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650 Fans jubelten, als Sie mit Ihrer fünfköpfigen Rock-Combo im «Anker» von Interlaken bei Generalproben zur «Prototyp»-Tour abrockten. Am 4. März startet auch der Film «Nagelprobe», in dem Sie einen verschrobenen Staatsarchivar spielen. Was macht im Moment mehr Spass, Filme zu drehen oder zu musizieren?
Natürlich schon das Musizieren. Mittlerweile haben wir vier Gigs hinter uns. Es gab keine Probleme, nichts. Auch die Stimme kommt wieder. Die Muskeln sind wieder gewachsen. (lacht) Das kommt, wenn man wieder fleissig singt.
Sie sind bald 65 – die Jungs auf der Bühne bedeutend jünger. Wie erleben Sie das?
Ich bin der Vater für sie – aber auch ihr CEO. Man muss Vertrauen schaffen, sie auch mal loben. Aber sie merken ja selber, wenn sie gut sind. Es macht unglaublich Spass. Ich machte ja 18 Jahre lang Musik mit der Schmetterband. Da kam Routine auf, die auch ungesund sein konnte. Was wir jetzt machen, birgt Risiken. Aber es schafft auch Aufmerksamkeit.
Und es bringt sicher auch ein jüngeres Publikum.
Das glaub ich nicht. Wir haben von Kindern bis zu Grosseltern alle im Publikum. Es ist halt gute Unterhaltung. Eine Mischung aus neuen, alten und unbekannten Sachen. Wir haben akustische Sachen drin, aber andere sind elektrisch, hart und schnell. Manchmal klingt es nach Country, dann wieder nach Gospel und Blues.
Man spürt, dass es in Ihrer Seele wummert, dass Ihr Herz rockt. Wie lange wollen Sie noch Musik machen?
Ich will auf der Bühne sterben (lacht). Das kann ich mir schon vorstellen. Das ist sicher besser, als an den Schläuchen zu hängen. Es gibt sicher Leute, die an meine Konzerte kommen, weil sie denken, es putzt ihn dann gleich.
Aber die meisten sicher nicht ...
Nein, natürlich nicht. Ich bin ja voller Lebenslust. Und es gibt ja viele Rock’n’Roller, die alt wurden, wenn sie die gefährlichste Zeit zwischen 20 und 30 mit all den Drogen überlebt haben.
Ihre Frau Alice baut ja Särge. Wollen Sie in so einem bestattet werden?
Auf jeden Fall.
Hat sie schon einen für Sie gebastelt?
Nein, ich will ihn selber entwerfen. Aber ich überlege mir noch, wie er aussehen soll.
Sie bleiben jetzt schon noch eine Weile bei uns?
Klar, jetzt mach ich mal bis Sommer die Tour. Ich habe auch bereits Pläne für ein neues Album.
Und dann kommt die grosse Schauspieler-Karriere?
Jetzt habe ich ja mal diesen Film unter der Regie von Luke Gasser, dem Obwaldner Filmer, Autor und Musiker, gemacht. Und ich habe schon in drei Filmen gespielt, aber immer mich selber. Dieses Mal spiele ich einen Bünzli – einen Staatsarchivar und Archäologen. Er hockt die ganze Zeit in seinem Büro und muss nur raus, wenn irgendwo gegraben wird.
Was haben Sie während der Dreharbeiten gelernt?
Dass es die Schlacht bei Sörenberg zwischen Obwalden und dem Entlebuch wirklich gab.
So einen Typen zu spielen, muss Sie ja grausen!
Nein, es ist spannend. Dieser Rolf Aschwanden ist Teil des Filzes, er muss vor dem Bauunternehmer kuschen, wenn dieser an sein archäologisch interessantes Territorium ran will. Der Film hat zwei Zeitebenen, spielt im Mittelalter und heute. Wie Gasser das mischt, find ich toll.
Aber als junger Mensch hätten Sie ihn gehasst.
Ja, damals als Desperados von Interlaken hatten wir Mühe mit Autoritäten. Zuerst mit dem Vater, dann mit dem Lehrer, dem Lehrmeister, den Vorgesetzten im Militär und in den Ämtern. Es gab immer Lämpen. Irgendwann beschloss ich, mein eigener Chef zu werden.
Was würden Sie denn noch gern spielen?
Einen Bankräuber. Ich habe mir aber nie überlegt, eine Bank auszurauben. Das fand ich immer zu anstrengend.
Das Leben von Polo Hofer wäre doch auch Filmstoff.
Ja sicher. Aber das müsste nach meinem Drehbuch gehen.
Florian Ast könnte ja den jungen Polo spielen – oder?
Nein, der ist doch schon zu alt.
Ach ja? Sie finden ja auch, er sei ein Schlagersänger und kein Rockmusiker.
(lacht) Nein, damit hat das nichts zu tun. Meine Aussagen im BLICK, dass der Schlager eine heile Welt vorgaukle, hat mir übrigens viel Ärger gebracht. Ich bekam viele wüste Mails und Briefe. Ich bin jetzt der «böse Siech».
Ärger ist nicht gut für die Gesundheit. Wie rüsten Sie sich eigentlich für die Tour – mit viel Fitness?
Nein, mit einem Glas Wein ab und zu. Auch jetzt im Winter gilt für mich: Lieber Après-Ski als Ski.
«Ich will auf der Bühne sterben.» Polo Hofer- Remo Nägeli