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Sechs Freunde sollt ihr sein Linkin Park Der normale Schweizer Hardrock-Fan sieht aus wie der normale Basler Eishockey-Fan: Beide sind rosig-jung, leicht übergewichtig, tragen T-Shirts von Linkin Park, rauchen Kette und treten ökologisch sauber die leeren Bier- und Red-Bull-Dosen klein.
Natürlich stehen die 9000 Besucher brav in Vierer-Reihen vor dem Eingang zum Linkin-Park-Konzert, während sich die vom Eishockey-Match nebenan schnell in die Wärme verkrümeln – und dabei versäumen, auf was die 9000 vergebens um die Ecke Wartenden so heiss gewesen wären: Wie das kalifornische Sextett in drei schwarzen Mercedes-Limousinen angekarrt wird. In jedem Auto zwei Rocker, die ohne Bühnenkleidung auch als Jung-Banker durchgehen könnten.
Warum vor und in der Basler St. Jakobshalle Sicherheitsstufe eins herrscht? Das verstehe, wer will. Ist wohl ein Diktat des allmächtigen US-Managements. Das sich hier mit feisten Bodyguards – logisch: mit Knopf im kahl rasierten Ohr – vor und im sogenannten «Künstler-Bereich» breit-macht.
Die Autogrammstunde für Fans und das «Meet-and-Greet»-Event wird schon um 18.30 Uhr abgesagt. Warum? «Verspätetete Ankunft am Flughafen Basel, Überlastung im Londoner Luftraum.» Die sechs schwarzen Mega-Trucks, die das Instrumentarium für die musikalische Darbietung der derzeit berühmtesten Hardrock-Band liefern, sind jedenfalls nicht zu übersehen. Und mein Interview-Termin steht. Meine elfjährige Tochter darf hingegen nicht mit ihrer Freundin in den geheiligten Crew-Band-Raum. Bassist Dave «Phoenix» Farrell wird das später bedauern («Habe selbst eine Tochter. Neun Monate alt»). Er schreibt als «Big Sorry» zwei private Autogramme für Fleur und Antonia.
Nun muss ich aber erst mal erklären, dass Linkin Park keine Fortsezung von «Jurassic Park» ist, die kalifornischen Boys auch keine Rock-Dinos sind, sondern gemein gute Musiker. Der Name Linkin Park ist eine Hirngeburt von Lead-Gitarrist Brad Delson, Drummer Rob Bourdon und Rhythmus-Gitarrist Mike Shinoda. Es ist eine Hommage an den Lincoln Park in Santa Monica. Da trafen sich die Boys von der High School von Agoura Hills, dem Mekka angehender Rockstars, nach ersten Gigs in Hollywood-Clubs wie dem «Roxy» oder dem «Whisky a Go Go».
Die Hardrocker aus dem Freizeitpark kommen aus keinen zerrütteten Familien, machen einen eher drogenfreien Eindruck – und haben alle die harte Schule klassischer Ausbildung hinter sich: Mike studierte Klavier, Bassist Phoenix begann als Fünfjähriger mit Geige, teilte sich später das Studentenzimmer mit Brad, der sein Jus-Studium an den Nagel hängte, um sich ganz seiner Ibanez-Gitarrre zu widmen. «Wir übten, bis uns die Finger brannten», erinnert sich Phoenix, der als seine musikalische Wegbereiter so illustre Bands wie die Beatles, The Roots oder Bob Marley nennt.
«So richtig begonnen haben wir ja als Studio Band», sagt Phoenix. Ein Rocker, der seinen Vorfahren im Gesicht trägt: «Okay. Mein Bart ist rot, weil der eine Teil meiner Familie aus Irland stammt; das Gesicht ist schottisch und meine Augen strahlen angeblich wie die von Oma. Die war Französin.»
Und es war in Paris, als Linkin Park vor 150 Fans spielten: «Die kannten alle unsere Songs», wundert sich der Spitzbart heute noch. Da war Sänger Chester Bennington schon dabei. Der war Fleischklopse-Verkäufer bei Burger King, bevor er über den Umweg Drogen und Ganzkörper-Tattoos den Weg zu Linkin Park fand – und nach einem Rosenkrieg mit seiner Ex-Frau ein Ex-Playmate freite. «Glaub mir», wiegelt Phoenix ab, «wir sind keine politische Band. Jeder von uns hat seine eigene Meinung.»
Was ihn aber nervt ist: «Das Gequatsche über das, was wir spielen! Das ist Rock ’n’ Roll. Basta.» Wobei «das Brutale für uns ist, den Studio-Sound voll live spielen zu können; das ist knallharte Arbeit».
Sagt er, zupft seinen Spitzbart und seinen Holzfäller-Pullover, lästert noch über das Wetter in Basel, träumt schon wieder von Kaliforniens Sonne und einer Schlagzeile, die ich doch bitte sehr über meinen Artikel schreiben soll: «Der Bassist ist der wichtigste Musiker in jeder Hard-Rock-Band.»
9000 Fans nehmen diszipliniert ihre Plätze ein – und hören kurz später, was Hardrock mit Bass wirklich heisst.