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Fernweh – Gölä träumt von einer Weltumsegelung.- Peter Gerber
Gölä, Sie gelten als der bodenständigste Schweizer Rocker. Sind Sie ein Patriot?
Gölä: Nein, das bin ich nicht. Ich bin glücklich, dass ich das Privileg hatte, in der Schweiz geboren und aufgewachsen zu sein. Und ich bin stolz, was unsere Grosseltern für das Land geleistet haben. Doch die heutige Generation werkt alles wieder zu Boden. Nicht zuletzt mit den Politikern, die wir wählen.
Was meinen Sie damit?
Wenn ich nach Bern schaue, muss ich lachen. Doch eigentlich sollte ich weinen. Ich würde praktisch den gesamten Bundesrat auswechseln. Die Schweizer Politiker sind komplett unfähig.
Was machen sie falsch?
Es ist immer dasselbe: Vor den Wahlen versprechen sie dir das Blaue vom Himmel, doch kaum sind sie gewählt, bleibt doch alles beim Alten. Es würde Leute mit Rückgrat brauchen, solche, die für die Interessen des Volkes kämpfen und nicht nur mit dem Kopf nicken, wenn das Ausland den grössten Blödsinn von uns verlangt. Ich ging noch nie wählen, somit bin ich ja auch schuldig, wenn sich nichts ändert.
Was läuft denn nicht richtig in unserem Land?
Wir leben hier im Paradies. Uns geht es viel zu gut. Deshalb verstricken wir uns in Neid, Missgunst und kleinliche Nachbarschaftskriege. Wir haben zu viele Theoretiker, Pädagogen und Psychologen, die alles totreden. Die wirklichen Probleme werden auf diese Art nicht gelöst.
Die wären?
Die Schweiz ist überbevölkert, der Platz wird eng. Man muss die masslose Einwanderung stoppen, sonst platzt das Land aus allen Nähten. Immer mehr Einwanderung heisst auch immer mehr AHV, IV und andere Sozialausgaben.
Haben Sie etwas gegen Ausländer?
Das wurde mir schon mehrmals vorgeworfen. Da kann ich nur lachen. Ich bin in einem Restaurant aufgewachsen. Bei uns arbeiteten Tamilen, Türken, Afrikaner – Menschen aus aller Welt. Ihre Kinder waren meine Freunde. Mit meinen Eltern bin ich einmal im Jahr ins Ausland gereist. Das war damals nicht selbstverständlich. In Tunesien beispielsweise habe ich als Kind gesehen, was Armut und Hunger bedeuten. Ich habe nichts gegen Ausländer, solange sie sich bei uns an die Gepflogenheiten und Gesetze halten.
Sind Sie für ein Burkaverbot?
Burkas gehören nicht hierher. Wenn eine Schweizerin in ein islamisches Land reist, soll sie sich auch nicht oben ohne an den Strand legen. Man muss sich an die Sitten des Landes anpassen, sonst hat man dort nichts zu suchen.
Haben Sie Angst vor einer Islamisierung der Schweiz?
Nein, von Angstmacherei halte ich nichts. Und wenn irgendjemand – egal, ob Schweizer oder Ausländer – meine Familie bedroht, weiss ich mich zu verteidigen.
Notfalls auch mit Waffengewalt?
Wenn jemand in mein Haus einbricht und meine Frau und Kinder angreift, dann habe ich das Recht, den zu erschiessen. Denn er hat bei mir nichts zu suchen. Ein anständiger Bürger sollte auch eine Waffe zu Hause haben dürfen.
Sind Sie für strengere Strafen?
Ganz klar. Unsere Gefängnisse gleichen Hotels. Die Sträflinge haben ein bequemes Bett, drei Mahlzeiten und zig TV-Programme, um sich abzulenken. Das schreckt doch keinen ab. Bei schlimmen Verbrechen wie Kindesmissbrauch oder Mord bin ich auch für die Todesstrafe. Mit einer Kuscheljustiz verhindern wir keine Verbrechen.
Sie haben zwei Söhne. Der eine ist sieben, der andere 14 Jahre alt. Wie erziehen Sie Ihre Jungs?
Ich versuche, ihnen ein gutes Vorbild zu sein. Wir unternehmen viel zusammen, gehen fischen oder auf Reisen. Und ich setze meinen Jungs auch klare Regeln und Grenzen. Wenn sie zu sehr überborden, gibts auch mal eins aufs Dach. Von antiautoritärer Erziehung halte ich nichts.
In der letzten Zeit gab es immer wieder Fälle von Jugendgewalt. Ist die Jugend von heute gewalttätiger als früher?
Ich hatte in meiner Sturm- und Drangzeit auch Schlägereien. Aber wenn einer am Boden lag, war es Ehrensache, nicht weiter auf ihn einzuschlagen. Heute wird auch auf wehrlose Opfer immer noch eingedrescht. Viele Jugendlichen kennen keine Ehre mehr. Der Respekt vor einem Menschenleben ist verloren gegangen.
Wie kommt das?
Viele Eltern sind mit der Erziehung ihrer Kinder überfordert, weil sie zu sehr mit sich selbst und den eigenen Problemen beschäftigt sind. Also überlassen sie alles den Pädagogen. Doch die dürfen auch nicht mehr durchgreifen. Wenn ich mal richtig frech gegen einen Lehrer war, dann gabs halt einen Chlapf. Heute würde dies gleich einen riesigen Aufschrei geben. Statt dem Schüler würde der Lehrer bestraft.
Auf wen hören Sie eigentlich?
Ich lasse mir von niemandem etwas sagen, das ist vielleicht mein grösster Schwachpunkt. Aber ich lese, beobachte und studiere – dann bilde ich mir meine eigene Meinung.
Lesen Sie das ganze Interview im SonntagsBlick von heute.
Friedlich – Beim Fischen am Thunersee findet Gölä seine Ruhe.- Peter Gerber