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«Wir können uns auf ‹Wallisärdiitsch› unterhalten, ich bin ‹äs halbs Leetschi›», sage ich zu Stefanie Heinzmann, als ich sie zum Interview in Lausanne treffe. Die 20-jährige Sängerin kommt aus Eyholz VS, einem kleinen Dorf zwischen Visp und Brig. Und ich habe meine Wurzeln im Lötschental. «Ah, äs Leetschi – luschtig», antwortet sie. Für alle Nichtwalliser: Die Lötschentaler werden vom übrigen Kanton oft belächelt. Der Dialekt des Tales ist noch ungewöhnlicher als der Rest des Walliserdeutschen.
Es ist Montagmorgen, 10.30 Uhr, Heinzmann ist müde. Sie nimmt gerade mit Rapper Stress in dessen Lausanner Studio einen gemeinsamen Song auf.
Jetzt sitzt die Walliserin in Jeans-Latzhosen, violettem T-Shirt und schwarzen Sneakers auf dem Sofa. Ungeschminkt, die schwarze Brille ungeputzt. Die Fingernägel sind schwarz lackiert. An Hals und Armen Tattoos, Piercings im Gesicht und schwarze Knöpfe in den Ohren.
Zwei Walliserinnen unter sich:
Wie war für dich damals dein Auftritt am Open Air Gampel?
Das Highlight der Festivalsaison! Ich wollte schon immer dort auftreten. Jeder Walliser Musiker will das. Und ich konnte sogar auf der Hauptbühne spielen. Die ersten zehn Reihen waren voll von Leuten, die ich kenne.
Ein richtiges Heimspiel also. Ein anderes Gefühl als bei einem Auftritt in Deutschland?
Ja! Vor deutschem Publikum fühle ich mich anonym und ich kann mich abgrenzen. Leute, die ich nicht kenne, kommen nach dem Konzert auch nicht zu mir und kritisieren persönlich meine Leistung. Wenn ich aber vor Freunden und Verwandten spiele, dann frage ich mich ständig: «Oh nei, gfallts nä ächt?»
Was bedeutet deine Heimat für dich?
Das Wallis ist mein Zuhause und ich wohne immer noch dort. In jeder freien Minute gehe ich zurück nach Eyholz. Das Wallis, die Berge, meine Familie geben mir viel Kraft. Hier fühle ich mich wohl.
Seit dem 10. Januar 2008 hat sich das Leben von Heinzmann komplett verändert. Die damals 18-Jährige gewann eine Castingshow von Stefan Raab in dessen Sendung «TV total» auf Pro Sieben. Ihre erste Single «My Man Is a Mean Man» belegte in Deutschland Platz drei und in der Schweiz Platz eins der Charts. Seither reitet die Walliserin auf einer Erfolgswelle. Ihr erstes Album («Masterplan») erhielt Gold- und Platinstatus. Und sie gewann auch mehrere wichtige Musikpreise: den Prix Walo, zwei Swiss Music Awards und mit dem Echo und Comet auch zwei deutsche, international anerkannte Auszeichnungen.
Wirst du jetzt an all diesen Preisen gemessen?
Das könnte man meinen, ja. Lässt mich persönlich aber kalt. Die Auszeichnungen sind für mich und mein Team eine grosse Ehre und machen der ganzen «Blaatra eifach än änz Freid». Ich habe die Preise bekommen, weil ich genau auf dem Weg bin, auf dem ich bin. Ich mache mir keinen Druck. Entweder gefällts den Leuten oder nicht.
Und wie war für dich die Dankesrede beim Echo vor all den international bekannten Künstlern?
Das war absolut surreal. Eine junge Walliserin steht dort oben auf der Bühne und gewinnt einen deutschen Preis. «Unglaublich!» Und in der VIP-Lounge sitzen dann all die Künstler. Das ist einfach krass. Da sitzt du so auf einem Podest und vor dir Katy Perry. Ich schaue auf ihre Schultern und denke: «So struub!»
Neben dem Preis in der Kategorie «Beste deutschsprachige Künstlerin Rock/Pop» konntest du beim Echo zusammen mit Lionel Richie auftreten. Wie hast du diesen Moment erlebt?
Am Echo treten oft unterschiedliche Künstler miteinander auf. Dann kam plötzlich die Anfrage, ob ich Lust hätte, mit Lionel Richie zu singen. Ja, klar! Zuerst wollte ich es nicht so richtig glauben. Schon zu oft habe ich in dem Business erlebt, dass solche Sachen kurzfristig abgesagt werden. Aber dann war es so weit. Ich ging in seine Garderobe und musste vor Aufregung fast weinen, war unglaublich nervös, hatte Angst. Ich ging da rein und dann stand ich vor Lionel Richie!
