Tour-Tagebuch der Schweizer Rocker Eluveitie im Land der «knackigsten Hinterteile»

Sie gehören zu den erfolgreichsten Schweizer Bands, touren um die Welt. Violonistin Meri über die Tour-Erlebnisse von Eluveitie in Brasilien.

  • Publiziert: 04.02.2012

So long Europe – Oi Brazil. Wir haben uns in gekonnter Rock’n’Roll-Manier mit der kommenden CD «Helvetios» im Gepäck vom Winter verabschiedet (oder eher aus dem Staub gemacht!?!). Zu zehnt sind wir nach einem 12-stündigen Flug im Südosten von Brasilien gelandet und haben gleich noch einen kurzen Inlandflug angehängt. Denn wer will schon in einem Bus durch den Dschungel fahren? Knapp 1000 Kilometer südwestlich der Copacabana sticht einem im Land der knackigsten Hinterteile nicht als Erstes das die beste Stadtplanung der Welt ins Auge, wofür die 1.6 Millionen Stadt eigentlich bekannt ist. Nein, hier sind es die Menschen. Curitiba ist keine Schönheit, aber die jugendliche Energie dieser Universitätsstadt hat unsere Sympathien im Handumdrehen gewonnen, denn vor ziemlich genau einem Jahr haben wir hier mit unseren Fans, allesamt  musikbegeisterte und freundliche Studenten, ein erstes Fest gefeiert und es grenzt an ein Wunder, dass noch keine Unterhaltszahlungen unsererseits nach Curitiba gehen. Wie dem auch sei, die Mädchen sind sympathisch frech und unverschämt gutaussehend, während es hier auch die Männer tatsächlich noch als wahre Gentlemen und Charmeure aushalten.  Einer unserer wohl jüngsten Fans hat uns bereits am Flughafen herzlich empfangen. Den Fünfjährigen und seinen Vater sollten wir sogar nach der Show in der Hotellobby wieder antreffen, da sie von Fotos und Autogrammen offensichtlich nicht genug bekommen konnten. Wir schnappen uns auf jeden Fall erst mal einen eiskalten Drink. Bei knapp 30 Grad im Schatten, der tropischen Mentalität und soviel nackter Haut werden wir einen kühlen Kopf bewahren müssen und unserer zahlreichen brasilianischen Anhängerschaft wieder eine Rock Show auf die Bühne zaubern, die sich gewaschen hat. Tour Mode: On!!!

 

Sepultura mit Limetten, por favor!

 

Nach der ersten Tropennacht, die für jeden von uns gerade mal ca. zwei Stunden Schlaf brachte, fliegen wir ein Stück weiter nördlich nach Belo Horizonte. Die erste Show rockte und war emotionsgeladen. Wir hatten hinter der Bühne unseren persönlichen Bartender, der im Akkord Caipirinhas mixte.  Bei der Landung in Belo Horizonte werden unsere verkaterten Körper indes beinahe von Demut übermannt. Die «New York Times» nämlich findet. Zitat: «A town where all the world is a bar.» Die 2,4 Millionen Hauptstadt vom Bundesstaat Minas Gerais wird indes auch nicht ohne Grund tropisches New York City genannt. Einige von uns lassen sich in der Heimatstadt von Sepultura aber erstmal ein eiskaltes Bad einlaufen, überblicken den tatsächlich wunderschönen Horizont  und die Skyline vom Hotelpool aus oder liegen leichenblass und vom Alkohol gezeichnet im Bett. Wie auch immer sich ein jeder den Nachmittag versüsst sind wir alle spätestens dann wieder fit, wenn es heisst «Brazilian Barbeque» und «Caipirinhas für alle». Was die herzlichen brasilianischen Fans für unser Gemüt sind, ist das hiesige Barbecue für unseren Gaumen! Wir können davon nicht genug kriegen und bestellen gleich mal drei Fleisch. Im letzten Jahr hätten wir uns hier am liebsten splitternackt auf die Bühne gestellt, denn eine Metal Show in Brasilien ist nicht nur wegen der attraktiven Menschen eine hitzige Angelegenheit sondern auch weil die hiesigen Fans uns  bedinungslos anfeuern und sich im Namen des Metal kraftvoll ausleben, moshen, tanzen, singen und schreien und auch das Belüftungssystem des Clubs wurde  halt eben immer noch nicht repariert. Aber dieses Mal hat unser Bassist seine Hosen anbehalten.

 

Brasileiros wie aus dem Ei gepellt

 

São Paulo. Traum jedes Rockstars. Die Metropole ist das Wirtschafts-, Finanz- und Kulturzentrum des sechstgrössten Landes unserer Erde. Dresscode: Von schick bis verdammt  nochmal sexy! Ungepflegt und verlottert herumzustolzieren scheint hier schon lange aus der Mode geraten zu sein. Da wir aber Rocker sind, werden wir trotzdem stets freundlich behandelt. Ich für meinen Teil gönne mir heute ein Day-Spa. Da solche in Brasilien gerade Hochkonjunktur  feiern und man quasi für eins Trinkgeld zusätzlich auch noch eine Instant-Detox Kur erhält. Frische Fruchtsäfte, Masken, Massagen und Bossa Nova. Was braucht man mehr um die letzten beiden wilden und vor allem viel zu kurzen Nächte aus dem Gesicht zu zaubern. Einige Fans haben sich auch schon vor dem Hotel eingefunden und warten geduldig und völlig unauffällig mit ihren langen Haaren und Schwarz gekleidet. Wenn sich Blickkontakt ergibt, wird man in der Regel nach einem Foto und Autogramm gefragt. Apropos Sepultura: Heute ist die gesamte Familie von Ex-Schlagzeuger Igor Cavalera vor unserem Konzert in Sao Paulo aufgetaucht um uns willkommen zu heissen, ein Foto zu machen und Autogramme zu sammeln.  Seine Kinder sind allesammt  riesen grosse Eluveitie Fans und waren so unglaublich freundlich und herzig, dass sogar dem einen oder anderen üblen Death Metaller ein «jööö» herausrutschte. Vielleicht ist das auch die Zukunft des brasilianischen Metals? Es wird sich zeigen. Wir für unseren Teil sind auf jeden Fall mächtig stolz! Die Halle ist zum Bersten voll und erste «Eluveitie, Eluveitie» Fanchöre werden lauter und lauter. Zeit für Gänsehaut. Zeit das unvergleichliche São Paulo zu rocken!

 

Kommentare (1)

  • Marcel  Habermacher , Zug
    Ein Bericht, der Brasilien auf knackige Hintern, Caipirinha und Churrasco reduziert. Schade für die Reise, wenn man nur so viel mitkriegt.
    • 05.02.2012
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