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SonntagsBlick Magazin: Mister Bon Jovi, Sie sehen müde aus, wie geht es Ihnen?
Jon Bon Jovi: Ich wage es fast nicht zu sagen, aber es geht mir gut. Dabei liebe ich es doch, mich ständig zu beklagen. Ich würde sogar behaupten, es gibt wenige Menschen, die sich besser beklagen können als ich das kann.
In Ihrem neuen Album «The Circle» klagen Sie über die Welt. Im Titelsong verkünden Sie: «We weren’t born to follow». Wozu sind wir Menschen denn geboren?
Um zu führen. Um uns Gehör zu verschaffen. Um zu reden, um uns zu wehren, um eine Meinung zu haben und diese zu äussern.
Das sind überraschend ernste Töne für einen Rocker, den alle so gern haben.
Wer wie ich 47 Jahre alt geworden ist, merkt spätestens dann, warum wir Menschen hier sind, nämlich um etwas zu bewirken.
Sie feiern im Video zum Titelsong ausserordentliche Leute wie Martin Luther King, Lance Armstrong, Barack Obama oder Princess Diana. Was haben Sie denn Ausserordentliches geleistet?
Ich bin ein Vater von vier Kindern. Sonst bin ich eigentlich auf nichts stolz.
Und das reicht Ihnen als Inspiration, um ein politisches Album zu schreiben?
Mich haben Menschen inspiriert wie der junge Chinese, der sich vor zwanzig Jahren auf den Platz des Himmlischen Friedens vor einen Panzer stellte. Die Idee für den Titelsong verdanke ich der Iranerin Neda Soltani. Sie führte im Juni Proteste gegen das iranische Regime an und starb dabei. Neda hat mir gezeigt, dass eine einzige Stimme reicht, um etwas ins Rollen zu bringen.
Woher stammt bei Ihnen diese wieder- entdeckte Ernsthaftigkeit?
Aus der Aktualität. Ich begann Anfang September 2008 ein Greatest-Hits-Album zu konzipieren. Damals boomte die Wirtschaft, die Bush-Ära ging zu Ende. Alle waren glücklich. Ich verfasste Liebeslieder und einen Song über Drogenentzug. Es langweilte mich zu Tode.
Kurz darauf krachten erste Banken.
Und wir wählten einen neuen Präsidenten. Die Wirtschaft sackte ab. Die Welt stand Kopf. Sogar meine Nachbarn verloren ihre Häuser. Da konnte ich doch kein Greatest-Hits-Album mehr machen. Ich wollte was Richtiges tun.
Sind Sie von der Krise denn betroffen?
Oh ja, meine Häuser verloren an Wert, und ich musste mein Football-Team schliessen. Die Liga, in dem es spielte, ging bankrott.
Ausserordentlich ist ja auch, dass Sie nach 26 Jahren im Rockgeschäft noch immer die grossen Stadions füllen.
Niemand ist da erfolgreicher als wir. Niemand verkauft mehr Tickets als Bon Jovi.
Sie bauen und finanzieren Häuser für Arme, sie setzten sich für Behinderte ein und für Aidskranke. Warum?
Weil ich ein Mann bin. Und weil ich genügend Geld habe, das zu tun. Zudem kann ich tatsächlich Häuser für Leute bauen, die sie brauchen. Das habe ich schon 217 Mal bewiesen.
Sie sollen politische Ambitionen haben.
Das ist falsch. Ich habe keinerlei Absichten, in die Politik einzusteigen. Ich bin mir nicht mal sicher, ob ich die Politik respektiere. Wenn ich jemandem aber ein Dach über dem Kopf errichte oder ihm eine Mahlzeit auf den Tisch stelle, dann hat das einen spürbaren Nutzen.
Sie sind ein Rockstar mit enormem Sexappeal. Wie bereiten Sie sich auf den Tag vor, wenn der Bauch dicker,^das Haar dünner und der Hintern schwabbeliger wird?
Darauf muss ich mich nicht mehr vorbereiten. Dieser Tag ist schon vor Jahren gekommen. Glauben Sie mir, mein Bauch wächst und die Haare fallen aus. Ich bin nicht mehr der knackige Bursche, der ich einmal war. Und das ist verdammt noch mal die Wahrheit.
Das muss entsetzlich sein für einen Rocker, dem die Frauen zu Füssen liegen.
Mein Selbstvertrauen ist gross genug, um damit fertig zu werden. Wäre ich nur ein Pin-up, würde mich «Rolling Stone» doch nicht mehr aufs Cover setzten. Als ich 25 Jahre alt war, hatte ich meine Justin-Timberlake-Phase. Damals war ich jung, schön und sexy. Das reichte vollends, um Konzerthallen zu füllen. Doch das ist jetzt vorbei. Dennoch sind Sie aus der Schweiz nach London geflogen, um mit mir zu reden. Hätte ich musikalisch nichts zu bieten, hätten Sie mich nicht mal angerufen.
Sie werden noch nicht sehr lange als ernsthafter Musiker wahrgenommen. Stand Ihnen das Sexsymbol im Weg?
Es war ein Segen und ein Fluch. Jon Bon Jovi ist putzig, deshalb verkauft er Platten, schrieb die Presse. Da ich längst nicht mehr putzig bin, geht das nicht mehr. Wir verkaufen aber noch immer genügend Platten.
Sie waren in Europa stets beliebter als in den USA. Warum eigentlich?
Das ist falsch. Unsere Beliebtheit verläuft zyklisch. In Europa waren wir immer beliebt. Es gab jedoch Zeiten, in denen wir in den USA nicht sonderlich gut ankamen. Amerika will ständig neue Hits, Singles, die an die Spitze der Hitparade stürmen. Für Alben oder lang anhaltende Karrieren interessiert sich hier keiner. Bevor jemand etabliert ist, kommt und geht er so schnell wie der Wind.
Sie sagen, Vater zu sein sei Ihre grösste Leistung. Ihre Kinder sind die Kinder von Superstar Jon Bon Jovi. Wie stellen Sie sicher, dass sie sich selbst bleiben?
Es gibt dafür keine Bedienungsanleitung. Meine Frau und ich lernen es jeden Tag neu. Ich versuche den Kindern aber beizubringen, sich für etwas einsetzen, zu dem sie stehen können. Ich glaube, das können sie ganz gut.
Das ganze Interview mit Jon Bon Jovi finden Sie im SonntagsBlick Magazin.