Wolltest du eigentlich bei der Schweizer Castingshow «MusicStar» nie mitmachen?
Nein. Bei Stefan Raab konnte ich immer genau so auf die Bühne, wie ich wollte. Meine Lieder singen, statt aus einer vorgegebenen Liste etwas auszuwählen, in meinen Kleidern auftreten, statt in Klamotten, die Stylingberater empfohlen haben. Das wäre bei «MusicStar» oder «Deutschland sucht den Superstar» niemals möglich gewesen.
Und wie sieht es mit einer Teilnahme am Eurovision Song Contest aus?
Ich bin nicht sicher, ob die Schweiz mit mir viele Punkte machen würde. Dort müsste ich wahrscheinlich wie in meinem neusten Video als Blondine auftreten. In hochhackigen Schuhen, mit falschen Fingernägeln und einer Perücke … Nein, das ist nichts für mich!
Anfang September hat Heinzmann ihr zweites Album «Roots to Grow» veröffentlicht. Gerade brachte sie dafür eine Promotour hinter sich, jetzt stehen Clubtouren in der Schweiz und Deutschland auf dem Programm.
Wie hat sich dein Sound zum ersten Album «Masterplan» verändert?
Der Sound ist gleichgeblieben: Funk, Soul und Pop. Aber facettenreicher. Auf dem neuen Album gibt es einen Reggae-Song mit Gentleman, eine Ballade und eine Nummer, von der man meinen könnte, sie stamme von den Blues Brothers. Auch von Jimi Hendrix und Lenny Kravitz wurde ich bei der neuen CD inspiriert. Für die Produktion des aktuellen Albums hatten wir viel mehr Zeit: drei Monate. Bei «Masterplan» waren es nur drei Wochen. Das merkt und hört man auch. Ich freue mich schon darauf, die neuen Songs live zu spielen.
Warum schreibst du deine Songtexte nicht selbst?
Ich habe es für mich ausprobiert, fühle mich aber noch zu schüchtern. Denn du schreibst beim Album nicht Texte für Freunde, sondern für viele Leute. Es reizt mich zwar extrem und es ist mein grösster Wunsch, meine Lieder selber zu texten. Aber momentan habe ich so viele Leute um mich herum, die das besser können: mein Bruder, meine Produzenten. «Ich muäss dänä nuch än bitz ubr d’Schulträ lüagu.»
Bruder Claudio sitzt uns während des Interviews gegenüber. Immer wieder blickt Heinzmann zu ihm rüber. Der 27-Jährige ist Bruder, Manager und bester Freund in einem. Er sagt ihr, ob die Frisur für das Fotoshooting sitzt, oder nimmt sie in den Arm, wenn sie müde ist. Die Walliserin gähnt, ihre Stimme ist heiser. Nach den Aufnahmen mit Stress hat sie ein paar freie Tage vor sich. Dann geht es natürlich direkt ab nach Eyholz zu ihrer Familie.
Was gibt es für dich neben der Musik?
Momentan gar nichts. Die Musik nimmt mein Leben total ein. Früher habe ich viel Sport gemacht, vor allem Volleyball. Heute nehme ich mir an freien Tagen Zeit für meine Familie und Freunde.
Ohne Sport und so zierlich?
Ich esse nur «Schiissdräck». Während der Arbeit vergesse ich das Essen einfach. Es ist eine Mischung zwischen extrem viel «Bullshit» essen und gar nichts essen. Ist furchtbar, ich weiss. Ausser, wenn ich zu Hause bin, «de gits gsundi Mamachoscht».
Mit deiner früheren Band BigFisch hast du einige Lieder auf Walliserdeutsch gesungen. Hast du keine Lust, in Zukunft wieder in deinem Dialekt Songs aufzunehmen?
Ich finde, für Soul und Funk ist Englisch eine melodiöse Sprache. Es ist so schwierig, das Walliser «Ch» in einen Ton zu fassen. Sängerin Sina macht das mit einer Eleganz, unglaublich. Aber für mich ist beim Singen Englisch die richtige Sprache. Englisch redet die ganze Welt. «Wallisärdiitsch no nit!»
Das ganze Interview finden Sie im SonntagsBlick Magazin.
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