Möglichkeiten. Ich kam da an, sprach kein Englisch – ich kenne keinen anderen Ort, wo ich so erfolgreich hätte werden können.
Mit «The Score» schuf Ihre Band The Fugees 1996 das meistverkaufte Hip-Hop-Album aller Zeiten. Wie schaffen Sie es, die Balance zwischen Luxusleben und Bewusstsein für die Realität zu wahren?
Ich bin der berühmteste Haitianer auf diesem Planeten. Und einer der bekanntesten Schwarzen in Amerika. Überall kennt man Wyclef. Für mich bedeutet das: Dahinter muss ein grösserer Sinn stecken als grosses Haus, dickes Auto. Das heisst: Wenn all diese Leute dir zuhören, musst du ihnen auch eine Botschaft mitgeben!
Was wäre aus Ihnen geworden, wenn Sie in Haiti geblieben wären?
Wer weiss? Und genau deshalb fahre ich auch immer wieder hin, um den Leuten dort zu helfen. Um etwas gegen die Bandengewalt zu tun.
Sie arbeiten auch mit Paul Simon; läuft das anders als
Aufnahmen mit Shakira?
Natürlich muss man sich auf jeden Künstler einstellen. Was mich aber nicht interessiert, ist das Alter oder ob jemand gerade «heiss» ist. Es geht um die Stimme, die ein Gefühl in sich trägt. Shakiras Stimme lässt dich tanzen und alles vergessen. Und Paul Simon hat die Stimme eines Denkers – ähnlich wie ich.
Wie kam es zur Kollaboration mit Ihrer Tochter?
Sie ist drei und kam eines Tages in die Gesangskabine gerannt, in der ich gerade aufnahm. Ich sagte: Komm, Angelina, lass Papa arbeiten! Aber als ich später die Aufnahme hörte, mochte ich das: ihre unschuldige Kinderstimme, während ich über die Welt in Panik schimpfe.
Vor einem Jahr hätte man noch gedacht, wir würden hier heute über das Comeback-Album der Fugees reden.
Dachte ich auch. Aber Lauryn Hill ist wieder ausgestiegen. Sie bekam Angst. Ich finde, sie sollte mal zum Psychiater gehen. Jeder Popstar macht das. Ist doch nicht peinlich! Sie hat sich seit einem Jahr nicht gemeldet. Wenn du mit den Leuten um dich herum nicht reden willst, sprich mit einem Psychiater!
Waren Sie auch schon beim Psychiater?
Klar, als ich jünger war. Der Erfolg machte uns zu Multimillionären. Wenn du mit Anfang zwanzig
400 000 Dollar in der Woche verpulvern kannst – damit kommst du nicht allein klar.
Haben Sie immer noch diese unglaubliche Autosammlung – 37 Wagen, darunter einen Formel-1-McLaren und einen 57er Pink Cadillac?
Ich habe ’ne Menge Autos und will mir jetzt ein paar Boote anschaffen. Ich bin gern auf dem Wasser und fische mit Freunden. Ich stehe auf Tiefseetauchen, in Gewässern mit Haien. Ich finde das sehr entspannend.