Rüpel-Rapper Sido & Bushido im grossen Interview «Wir wollen Heinos Bambi!»

Sie sorgen immer wieder für Skandale. Dabei sind sie eigentlich ganz spiessig.

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BLICK Vor zwei Wochen gabs einen Riesenwirbel um Sie, weil Sie den Bambi für Integration erhielten. Wo steht die Trophäe heute?
Bushido Bei meinem neunjährigen Sohn im Kinderzimmer. Der hat ihn mir vom Kaminsims geklaut. Er will damit bei seinen Kumpels wohl Eindruck schinden. Denn die haben alle die Verleihung im TV geguckt.

Ging Ihnen der Zoff nahe?

Bushido Ich verstehe den Unmut irgendwie. Aber die Intensität war heftig und nervte. Da wurde so weit ausgeholt, es haben sich sogar Hass-Gruppierungen gegen mich gebildet.

Allen voran Heino, der seinen Bambi zurückschickte.
Bushido
Jeder darf auf den Zug aufspringen. Mir wäre das zu parasitär. Wünsche Heino trotzdem alles Gute. Ich hoffe, dass ich seinen Bambi ersteigern kann. Ich biete nämlich mit.
Sido Ich ebenfalls! Ich will auch so ein Teil zu Hause.
Bushido Da müssen wir nur aufpassen, dass wir uns nicht gegenseitig die Angebote hochschrauben.

Warum werden Sie bis heute in Deutschland so angefeindet?
Sido Der Neid auf unseren Erfolg allein kann es nicht sein. Doch wir haben uns an den Hass gewöhnt. Heute top, morgen Flop. Immer dasselbe. Dabei hat Deutschland nun doch wirklich andere Problem als uns – ich sage nur brauner Terror.
Bushido Ich war wirklich überrascht, dass sich jeder Idiot in die Bambi-Diskussion einmischte. Gerade im Saal während der Verleihung. Aber das sind ohnehin die grössten Heuchler! Plötzlich haben alle eine Moral. Doch mit der ist dann auch gleich wieder Schluss, wenn die Kameras aus sind. Voll affig!

Sie beide haben die heftigsten Texte deutscher Sprache. Darf man eigentlich über alles rappen und jeden beleidigen?
Sido Jeder Mensch muss die Grenzen für sich selbst stecken.
Bushido Das Problem ist, dass die Sprache immer unterschiedlich interpretiert wird, Sprache kann also sehr gefährlich sein. Und deshalb werden wir oder auch Schriftsteller angefeindet.

Aber darf man jeden beleidigen?
Bushido Nein, darf man nicht. Tun wir auch nicht. Darum habe ich nicht alle meine Texte veröffentlicht. Die richtig krassen Sachen liegen bei mir in der Schublade. Und bleiben auch dort.

Sie waren sich jahrelang spinnefeind. Was hat Sie vereint?
Sido Ich machte den Anfang. Als ich von Bushidos Bandscheibenoperation hörte, hab ich ihm gute Besserung gewünscht.
Bushido Das war echt cool von ihm. Denn ich habe sieben Jahre an dem Scheiss gelitten.
Sido Früher wollten wir dem anderen immer das Brot vom Teller nehmen. Darüber sind wir hinweg. War Kinderkram.

Sind Sie heute Freunde?
Sido Völlig locker. Ja.

Bushido Wir müssen nicht dauernd quatschen. Die Freundschaft basiert vor allem auf Respekt. Weil wir wissen, was der andere durchgemacht hat. Jeder von uns bekommt ja dauernd auf den Deckel.

Was zeichnet eine Männerfreundschaft aus?
Bushido Ach, es ist immer entspannter, wenn das Geschlecht nicht in die Quere kommt.

Sie sind beide ohne Vater aufgewachsen. Wie prägte Sie das?
Sido Ich weiss nicht, was mir fehlte. Weil ich den Vater ja nie hatte. Ich hatte nie das Gefühl: Ey Mann, ich wäre gerne mit Papa fischen gegangen.
Bushido Ich habe ihn auch nie vermisst. Meine Herkunft war auch so stabil. Meine Mutter ging immer arbeiten, musste nie Sozialhilfe beziehen.

Wie erziehen Sie Ihre Kinder?
Bushido Dass sie Respekt haben, anständig sind, lernbegierig. Schuhe ausziehen, Danke sagen. Lieber die Hand mal in der Hosentasche lassen, bevor du einem auf die Fresse gibst. Keine Drogen, kein Alkohol. Was dabei aber herauskommt, können wir nicht planen. Wir sind das beste Beispiel dafür: Wir haben all das gemacht, was man nicht hätte machen sollen. Und sind dennoch ganz anders geworden.

Total bürgerlich also.
Bushido Ja klar, spiessig und langweilig. Aber wir wollen gar nicht mehr stänkern und die Quoten-Rüpel sein.
Sido Unser Ziel war es immer, aus dem Hochhaus-Ghetto rauszukommen. Weil es dort scheisse ist. Die Leute da auch scheisse bleiben. Weil sie nichts dazulernen.

Sie sind heute beide liiert, Sido ist sogar schon verlobt. Auch ganz spiessig für zwei Skandal-Rapper.
Sido Hey, ich bin ja quasi schon unter der Haube. Ich wollte am 6. Juni letzten Jahres heiraten. Aber das klappte dann nicht. Nächstes Jahr bestimmt!
Bushido Bei meiner Anna-Maria bin ich endlich angekommen. Ich habe früher ja alles mitgenommen, jede Frau, die bei drei nicht auf den Bäumen war.

Können Sie treu sein?
Sido
Natürlich kann ich treu sein. Alter, ich bin seit sechs Jahren in einer Beziehung. Eine gute Zeit kann man mit jeder Frau haben. Aber irgendwann weiss man auch, dass jede Frau Probleme macht. Und wenn man eine Frau gefunden hat, die einem möglichst wenig Probleme bereitet, oder deren Probleme einen selbst nicht gross stören, dann sollte man bleiben.

Was sind Ihre Schwächen?
Bushido
Ich bin immer noch ein Choleriker. Hatte deswegen schon oft Ärger. So viel Geld wie ich für Strafen bezahlen musste, weil ich jemanden beleidigt habe – da hätte ich ganze Waisenhäuser finanzieren können.

Ihr grösster Luxus?
Bushido Freiheit. Es gibt nichts Schöneres als sagen zu können: Jungs, tut mir leid, aber ich muss mal dringend weg. Und dann flieg ich nach Neuseeland. Das ist mir heute möglich.

Und materiell? Sie tragen eine Breitling-Luxusuhr ...
Bushido Hab ich aber auch voll dafür bezahlt. Ich lasse mir nichts schenken, sonst bleibe ich nur was schuldig.

Macht Ruhm glücklich?
Bushido
Nein. Aber ein fettes Konto entspannt.
Sido Der Stress ist grösser, wenn man von fünf Euro im Tag lebt und keine Ahnung hat, wie man das S-Bahn-Ticket bezahlen soll. Das wissen wir beide.

Wo sind Sie mit 70 Jahren?
Bushido Hoffentlich irgendwo an der Sonne. Mit ein paar Enkeln um mich herum, die mir tierisch auf den Senkel gehen.
Sido Mein Traum ist es, irgendwann auf einem Bauernhof am See zu leben und Selbstversorger zu sein. Anpflanzen und ernten. Mit Kühen und Solarenergie. Zurück zu den Wurzeln.
Bushido Nicht mehr den Affen spielen zu müssen. Das überlassen wir Mick Jagger.

Publiziert am 23.11.2011 | Aktualisiert am 03.01.2012
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Adrian Bretscher

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