Faith No More Immer noch gaga – zum Glück

  • Publiziert: 15.06.2009, Aktualisiert: 03.01.2012

INTERLAKEN – Die Haare sind dünner geworden, der Klangteppich ist immer noch dicht. Faith No More sind definitiv zurück. Auch ohne neue Songs.

Streitereien, zahllose Solo-Projekte – von Frontmann Mike Patton – und das Stossen an die eigenen Grenzen: 11 Jahre setzten die Crossover-Überväter aus. Jetzt wollen es Faith No More nochmals wissen, am «Greenfield Festival» standen sie wiedervereinigt auf der Bühne. Und die laut Patton «älteren Herren» haben offensichtlich Spass dabei – genau wie die 24188 Fans.

Die Shorts sind zwar Anzügen gewichen, die Show ist aber nach wie vor pure Energie. Mike Patton ist ganz die Rampensau von früher, das Spiel der Band greift immer noch perfekt ineinander. Der Bass metallisch knackend, die Gitarre kreischend, die Drums kristallklar. Das Keyboard macht den Sound von Faith no More dichter, ohne Schmalz hinzuzufügen.

Bewahrt hat sich die Band auch ihren Esprit: Faith No More-Konzerte sind Musikvergnügen und grosses Kino zugleich. Überraschungen sind garantiert. So legen die fünf Musiker nicht mit einem Hit los, sondern sülzen erstmal «Reunited» von Janelle Stewart. Auch eine Cover-Version von Lady GaGas «Pokerface» hat Platz.

Aber Faith No More sind live vor allem Mike Patton. Vom stimmlichen Repertoire her ohnehin etwas vom Besten, was die Musik-Szene zu bieten hat, lebt der 41-Jährige live richtig auf. Erinnert er auf Fotos an Johnny Depp, mutiert er auf der Bühne zu Jack Nicholson aus «Shining». Er brüllt, schmachtet und rollt die Augen, der Wahnsinn ist Programm. Der Mann verrichtet sein Geschäft auf Tournee sicher auch heute wieder im Hotel-Föhn, bevor er auscheckt. (zeb)

Dresscode schwarz am Greenfield

INTERLAKEN – Wer auf sanfte Töne steht, ist am «Greenfield Festival» am falschen Ort. Wo sonst Flugzeugmotoren dröhnen, kreischen für ein Wochenende im Jahr die Gitarren. An der aktuellen Ausgabe des Greenfield überstrahlte das Comeback-Konzert von Faith No More die Auftritte der anderen Acts. Sogar Billy Talent konnten während ihres Konzerts von nichts anderem sprechen. Vielleicht sprang deswegen der Funke nicht wirklich aufs Publikum über, genau wie bei Nightwish und besonders den Guano Apes, die zeigten, dass eine Reunion auch mächtig schief gehen kann.

Dafür überzeugten die Drogen-Rocker von Monster Magnet, Max Cavalera mit Soulfly und die Ska-Fun-Punker von Less than Jake. Auch The Subways rockten das Zelt. Entdeckung des Jahres sind die Briten Gallows, die eine Wahnsinns-Show ablieferten. Zum Schluss brachten Korn und Slipknot die Menge im heissen Interlaken nochmals zum Kochen. (zeb)