50 Jahre Rolling Stones. Und er war mittendrin: Bassist Bill Wyman (75). Doch er schmiss alles hin. Das Exklusiv-Interview.
BLICK: Mister Wyman, wie fühlen Sie sich mit 75?
Bill Wyman: Ausgezeichnet. Ich bin gesund, das Leben ist cool. Ich muss mir keine neue Karriere aufbauen. Ich lasse nicht mehr zu, dass Musik mein Leben kontrolliert. Die ganze Maschinerie! Hilfe, die will ich nicht mehr. Ich spiele ab und zu noch ein paar Konzerte, wie nächste Woche in der Schweiz, «that’s all». Seit meinem Ausstieg laufe ich mit einem breiten Grinsen im Gesicht herum.
Ihre Band The Rhythm Kings war ursprünglich als temporäres Projekt vorgesehen. Doch nun sind Sie damit immer noch unterwegs.
Es macht halt noch immer Spass. Wir sind wie ein alter Hut, den man aufsetzt. Man ist nicht sonderlich modern damit, aber fühlt sich trotzdem gut. Mir gehts nicht mehr ums Geld, nur noch darum, ein paar coole Songs zu spielen und auf der Bühne Sprüche zu klopfen mit den Fans.
1993 verliessen Sie die Rolling Stones, weil Sie eben nicht mehr touren wollten.
Richtig. Das war eine Schinderei, nie mehr wieder, sage ich Ihnen! Ich fliege nicht mehr. Amerika, Australien, Japan – da muss ich nicht mehr hin. Ich habe von der Welt genug gesehen. Seit 1990 habe ich kein Flugzeug mehr betreten. Wenn ich ein Land nicht mit dem Auto erreichen kann, gehe ich nicht mehr hin. Fliegen langweilt mich zu Tode. Zudem habe ich seit 20 Jahren eine neue Familie, drei wunderbare Töchter. Ich mag einfach nicht mehr in der Welt herumlungern.
Wie verbringen Sie Ihr Leben?
Ich schreibe Bücher, mache Foto-Ausstellungen, führe in London immer noch das «Sticky Fingers»-Restaurant. Der Laden läuft super.
Bringen Sie Ihre Töchter selbst zur Schule?
Das macht meine Frau. Ich schlafe bis neun Uhr. Ich gehe auch erst zwischen ein und drei Uhr früh ins Bett. Keine Sorge, meine Tage sind erfüllt. Ich bin kein alter Knacker, der den ganzen Tag in den Garten starrt.
Wann sind Sie am glücklichsten?
Eigentlich jeden Tag. Es gibt nichts Schöneres, als aufzuwachen und zu wissen, dass man keinerlei Verpflichtungen hat. Nicht viele Menschen können so leben.
Wo fühlen Sie sich am wohlsten?
In meinem 500 Jahre alten Landhaus bei Cambridge. Ich habe es 1968 gekauft. Dort blüht meine Seele auf.
Haben Sie eigentlich noch Kontakt zu den anderen Stones?
Hey, logisch! Wir sind bis heute beste Freunde, schicken uns immer Geburtstagsgrüsse und Weihnachtsgeschenke. Es entspannt die Beziehung extrem, wenn man nur noch persönlichen, nicht mehr geschäftlichen Umgang pflegt. Ausserdem bin ich noch oft involviert in irgendwelche Projekte der Jungs.
Was für Projekte?
Na ja, Jubiläums-Interviews und solche Dinge. Ich erinnere mich halt besser als die anderen. War schon immer so. Weil ich halt auch immer ein bisschen vorsichtiger war als Mick und Keith. Lustig, die Jungs kommen immer zu mir, wenn sie sich nicht mehr sicher sind, was damals alles passiert ist.
Was denkt man, wenn man die Stones verlässt, und damit den Ruhm, die Frauen, das Geld?
Nichts, da ist nur ein unbeschreibliches Gefühl der Freiheit. Endlich hatte ich mein Leben zurück!
Den Entscheid haben Sie nie bereut?
Sind Sie verrückt? Ich bin endlich glücklich! Die einen sagten, ich sei ein Idiot, dass ich alles hingeschmissen habe, die anderen sagen, ich war mutig. Aber was die Leute sagen, interessiert mich nicht. Ich muss nur mich und meine Familie glücklich machen. Und ich war am Schluss nicht mehr glücklich.
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