Eurovision: Krieg und Lieder!

  • Publiziert: 19.02.2009, Aktualisiert: 02.01.2012

TIFLIS – Die Kämpfe zwischen georgischen und russischen Truppen sind noch nicht lange her – und vergessen ist noch nichts. Georgien bringt den Konflikt jetzt auf die Show-Bühne.

In seinem Beitrag zum diesjährigen «Eurovision Song Contest» (ESC) in Moskau nimmt Georgien den russischen Ministerpräsidenten Wladimir Putin auf die Schippe.

Der Refrain des Liedes der Gruppe Stephane and 3G erhielt gestern Abend in einer Telefonabstimmung die meisten Stimmen. Der englische Song «We dont wanna put in» spielt auf recht undezente Weise mit dem Namen des Regierungschefs. Bei dem Wettbewerb in Moskau dürfte der Beitrag deshalb kaum auf Begeisterung stossen.

Die Beziehungen zwischen Moskau und Tiflis stehen nicht zum Besten, seit Russland im August in der von Georgien beanspruchten Region Süd-Ossetien einmarschierte. Ungeachtet dessen hatte Georgien letztlich seinen ESC-Boykott wieder zurückgenommen. Die Jury in Tiflis teilte aber mit, dass der «Song, der eine politische Botschaft hat, in Moskau einen besonderen Eindruck hinterlassen wird».

Russland reagiert auf politische Anspielungen in Liedern früherer Sowjetrepubliken traditionell äusserst gereizt. Der ukrainische Travestie-Sänger Verka Serduchka (Andrej Danilko) musste das bei seinem Grand-Prix-Auftritt 2007 in Helsinki erleben. Viele Russen verstanden den sinnfreien Titel «Lasha Tumbai» als «Russia Goodbye!». Einige Veranstalter in Russland erteilten dem Ukrainer daraufhin Hausverbot.

Insgesamt treten beim 54. ESC in Moskau 43 Länder zum grössten Musikwettbewerb der Welt an. Für die Schweiz geht die Basler Band «Lovebugs» ins Rennen. (SDA)