Musikexperte Camenzind zum Schweizer Jahreshitparade-Debakel «Spotify benachteiligt die Schweizer Musikszene massiv»

Nur eine einzige Schweizer Band schaffte den Sprung in die Schweizer Jahrescharts von 2016. Eine Entwicklung, die für den Musikexperten Roman Camenzind einen klaren Grund hat.

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Die Schweizer Jahreshitparade 2016 ist veröffentlicht, und ganz vorne unter den 100 erfolgreichsten Songs des Jahres finden sich die Namen des norwegischen Produzenten Alan Walker (19) und der australischen Sängerin Sia (41). Auffällig: Lediglich ein Schweizer Song figuriert unter den 100 erfolgreichsten Singles. Das Zürcher Mundart-Pop-Duo Dabu Fantastic schaffte es mit seinem Hit «Angelina» gerade mal auf den vorletzten Platz.

«Viele Schweizer Songs mit Hitpotenzial»

Michel Birri (29), Moderator der Hitparade auf SRF 3, stimmt dieses Ergebnis nachdenklich: «Ich persönlich finde, dass es 2016 viele Schweizer Songs mit Hitpotenzial gab, so beispielsweise ‹Himalaya› des jungen Rappers Nemo und ‹When It Rains It Pours› von den Lovebugs. Diese haben es aber leider nie auf die vorderen Plätze der Hitparade geschafft.»

Im Vorjahr waren mit Lo & Leduc, Dodo (39) und dem Migros Ensemble immerhin drei Künstler auf der damals um 25 Interpreten kürzeren Liste zu finden. Vor zehn Jahren waren es noch sechs Schweizer Musiker. Die Tendenz in den letzten Jahren ist auffallend sinkend. Aber warum?

«Die ganze Musikszene ist unzufrieden»

Produzent und Musikexperte Roman Camenzind (40) kennt den Grund für das schlechte Abschneiden der Schweizer Musiker. «Spotify benachteiligt die Schweizer Musikszene massiv», sagt er. «Beim Streamingdienst sucht man vergebens nach Schweizer Musikern in Playlisten und auf Bannern, was zu weniger Klicks führt. Internationale Künstler sind da stark im Vorteil.» Für Spotify als internationales Unternehmen sei die Schweizer Musik schlichtweg noch nicht von Bedeutung. 

Weiter sagt er über den Anbieter, der genauso wie physische auch digitale Verkäufe für die Hitparade mitzählt: «Durch die Wertung von Spotify-Playlists kommt es momentan zu einer krassen Verfälschung der Charts. Zu Lasten nationaler Künstler.»

Musikschaffenden gehe diese Entwicklung hierzulande gegen den Strich. 
«Die ganze Schweizer Musikszene ist unzufrieden, wie sich alles seit dem Markteintritt von Spotify entwickelt», sagt Camenzind.

Erfolgreiche Schweizer Alben

Immerhin sind die Album-Jahrescharts mit insgesamt 20 Schweizer Künstlern ein Lichtblick für die Schweizer Musikschaffenden. Allen voran Mundartmusiker Trauffer (37) auf Platz zwei und Büezer-Rocker Gölä (48) auf dem vierten Platz.

Für Andy Renggli (47) von der GfK Entertainment AG, welche die Verkaufszahlen für die Hitparade ermittelt, ist das ein Zeichen der Zeit. «In der Schweiz ist es seit langer Zeit so, dass sich die Schweizer Produkte vor allem in den Album-Charts widerspiegeln», sagt er.

Trotz schwacher Vertretung in den Single-Charts: Camenzind ist sich sicher, dass das Jahreshitparade-Debakel nicht an den Schweizer Künstlern und der Qualität der Musik liegt. «Sie machen einen vielfältigeren Sound denn je und verkaufen so viele Konzertkarten wie nie zuvor», so der Hit-Produzent.

Publiziert am 05.01.2017 | Aktualisiert am 06.01.2017
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