
Bitte melden Sie sich an, um Ihren Kommentar abzugeben.
Wenn Sie ein Konto bei Facebook haben, können Sie sich damit anmelden.
play
Slash: «Für jemanden, der high war, war ich verlässlich.» (Getty)
BLICK: Slash, auf Ihrem neuen Album «Slash» spielen alle von Guns NRoses mit. Alle ausser Axl.
Slash: Mit Axl habe ich nicht gesprochen. Mit den anderen hab ichs ja wirklich gut. Steven (Adler) hab ich einfach gesagt, er dürfe mitspielen, wenn er lange genug clean bleibt. Und das hat er hingekriegt.
Das mit Axl ist also immer noch ein Problem.
Es ist eigentlich nicht wirklich irgendwas. Es ist absolut gar nichts. (lacht)
Trotz Ihrer Band Velvet Revolver und Ihrem Solo-Projekt sind Sie wohl noch immer für die meisten einfach Slash von Guns NRoses. Stört Sie das?
(lacht) Ich gebe zu: Das war die längste Zeit so, und es trifft auf viele noch immer zu. Aber ich habe nicht das geringste Problem damit. Darauf darf ich stolz sein. Und es hat sich verändert: Viele Leute nehmen mich jetzt auch als den Typen von Velvet Revolver wahr. Und die Kids – die kennen mich als «Slash von Guitar Hero». Für die bin ich der Typ aus der Game-Konsole! (lacht)
Spielen Sie selbst auch Guitar Hero? Oder mit ihren Kids?
Früher hab ich das ganz gern gespielt. Und ich bin natürlich stolz darauf, jetzt im Game vorzukommen. Aber seit ich selbst drin vorkomme, hab ich es nicht mehr angerührt. Das ist mir zu irre. Meine Kinder – sie sind fünf und sieben – die spielen echte Instrumente.
Was für welche?
Der Jüngere übt schon fleissig Klavier. Er ist ein bisschen wie ich: spielt einfach drauflos, cool. Der ältere muss Geige üben. Es wird an seiner Schule verlangt.
Slashs Sohn übt zu Hause Geige?
(lacht) Ja, ich übe sogar mit ihm. Zeige ihm zu Hause auf der Gitarre, welche Töne er spielen muss. Er hasst es, er ist mehr der sportliche Typ.
Sie rocken auf der CD frisch drauf los wie eh und je. Sind Sie auch privat noch derselbe Slash wie früher?
Mein Lifestyle hat sich eigentlich nicht gross verändert. Bis auf drei Dinge: Ich habe jetzt Kinder. Zum ersten Mal in meinem Leben gibt es ausserhalb einer Band eine wirklich grosse Verantwortung. Ich glaube, das habe ich gebraucht, das erdet mich, ich muss ja ständig was machen, so bin ich halt. Als verheirateter Mann muss ich zudem nicht mehr irgendwo zwischen nackten Girls aufwachen. Und ich saufe nicht mehr so viel, und ein Drogenproblem hab ich auch nicht mehr.
Das ist doch einiges. Wer Ihre Autobiografie kennt, weiss, dass Ihr Drogenproblem nicht gerade klein war.
Das kann man wohl so sagen. Alles, was ich in den letzten 3,5 Jahren zustandegebracht habe, hätte ich nie geschafft, wäre ich high gewesen. Es ist schwierig, sich um Dinge zu kümmern, die erledigt werden müssen, wenn man eine Sucht hat.
Hemmen Drogen die Kreativität?
Das würde ich so nicht sagen. Früher habe ich ja ganz tolle Dinge gemacht und war immer total high. Aber eine Sucht braucht Zeit und Energie. Andere Dinge werden weniger wichtig. Auch das Musikmachen leidet. Für jemanden, der drauf war, war ich sehr verlässlich und vertrauenswürdig – verglichen mit anderen.
Verschiedene Menschen reagieren verschieden auf die gleichen Drogen?
Oh ja, das wurde in den 90er-Jahren überdeutlich. Aber als Rebell war mir das egal. Was sich änderte, war die Betrachtungsweise dieses Zustands: In den 70er- und 80er-Jahren galt es als cool, verladen zu sein. Aber dieser Witz wurde irgendwann alt, für alle. Man hinterlässt nun mal einen ganz anderen Eindruck, wenn man einen Raum auf einem Heroin-High betritt als wenn man clean ist. Das habe ich gemerkt.
Sie hätten diese Platte nicht machen können auf Drogen?
Dieses Projekt nicht, nein. Da musste ich alles im Griff haben. Fähig sein, überall einen guten Eindruck zu machen, überall ernst genommen zu werden. Glauben Sie mir, ich dachte lange, das sei so, auch wenn ich voll zugedröhnt bin, aber dem ist nicht so. (lacht)
Sie sprachen vorhin von sich als «Rebell» – in der Vergangenheitsform. Ist Slash kein Rebell mehr?
Doch doch. Rebell sein, damit meine ich mehr eine Geisteshaltung. Ich tue alles, was ich tue, immer noch so, wie ich es für richtig halte. Meine ganze Karriere baut darauf auf, immer das getan zu haben, was ich will. So habe ich auch dieses Riesen-Projekt durchgeboxt. Obwohl mir viele gesagt haben: das kriegst du nie hin.
Denen haben Sies gezeigt. Was war Ihr schönstes Erlebnis im Studio?
Schwierig, alle Kollaborationen haben sehr viel Spass gemacht. Aber für mich war wohl das Grösste, als Lemmy kam. Mit ihm konnte ich mich schon immer identifizieren, schon als Kind, Er war mein Held, er ist eine ältere Version meiner selbst (lacht). Jetzt kennen wir uns schön länger persönlich, und plötzlich ruft er an und sagt: «Hey, ich hab da einen Song geschrieben.» Der passte mir total – es geht um Alkohol und Drogen. Und als er dann ins Studio kam, hielt er in der einen Hand eine Flasche Jack Daniels und eine Tüte Kartoffelchips, in der anderen seinen Bass. Das war einfach völlig surreal. Und cool. Aber hey, was soll ich sagen: Mit Iggy Pop, mit Chris Cornell, mit Dave Grohl, mit all den anderen – die ganzen Aufnahmen bestanden nur aus coolen Momenten!