Bela B «Britney gefällt mir kaputt am besten»

  • Publiziert: 15.10.2009, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Ann Guenter

ZÜRICH - Bela B stellt sein neues Album «Code B» vor, spricht mit Blick.ch über Banker, Boni, Polanski, Horrorfilme – und Metallica, die keine Seele haben.

Blick.ch: Bela, an einem Ärzte-Konzert im Volkshaus vor ein paar Jahren habt ihr das Publikum mit «ihr Schweizer!»-Sprüchen provoziert. Hast du was gegen uns?Nee, gar nicht! Ich hab auch nichts gegen Watussis, Österreicher oder Deutsche. Bei den Ärzten haben Häme, Spott und Ironie ihr Zuhause gefunden und feiern da ihr tolles Leben. Ehrlich gesagt, kann ich mich da gar nicht mehr dran erinnern. Aber wir haben im Volkshaus mal an Halloween gespielt, das war toll.Hat dir sicher gelegen, an Halloween zu spielen – woher die Faszination für das Düstere?Ich habe als Kind viele Dracula-Filme gesehen. Das fand ich ganz toll. Die Monster haben mich immer mehr fasziniert als die Guten. Der Horror ist bei mir ein Grundbedürfnis.Dann gib den Lesern doch einen Film-Tipp!Beim spanischen Film «Rec» – das Original, nicht das schreckliche Hollywood-Remake – hab ich wirklich Gänsehaut gehabt. Heftig ist auch der Undergroundfilm «Laid to Rest».Zu deinem Album «Code B». Ist das der ultimative Zugang zu Bela B?Letztendlich ja. Ein Album ist die Tür zum Künstler – wenn er das denn zulässt. Es gibt ja Bands, etwa Metallica, die geben gar nichts von sich preis, die stecken keine Seele in ihre Musik, das ist ja fast alles technisch. Aber in meinem Fall und bei vielen anderen ist das so, dass man über die Texte den Zugang dazu erhält, was mich im Leben umtreibt. Wie die Liebe. Sie ist ein grosses Thema auf dem Album.Na klar! Ist ja auch etwas Universelles. Die Liebe ist das, was uns alle beschäftigt, immer: Wir sind wahnsinnig glücklich oder dann wahnsinnig unglücklich, wenn sie vorbei ist. Da spielt einfach so viel mit. Liebe kann Monster schaffen oder Harmonie auf den Planeten bringen. Zur Single «Altes Arschloch Liebe» – die Liebe beschimpfen ist ungewöhnlich.Fand ich auch. Das Lied war halt so ein Konstrukt. Ich dachte mir, wenn man nach dem vielen Unglück, das man erlebt hat – das auch Bela B erlebt hat – wenn man also nach den vielen vergeudeten unglücklichen Minuten und Stunden im Leben auf den trifft, der dafür verantwortlich war, dann kann man dem sagen: «Verpiss dich aus meinem Leben, lass mich einfach in Ruhe». Aber «Rockula» ist das erste Lied auf dem Album …Ja, weil ich das als Auftakt bei den Konzerten spielen werde. Ganz nach dem Motto: Bela B ist zurück, ach, guckt her, die geile Sau, hüstel…das ist die Powerpop-Hymne schlechthin. Und überhaupt: Die Platte mit einer Single zu beginnen, das überlass ich Pink oder Britney Spears.Ein kleiner Diss am Rande?Nö, Pink ist ok. Britney auch, wenn sie nicht singen würde. Britney richtig fertig gefällt mir sogar am besten. Ich finde das gut, wenn man die Masken fallen lässt. Die leben ja in Hollywood in einer Traumfabrik, und das Kartenhaus kann jederzeit zusammenbrechen. Also, bei ihrem Zusammenbruch tat mir die Britney ja auch richtig leid. Aber vielleicht war das für ihre Seele auch ganz gesund, vor allem jetzt, wo sie noch jung ist. Nicht wie dann bei Michael Jackson. Keine Ahnung, ich bin ja kein Psychologe, das ist meine Stammtischmeinung. Du streifst dir ja auch eine Maske ab auf dem Album-Cover.Es soll zeigen, dass ich für diese Platte keine Maske trage. Dass Bela B in der Öffentlichkeit eine Maske trägt, ist ja klar. Aber ich möchte nicht, dass die Öffentlichkeit daran teilhat, wenn ich einen Wutanfall kriege oder wenn ich traurig bin. In meinen Songs darf man gerne mitkriegen, wie ich etwas in Reimen verpacke. Aber eine Kamera darf da nicht draufhalten.Wann kriegt Bela B denn einen Wutanfall?(Schnauft entrüstet). Ok, das macht mich wahnsinnig wütend: Dass etwa unsere Gesundheitsministerin Ullla Schmidt an den Pranger gestellt wird, weil sie mit dem Dienstwagen in den Urlaub fährt. Klar, es ist eine Verschwendung von Steuergeldern. Aber gleichzeitig nimmt die Öffentlichkeit stillschweigend hin, dass sich Banken und Manager bedient und die Welt in eine wahnsinnige Krise gestürzt haben. Ja, und … – eben. Wenn Musiker über Politik reden, dann wirds immer etwas schwierig…Lass uns doch einen Bogen zu einem anderen brisanten Thema schlagen: deine aktuelle Zusammenarbeit mit Emanuelle Seigern, der Ehefrau von Roman Polanski.Sie ist eine tolle Frau. Ich bin grosser Fan von ihrer Platte, die sie vor zwei Jahren gemacht hat. Deswegen habe ich sie auch angefragt, für «Code B» mit mir die Ballade «Liebe und Benzin» zu singen. Sie wollte auch bei der Tour vorbeischauen und mit mir singen, aber daraus wird wohl nichts werden. Aus Taktgefühl möchte ich sie jetzt lieber nicht darauf ansprechen. Sagst du aus Taktgefühl auch nicht, was du von der Verhaftung ihres Mannes hältst?Was soll ich sagen. Ich habe auf der Platte einen Song, der heisst «Schwarz/Weiss». Und ich finde, dass Schwarz-Weiss-Denken in diesem Fall nicht angebracht ist. Ich finde nicht, dass Roman Polanski für 50 Jahre ins Gefängnis soll. Ich finde aber auch nicht, dass es sich um ein Kavaliersdelikt handelt. Zu deinem Privatleben: Du hast auf dem Album einen Song «One-Nightstand» – und du bist Vater geworden. Gratuliere! Aber hat das eine etwas mit dem andern zu tun?Ne, das war kein Ergebnis eines One-Nightstands. Ich kenn mich da zwar ganz gut aus und wollt deswegen einen Song darüber schreiben. Ich denke, ich habe alles, was ich zum Thema weiss, da reingepackt. Ich bin extrem zufrieden mit dem Song. Dass One-Nightstands für mich zurzeit keine Rolle spielen, steht auf einem anderen Blatt geschrieben.

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