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DJ Bobo kommt trotz seiner laufenden «Fantasy»-Tournee noch zum Fernsehen.- Toini Lindroos
DJ Bobo, Sie sind der Lieblingsmusiker der geistig behinderten Menschen in der SF-Doku «Üsi Badi»...
DJ Bobo : Habe ich mitbekommen. Ich verfolge die Sendung mit grossem Interesse. Das heikle Thema wurde vom Schweizer Fernsehen so liebevoll umgesetzt, da schalte ich gerne ein.
Haben auch Sie einen Liebling unter den «Üsi Badi» Teilnehmern?
Ich bin ein Fan von Remo. Mit seiner direkten Art entlockt er mir immer wieder ein Lächeln. Ich schaue gerne dabei zu, wie er mit viel Selbstvertrauen nach seinem Liebesglück sucht oder den Bademeister unterstützt.
Ihr Glück in der Liebe haben Sie im Gegensatz zu Remo schon gefunden. Vor neun Jahren heirateten Sie Nancy. Trotzdem sehe ich nichts an Ihrem Ringfinger...
Stimmt, mein Ehering liegt bei mir zu Hause – sicher und beschützt.
Wieso tragen Sie ihn nicht?
Ich hatte einst einen Auftritt in Sri Lanka. Dazumal war ich noch nicht verheiratet und trug einen Freundschaftsring. Als ich meine Hände dem Publikum entgegenstreckte und nachher meine Finger anschaute, fehlte sämtlicher Schmuck daran. Seither trage ich bei Auftritten weder Uhren noch Ringe.
Nancy hat damit keine Probleme?
Im Gegenteil, ich habe den Entscheid Nancy überlassen. Ich habe ihr gesagt: ‹Wenn ich diesen Ring verliere, nur weil ich ins Publikum fasse, dann weiss ich wie du ausflippst und stinksauer bist›, also antwortete sie, dass es ihr lieber wäre, wenn ich ihn nicht trage.
Sie stehen seit 18 Jahren auf der Bühne. Wie lange noch?
Ich habe immer gesagt, DJ Bobo gibt es 20 Jahre. Deshalb planen wir auch schon fest an unserer nächsten Tournee mit der wir dann 2012 starten.
Ihre Abschieds-Tournee?
Das weiss ich jetzt noch nicht.
Und nach dem Abschied von der Bühne kaufen Sie sich ein Böötli und schippern um die Welt?
(lacht) Nein. Ich kann nicht so recht schwimmen. Deshalb ist die Vorstellung für mich ins Wasser zu fallen der reinste Horror.
Was werden Sie dann nach der Zeit als DJ Bobo tun?
Sicherlich nicht auf der faulen Haut rumliegen, dass kann ich nicht. Deshalb werde ich beruflich nahe an dem bleiben, was ich jetzt schon gemacht habe: Musik, Theater, Musical, Fernsehen, Las Vegas...
Las Vegas? Haben die Ihnen eine Show angeboten?
Ja, aber es ist nicht so, dass ich sie auch will.
Aber damit hätten Sie ihren Ruhestand vergoldet...
Nein, dass man in Las Vegas viel Geld verdient ist eben ein altes Ammen-Märchen. Ich heisse ja auch nicht Celine Dion. Die Amis finden es einfach cool, dass es auch in Europa einen verrückten gibt. Künstler mit 3D-Bühnenbauten wie wir es bei unserer aktuellen „Fantasy“-Tournee machen, gibt es in Amerika fast nicht live zu erleben.
Erst kürzlich benutzten Sie für sich das Wort «moggle». Die Albenverkäufe liefen nicht mehr wie erwartet, die Hallen waren nicht mehr gefüllt. Nun scheint es, als ob DJ Bobo wieder in ist?
Dance ist wegen Lady Gaga oder David Guetta wieder salonfähig geworden. Davon profitiere ich natürlich auch. Die Leute, die mich vor zehn Jahren nur noch peinlich fanden, sehen in DJ Bobo jetzt wieder einen lässigen Typen.
Bereiten Ihnen solche sprunghaften Leute nicht Mühe?
Ich sehe es nicht so schlimm. Es ist eher ein typisches Schweizer Phänomen.
Und dies wäre?
Bei uns ist die Person wichtiger als der Inhalt, weil ich halt auch einer «von ihnen» bin. Im Ausland hingegen gefällt den Leuten deine Musik oder sie gefällt ihnen nicht. In der Schweiz hingegen wird aber noch am Konzert selber diskutiert, ob man das gut finden soll oder nicht. Solch ein Verhalten hat manchmal schon Ansätze von einem Politiker den man kritisiert.
Dann wären Sie ein idealer Kandidat für einen der zwei offenen Bundesratsposten...
Nein danke. Politiker in der Schweiz zu sein ist was vom undankbarsten dass man sich vorstellen kann. Will man von jedem angesprochen werden und ungefragt seine Meinung zu einem Thema hören? Ich sicherlich nicht.
Also ist Politiker noch ein undankbarerer Job als ein Schweizer Popstar zu sein?
Ja. Ich selber sehe mich ja nicht als Popstar in der Schweiz. Ich lebe mit meiner Familie in der Innerschweiz und habe meinen Lebensmittelpunkt hier. Aber ich bin in erster Linie Popstar im Ausland. Dass ich dann auch noch ab und zu hier Konzerte spielen darf, umso schöner.
Dann bleibt DJ Bobo bis ans Lebensende am Ufer vom Vierwaldstättersee wohnhaft?
Man weiss es nie. Ich zähle mich eher zu den Weltenbürgern. Die Schweiz ist mein Rückzugsort. Hier fühle ich mich wohl, hier ist es friedlich. Ich kann mir aber gut vorstellen, auch an einem Ort zu leben, wo es im Winter länger heller und wärmer ist.