Schweinegrippe-Alarm Legen Briten die Schweiz flach?

  • Publiziert: 30.07.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

«Still Have A Dream» ist das Motto der 18. Street Parade. Der Traum könnte wegen der Schweinegrippe von englischen Ravern zum Albtraum für die Schweiz werden.

Street Parade. Fast eine Million Menschen werden am 8. August am Zürcher Seebecken erwartet. Ein idealer Übertragungsort für die Schweinegrippe.

Noch hat die Pandemie die Schweiz nicht im Griff. «Wir haben noch sehr wenige Ausbrüche. Man muss jetzt versuchen, die Ausbreitung zu begrenzen», sagt Jean-Louis Zürcher, Pressesprecher des Bundesamtes für Gesundheit (BAG), zu BLICK.

Das Begrenzen der Ausbrüche – ein Problem an der Street Parade. Denn nicht nur Schweizer tanzen. Ausländer reisen zu Zehntausenden an. Auch die Engländer.

Ein Gesundheitsrisiko. In England haben sich die Neuansteckungen vergangene Woche verdoppelt – 100 000 Fälle in sieben Tagen! Experten rechnen mit 64 000 Schweinegrippe-Toten in England.

Immunologie-Professor Beda Stadler warnt: «Wichtig ist, dass man jetzt die Grippeverlaufskurve in England ganz genau beobachtet.Wir wissen noch nicht, ob mit den 100 000 Neuansteckungen letzte Woche die Spitze bereits erreicht ist oder ob das Schlimmste erst noch kommt.»

Das Schlimmste: eine weitere rasante Zunahme der Ansteckungen in England. «Diese Wahrscheinlichkeit besteht.» Deshalb fordert Stadler: «Das BAG muss parat sein, einen Grossanlass wie die Street Parade im Notfall auch einen Tag vorher abzusagen!»

Und die Engländer kommen. Denn überall auf der Insel wird die Parade beworben: «Have a rocking good time: party on!» und «Biggest party of the year!» sind nur zwei der Werbesprüche. Kein Zweifel: Tausende britische Raver sind unterwegs nach Zürich.

Zürich droht schon in neun Tagen eine tanzende, unkontrollierbare Schweinegrippe-Schleuder. Trotzdem sagt Jean-Louis Zürcher vom BAG: «Wir haben keine speziellen Empfehlungen für die Street Parade.» Und verweist auf die Zürcher Behörden. Dort setzt man auf Händewaschen. «Gefragt ist nach wie vor die Eigenverantwortung», sagt Franziska Egli, Sprecherin der Gesundheitsdirektion.

Und sowieso, so sehens die Zürcher, sei der Bund für Verbote zuständig. Doch dort heissts: Nur für «allgemeine Verbote», Einzel-Veranstaltungenmüssten die Kantone verbieten.

Klar scheint: Keine Behörde will es sich mit den Ravern verderben. Und die Street-Parade-Organisatoren scheinen darüber nicht unglücklich und beschwichtigen durch Pressesprecher Stefan Epli: «Die Anzahl Engländer ist auf die Masse ein eher unbedeutender Wert.»

Das hingegen ist dem Virus herzlich egal – alles, was sich in einem Umkreis von 100 Zentimetern befindet, wird infiziert.






Schweinegrippe in Tessiner Kinderkrippe

Eines der grössten Tessiner Tagesheime für Kinder musste wegen der Schweinegrippe geschlossen werden. Eine Betreuerin und ein dreijähriges Kind haben sich mit dem H1N1-Virus infiziert. Das Virus habe die Betreuerin eingeschleppt, die in Spanien in den Ferien gewesen sei, sagte die stellvertretende Tessiner Kantonsärztin Danuta Reinholz. Trotz der Schweinegrippe ist der Zustand des Kleinkindes und der Betreuerin nicht gravierend.

Die Kinderkrippe in Breganzona bei Lugano bietet Platz für 50 Kinder im Alter von 4 Monaten bis 4 Jahren. Sie ist nun eine Woche lang geschlossen.
play Die verrückten Briten werden an der Street Parade zum Schweine­grippe-Problem. (Imago)

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