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BLICK: Rennen Sie und Ihre Söhne zu Hause nur noch mit Beisserchen und Umhang rum?
DJ BOBO : Nein, aber Jamiro meinte nach der Show-Premiere im Europapark: Papi, der Drachen sieht nicht echt aus.
Und jetzt zittern alle vor ihm?
Oh, ja! Wir haben eifrig an den Kostümen, Choreografien und Bauten gefeilt. Und ich habe noch ein paar alte und neue Bobo -Songs reingepackt.
Es gibt wieder lange Ansprachen ans Publikum. Sie hätten Pfarrer werden sollen.
Nein, eher Comedian (lacht). Aber ich habe das Glück, dass mir die Leute gern zuhören. Dieses Mal hypnotisiere ich sogar das Publikum. Da ist in der fünften Probe-Show in Rust etwas Schlimmes passiert. Eine Tänzerin sass plötzlich mit geschlossenen Augen da. Ich sagte: «Steh auf!» Doch sie bewegte sich nicht. Sie war eingeschlafen!
Auf dem Album zur Tour gibts schöne Balladen wie «We Gotta Hold On». Sie wird aber am Radio nicht gespielt, ist nicht in den Charts. Warum?
Ich bin eben 40 geworden. Das ist zu alt, damit mich die Jungen kaufen. Und ich bin zu jung, um Kult zu sein. Aber ich wollte ja mit «Vampires» einen Soundtrack zur Show machen. Ich muss keine Hitparaden mehr stürmen.
Bei Ihren Produktionen haben Sie alles fest im Griff haben – jeden Schritt, jeden Ton. Können Sie als Chef eklig sein?
Also ich verlange volle Professionalität. Wenn es einer nicht bringt, steh ich ihm zuerst anständig auf den Fuss. Wenn er es weiter nicht bringt, muss er gehen.
Beim Hausbau sagten Sie Ihrer Frau Nancy, dass sie billigere Platten wählen soll.
Manchmal muss man den Frauen etwa helfen. Bei vier Quadratmetern Platten ist es mir ja egal, aber nicht wenn es hundert sind ...
Sie könnten sich doch den teuersten Marmor leisten!
Unsere Branche steht schief. Wir verkaufen ja keine CDs mehr. Zum Glück laufen meine Tourneen noch gut. Aber wenn dieses zweite Standbein irgendwann wegbricht, möchte ich in zehn Jahren nicht mein Haus verkaufen müssen.
Geben Sie diese Haltung auch an Ihre Söhne Jamiro und Kayley weiter?
Ja, ich bin ein strenger Papi und setze Grenzen. Bei uns zu Hause wird nicht TV geschaut. Ich habe mich in Deutschland für eine Kampagne gegen exzessiven Computer- und TV-Konsum von Kindern eingesetzt. Am liebsten hätte Jamiro mit fünf schon ein Handy, weil seine Cousinen eins haben.
Haben Sie nach dem Eurosong-Debakel noch genügend Saft für diese Tour?
Ja, wir haben im Ausland 25 Prozent mehr Tickets verkauft als 2005. Mich haut aber immer noch aus den Socken, wenn ich im Ausland auf die Kritik religiöser Kreise angesprochen werde, wir würden Menschen in den Selbstmord treiben. Diese Aktion warf ein schlechtes Licht auf unser Land.
Hat Ihnen Helsinki geschadet?
Im Ausland nicht, da gab es ja nicht diese emotionale Einbindung wie bei uns. In der Schweiz hat mir der Eurosong schon geschadet. Mir ist das Schlimmste überhaupt passiert: Die Leute hatten Mitleid. In der Bäckerei, wo ich Brot kaufe, fragte mich die Verkäuferin: Gehts wieder, Herr Baumann?
Werden Sie mit 50 noch auf der Bühne tanzen?
Ich habe mich da schon stark zurückgenommen. Ich bin heute eine Art Märchenonkel, darin gefalle ich mir. Aber es ist nur Facette. Solange ich noch nicht Kult bin, möchte ich mich dauernd neu ausprobieren. Nach den Piraten und Vampiren gibts sicher nichts dergleichen mehr. Was dann kommt, weiss ich noch nicht.