Deutscher Skandal-Rapper Harris: «Ich werde mit ‹Hey, alter Nazi› begrüsst»

  • Publiziert: 12.11.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Interview: Maja Zivadinovic

ZÜRICH - Er nimmt den Mund stets ewas zu voll und schiesst mit Leidenschaft gegen Ausländer. Am Samstag tritt der Rapper Harris in Zürich auf.

Werden Sie jeden Tag «Rassist» geschimpft?
In anonymen Internetforen schon. Aber ehrlich gesagt: Das ist mir scheissegal. Und wenn mich Kumpels mit ‹Hey, alter Nazi, wie geht’s› begrüssen, finde ich das amüsant.

Wie ist es zu diesen Anschuldigungen gekommen?
In meinem Song ‹Nur ein Augenblick› lasse ich mich über Ausländer aus, die in Deutschland Asyl kriegen und dann Scheisse bauen. Ich meine es ehrlich, wenn ich sage, dass die wieder abhauen sollen.

Heikle Aussage.
Ich weiss. Es ist sogar belehrend. So what? Die Menschen sollen schätzen, dass wir hier Strom und Wasser haben. Ich wurde auch schon mit Thilo Sarrazin verglichen. Das kann ich handeln.

Haben Sie sein «Deutschland schafft sich ab»-Buch gelesen?
Nein, aber ich habe sein TV-Interview bei «Beckmann» gesehen. Sarrazin schiesst gegen Ausländer. Und meiner Meinung nach vergreift er sich dabei im Ton. Ausserdem bin ich sicher, dass der nie in Berlin Kreuzberg war und keine Ahnung hat, wie es da zu-und hergeht.

Sie als Kind der Strasse wissen es?
Natürlich. Ich bin da aufgewachsen und hab alles getan, was Berlin Kreuzberger-Teenies tun: Ich habe gekifft, geklaut und rebelliert.



Heute nennen Sie sich «Schwarzkopf».
Das bin ich ja auch. Meine Mutter ist Deutsche, mein Vater Afroamerikaner. Sie können mich auch ‹Apache› oder ‹Kanake› nennen. Deswegen würde ich Sie nicht verprügeln. Schliesslich ist es der Ton, der die Musik macht.

Musik machen Sie auch. Und zwar am Samstag im Zürcher Club «Exil».
Genau. Kommen Sie auch. Und nehmen Sie Ihre Freunde mit. Ach was, das ganze Land soll kommen..

Harris live am Samstag, 13.November im Zürcher Club «Exil». Türöffnung: 22.00 Uhr. Tickets: 35 Franken an der Abendkasse oder online auf «exil.cl».