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Nie zuvor war ein Popstar so hoch aufgestiegen und so tief gestürzt. Michael Jackson war einmal der «King Of Pop», ehe er zum König der Gesichtsoperationen, der Extravaganzen und der Skandalgerüchte um seine Beziehungen zu Kindern wurde.
Nach jahrelanger Verbannung verdichten sich die Anzeichen auf eine Rückkehr des tragischen Mega-Stars auf den Thron des Pop-Universums. Für Donnerstag hat der 50-Jährige die Weltpresse nach London geladen. Jackson, so das Gerücht, versuche ein Comeback in der Show-Arena.
Vier Jahre ist es her, dass Jackson in den USA unter dem Verdacht des sexuellen Missbrauchs von minderjährigen Jungen vor Gericht stand. Das Urteil des Gerichts lautete damals auf Freispruch. Das Urteil der Öffentlichkeit fiel harscher aus: Jackson verlor endgültig die Gunst des Publikums.
Das Image-Desaster durch die Pädophilie-Vorwürfe begleitete den künstlerischen Absturz. Seine letzten Alben floppten, die Kritiker fällten vernichtende Urteile, finanzielle Probleme beschleunigten den Niedergang der Pop-Ikone.
Rückzug ins Phantasiereich
Jackson flüchtete sich in das Dasein eines rast- und heimatlosen Nomaden, der einen bizarren Lebensstil pflegte. Öffentliche Auftritte hat er seit dem Prozessende 2005 weitgehend gemieden. Mal nahm er im Golfstaat Bahrain Domizil, mal tauchte er in London oder den USA auf.
Fotos zeigten einen Mann, dessen Gesicht durch chirurgische Eingriffe maskenhafte Züge annahm. Seine drei Kinder trugen in der Öffentlichkeit Masken oder Schleier. Der Rückzug in sein weltabgewandtes Phantasiereich liess ihn zum Mr. Seltsam der Popszene werden.
Dabei war Jackson einmal ein Publikumsliebling, der in den 80er Jahren die Popmusik revolutioniert hat. Sein Album «Thriller» ist mit weltweit mehr als 50 Millionen Exemplaren immer noch das meistverkaufte Album aller Zeiten.
Mit dem «Moonwalk» hatte er eine neue Tanzform auf die Bühne gebracht, der kecke Griff in den Schritt wurde Jacksons Markenzeichen. Mit detailverliebter Besessenheit perfektionierte er die Show-Auftritte, die er bereits als Kinderstar unter der Ägide seines gewalttätigen Vaters hatte absolvieren müssen.
Skepsis in der Musik-Branche
An die Zeit der Triumphe wird Jackson bei seinem Comeback anzuknüpfen versuchen. Vielleicht treibt ihn dabei einfach das Verlangen an, nicht als tragische Figur in Erinnerung zu bleiben. Nur die treusten Fans sind ihm geblieben.
«Der Beste aller Zeiten wird der neuen Generation zeigen, was wahre Musik ist», schreibt ein Fan auf der Webseite des US- Branchenmagazins «Billboard». Ein anderer freut sich: «Ich kann es kaum erwarten, ihn wiederzusehen.»
Neutrale Beobachter sind da skeptischer. «Man muss sagen, dass Jackson seine kreative Zündkraft und seine Star-Kapazität verloren hat», urteilte Popmusik-Professor Jerry Del Colliano von der University of Southern California anlässlich von Jacksons 50. Geburtstag im vergangenen Jahr.
Das Diktum des Branchenexperten Robert Thompson von der US- Universität Syracuse fällt ähnlich aus: «Michael Jackson ist das perfekte Beispiel für jemanden, den die Wucht seines Ruhms zerstört hat.»
Geldprobleme
Britische Medien berichteten, dass Jackson bei einem Comeback etwa 1,7 Millionen Euro für jeden Konzertauftritt kassieren dürfte. Die Aussicht auf Einkünfte dürfte nicht unwesentlich zu Jacksons Comeback-Wunsch beigetragen haben.
In US-Medien häufen sich Berichte über Schulden des Sängers, seine 1000 Hektar grosse Phantasie-Ranch «Neverland» in Kalifornien war zeitweise von der Zwangsversteigerung bedroht. Jackson wohnt inzwischen zur Miete – freilich in einer palastähnlichen Villa für 100000 Dollar pro Monat. (SDA)