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Krokus 2010 Bassist Chris von Rohr, Gitarrist Mark Kohler, Drummer Freddy Steady, Gitarrist Fernando von Arb und Sänger Marc Storace (v. l.). (ZVG)
Krokus will mit «Hoodoo» noch mal durchstarten. Warum tut ihr euch das an?
Chris von Rohr: In dieser sterilen Facebook-Zeit ist das unser letztes grosses Abenteuer, mit einer Kickass-Rockband Dampf abzulassen.
Sind euch etwa die Groupies ausgegangen?
Fernando von Arb: Ich bin frei und kann flirten, wie ich will. Aber Groupies sind kein Thema mehr.
In den Achtzigerjahren war das noch anders.
Von Arb: In den USA waren die Girls richtig wild. Und wer in den Süsswarenladen geht, will auch naschen.
Wie viele Groupies habt ihr denn so vernascht?
Von Rohr: In unserer wildesten Zeit, auf der US-Tournee 1982/83, warteten jeden Abend ein Dutzend Girls backstage – ready to pflück!
Gab es auch andere Highlights?
Mark Kohler: Wir wurden Ehrenbürger von Memphis, Tennessee. Dann gabs unsere erste Platin-Auszeichnung für eine Million verkaufter Platten in den USA, was für eine Feier! Und die erste Astronautin, die je ins All flog, nahm ein Best-of-Tape von uns mit, kein Witz!
Freddy Steady: Schon verrückt, dass vier Boys aus Solothurn und ein Sänger aus Malta insgesamt 13 Millionen Alben verkauft haben.
Wirkt man auf der Bühne mit bald 60 Jahren nicht ein wenig lächerlich?
Von Arb: Wir machen Rock ’n’ Roll. Das ist ein Ausnahmezustand, kein Bundesratsauftritt.
Mark Kohler: Wenns nicht mehr kracht, musst du aufhören. Aber das ist noch lange nicht der Fall.
Marc Storace: Ausserdem brauchen wir heute unsere Energie für die Musik ...
Von Arb: ... und sind kein durchgeknallter, besoffener Haufen mehr.
Im Gegensatz zu früher.
Von Rohr: Da waren wir noch jung, naiv und leicht verführbar.
Storace: Wie in der Pubertät: Es beginnt mit einer Zigarette, dem ersten Joint und geht dann weiter.
Von Rohr: Ich habe damals jedes Pülverchen geschnüffelt, daraus mache ich kein Geheimnis.
Von wegen «Pülverchen»! Nach langer Heroinsucht beging euer ehemaliger Gitarrist Tommy Kiefer 1986 Selbstmord.
Storace: Eine Tragödie.
Von Arb: Auf den USA-Tourneen nahm das Ganze so exzessive Formen an, dass auch für mich Gefahr bestand, nicht zu überleben.
Wie habt ihr wieder Tritt gefunden?
Von Arb: 1985 sass ich in einer Bar in Los Angeles und sagte mir: Was willst du hier abstürzen? Ich bin doch ein bodenständiger Typ. Also ging ich zurück nach Solothurn.
Trotzdem wurdet ihr nicht von Schicksalsschlägen verschont ...
Von Arb: In den Neunzigerjahren erkrankte ich an Lymphdrüsenkrebs. Nach dem und einem Burn-out vor vier Jahren lebe ich bewusster. Verzichte auf alles, was mir nicht guttut, trinke mittlerweile auch keinen Alkohol mehr.
Dann gibts heute statt Whiskey Tee vor den Gigs?
Storace: Auf der Bühne bin ich stets topnüchtern. Danach gönne ich mir ab und zu einen Grappa oder ein Glas Wein.
Von Rohr: Und ich mir mit meiner süssen «Hoodoo»-Fee ein GuteNacht-Gräslein.
Sie sind seit fast einem Jahr mit der 29-jährigen Denise liiert …
Von Rohr: Oh ja, Freunde: Im Herzen bin ich halt immer noch ein junger Hund. Und der lebendige Beweis dafür: Rock ’n’ Roll hält forever young.