Dieter Meier: «Wir sind inspirierte Dilettanten»

  • Aktualisiert am 02.01.2012
  • Von Fabian Zürcher

ZÜRICH – Yello werden heute an den «Swiss Music Awards» mit dem «Outstanding Achievement Award» geehrt. Sänger Dieter Meier (64) im exklusiven Interview.

Dieter Meier, sie erhalten heute den «Outstanding Achievement Award». Herzlichen Glückwunsch! Warum, glauben Sie, wird dieser Preis Yello verliehen?

Offenbar sind die Organisatoren des «Swiss Music Awards» der Meinung, dass Yello einen eigenen Stil geprägt und am Anfang einer Entwicklung gestanden haben. Verbunden mit einer gewissen Originalität. Vielleicht hat es auch damit zu tun, dass unsere Videos von Museen gesammelt werden und in den Top 50 der besten Videos aller Zeiten des «Rolling Stone»-Magazin sind. Aber was das bedeutet, weiss ich nicht.

Wahrscheinlich, dass Sie tatsächlich Herausragendes geleistet haben.

Das ist ein grosses Wort. Boris Blank hat sicher Pionier-Arbeit geleistet. Allerdings aus einem Zwang heraus: Er lernte in seiner Jugend kein Instrument, wollte aber Pop-Musik machen. Er musste also ein eigenes Verfahren und eigene Klänge entwickeln, eine frühe Form des Samplings. Das unterscheidet uns von anderen Bands: wir sind Autodidakten.

Und brachten es so zu Welterfolgen.

Dadurch, dass wir keine musikalische Ausbildung hatten, erhielt Yello viel schneller ein eigenes Gesicht. Was allerdings nichts mit Können zu tun hatte, im Gegenteil. Man könnte höchstens sagen, dass wir inspirierte Dilettanten sind.

Damit sind Sie ihr Leben lang gut gefahren: Sie sind Musiker, Künstler, Unternehmer, Bio-Bauer und Gastronom – ohne jeweilige Ausbildung.

Das hört sich immer so wichtig an. Ich habe immer Partner gesucht, die das letztlich auch ohne mich können. Am liebsten initiiere ich etwas, liefere vielleicht eine Idee, übergebe es dann aber in die richtigen Hände. Ich habe nicht das Gefühl, jemals etwas gemacht zu haben, auf das ich stolz sein müsste.

Das tönt jetzt sehr bescheiden.

Mein Vater hat mal gesagt: Wenn man auf einem Berg ankommt, muss man sofort wieder runter. Sonst hat man nur zwei Möglichkeiten: Zu verblöden oder zu erfrieren. Dass mir einige Dinge gelungen sind, hat grösstenteils mit Glück zu tun. Natürlich freut mich das, aber ich sehe mich mehr als zufälligen Boten, der Sachen in die Öffentlichkeit transportiert. Und am liebsten wäre mir, wenn jemand anders dafür seinen Kopf aus dem Fenster strecken würde.

Das erstaunt. Sie wirken sehr extrovertiert.

Öffentliche Auftritte gehören zu meinem Beruf, ich mache diesen Teil auch gerne. Ich würde es allerdings nie tun, wenn es nicht im Zusammenhang mit einer Sache steht, die Öffentlichkeit braucht. Wie jetzt bei den «Swiss Music Awards». Das ist ein toller Anlass, der mit grossem Effort und Mut aus dem Boden gestampft wurde. Wenn meine Bekanntheit dabei hilft, gerne. Aber es sollte nicht um meine Person gehen.

Die ziemlich schillernd ist – gerade für Schweizer Verhältnisse.

Mir wird immer wieder vorgeworfen, ich hätte Dandy-Allüren. Das ist Blödsinn. Ein Dandy ist ein lebendiges Kunstwerk, ich das genaue Gegenteil. Mir ist es völlig egal, wie die Leute auf meine Kleidung reagieren. Und ich werde mich heute Abend genauso anziehen, wie ich das auf meiner Schaffarm in Südpatagonien tue.

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