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Am Songbird Festival in Davos GR empfängt André Béchir (60) nächsten Donnerstag einen Preis für sein Lebenswerk – mit den Superstars, die er in die Schweiz brachte, habe er hiesigen Musikern ihre Vorbilder geliefert, so die Jury. SonntagsBlick bat den Preisträger um eine ganz persönliche Zwischenbilanz seines Lebens und Wirkens.
Sie werden für Ihr Lebenswerk geehrt – mit 60. Ist das nicht ein bisschen früh?
André Béchir: Stimmt. Aber ich habe in 37 Jahren 4000 Konzerte organisiert. Das Tagesgeschäft werde ich im Frühling abgeben. Die Beziehungen mit den Künstlern werde ich weiterhin pflegen und versuchen, sie in die Schweiz zu holen.
Das ist das Beste an Ihrem Beruf.
Früher sicher. Heute haben die Musiker ihre Agenten und Manager dabei. Vertragsverhandlungen sind unangenehm. Gagenforderungen steigen ins Unermessliche.
Wie viel darf das Ticket für ein Konzert kosten?
Das teuerste sollte bei den ganz Grossen wie U2, Rolling Stones oder Madonna nicht über 350 Franken kosten.
Für eine vierköpfige Familie wäre das ein Viertel des Schweizer Durchschnittslohns – das ist nicht gerade günstig.
Einverstanden. Aber nehmen Sie Sportanlässe. Oder die Oper. Die wird noch mit Millionen vom Staat unterstützt! Da ist Rihanna, für die der Eintritt unter 90 Franken liegt, günstig.
Wer war der grösste Musiker, den Sie je in die Schweiz holten?
Alle! Aber am eindrücklichsten für mich waren die Stones, als sie 1973 mit dem Zug nach Bern kamen.
Mit dem Zug?
Wir holten sie am Perron ab. Sie wohnten im Bellevue Palace, waren völlig «down-to-earth». Nach dem Konzert gingen wir mit den Jungs auf die Gasse.
Wer ist der Netteste von denen?
Neben Mick Jagger der Schlagzeuger Charlie Watts.
Nie schlechte Erfahrungen mit den Stones gemacht?
Einmal behauptete ihr Management nach einem Gig, dass mehr Leute im Publikum waren, als Tickets verkauft wurden. Da zählten wir mit der Entourage der Band bis morgens um vier Uhr sämtliche Billettabschnitte nach.
Exzesse gab es also keine.
In den 70ern schon. Wir hatten in jedem Fünfsternehotel Hausverbot – all die Verwüstungen und Eskapaden! Wir waren nicht beliebt.
Sie erfüllen jeden Wunsch?
Fast. Nur die Drogen mussten sich die Musiker selbst besorgen.
Deep Purple, Pink Floyd oder Black Sabbath blieb also das Wichtigste selbst überlassen...
Black Sabbath traf ich zum ersten Mal in den 70ern im Zürcher Hotel Hirschen. Nach ihren Konzerten zogen wir zusammen durchs Niederdorf. Sänger Ozzy Osbourne fühlte sich pudelwohl hier; der war damals völlig umgänglich. Erst später hatte er seine Aussetzer.
Hatten Sie das selber erlebt?
Ozzy plante Ende der 80er-Jahre in der Mehrzweckhalle Zofingen einen Auftritt – kurz nachdem das Video aufgetaucht war, in dem er einem Huhn den Kopf abbiss. Gemeinderat und Schulpflege liefen Sturm; Mitglieder einer Freikirche liefen um die Halle und beteten gegen den Anlass. Tatsächlich musste Ozzy krankheitshalber das Konzert absagen – ein Riesentriumph für die Stündeler! Die frohlockten, Gott habe ihre Gebete erhört.
Die «Affäre Ozzy Osbourne» machte Schlagzeilen.
Was niemand wusste: Ozzy war gar nicht krank. Er hatte sich nur übelst die Kante gegeben und lag zugedröhnt im Swissôtel.
Nicht gerade ein zuverlässiger Geschäftspartner.
Axl Rose...
der Sänger von Guns N’ Roses...
...war der Schlimmste. Wir mussten ihn regelrecht bearbeiten, damit er überhaupt auf die Bühne ging. Wir standen jeweils Wache, damit er nicht abhaut.
Wie war Michael Jackson?
Mit ihm machte ich fünf Konzerte. Beim ersten, 1988, war er noch geerdet. Er wollte von mir eine halbe Stunde lang alles über die Schweiz wissen. Beim zweiten Mal war er von Bodyguards umgeben. Das dritte Mal fuhr er im Panzerwagen vor. Ich bin überzeugt: Jackson war von seinem Umfeld zu dem gemacht worden, was er war. Es tat mir weh, wie ihn nach dem Pädophilie-Prozess Sony und Pepsi fallen liessen.
Wer sind die neuen Stones?
Coldplay. Nicht nur musikalisch, auch menschlich. Als ich in Locarno einen Velounfall hatte, schickten sie mir prompt eine Karte mit Besserungswünschen ins Spital.
In der Schweiz fehlen solche musikalischen Grössen – weshalb?
«U-Musik» hat hier keinen Stellenwert. In England wird Ozzy von der Queen empfangen, Paul McCartney zum Ritter geschlagen. Würde der Bundesrat jemals Polo Hofer die Ehre erweisen? Undenkbar!
Immerhin kam Christoph Blocher ans Madonna-Konzert.
Er hat mir persönlich gesagt, dass er für mich kam, dafür, was ich geleistet habe. Das hat mich gefreut.
Wer sind die grössten Musikfans im Nationalrat?
Adrian Amstutz, Peter Spuhler und Filippo Leutenegger. Auch Bruno Zuppiger.
Alle SVP oder FDP – woran liegts?
(Überlegt) Linken Politikern ist Kultur, die ohne Subventionen auskommt, wohl eher suspekt.
Noch eine Frage: Welche Musiker hätten Sie noch gerne in die Schweiz geholt?
Die Beatles. Das reut mich am meisten. Und Aretha Franklin. Sonst waren fast alle da.
Das ganze Interview finden Sie im SonntagsBlick.