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Viele hatten sie längst tot gesagt – die düsteren Psychozauberer, die das Publikum zum Schwitzen bringen. 33 Jahre nach dem phänomenalen Auftritt von Mystifier Uri Geller am Schweizer TV machen uns jetzt Mentalisten wieder irre.
Wie konnte Dr. Lord Jack Nasher (28) in der Geller-Show überleben? Er spielte russisches Roulette mit dem Strang. Alle zitterten: Machts jetzt gleich klack? Wird er baumeln? Gott behüte – er hat ja übersinnliche Fähigkeiten.
Anfang des letzten Jahrhunderts hatten die Psychomagier Houdini und Hanussen ihre grosse Zeit. Dann verschwanden sie – bis Uri Geller kam. In Jeans und Hemd hielt der 24-Jährige 1974 auch die Schweiz in Atem – er verblüffte selbst Skeptiker wie Bruno Stanek oder Hans A. Traber. Später hielt er den Big Ben an, verbog Löffel, fand Erdöl. Grund: Das Publikum wollte an seine rätselhafte Kraft glauben – egal ob Zauberer ihn als Trickkünstler entlarvten.
Jetzt holte Pro7 die Mentalisten aus der Gruft. Nachdem Castingshows mit jungen Singvögeln langsam ausgezwitschert haben, setzt der Privatsender auf Psychokandidaten mit dem finsteren Blick. Bis zu 4,7 Millionen schwitzten am Dienstag, als der aufgekratzte Uri Tische zum Tanzen brachte.
«Es ist eine toll gemachte Zaubershow», konstatiert Sven Spacey, Präsident des Magischen Rings der Schweiz. «Nicht mehr und nicht weniger.» Das Düstere an der Show gefällt ihm weniger: «Richtige Mentalisten distanzieren sich von schwarzer Magie und Okkultem», sagt er.
Tatsächlich sollen auch die Kandidaten dagegen rebellieren: Die jungen Magier sollen gezwungen worden sein zu bescheinigen, dass sie «über ausgeprägte mentale und intuitive Fähigkeiten, wie etwa Gedankenlesen, Telekinese, Suggestion oder Autosuggestion» verfügen. Diese Passage in Verträgen löste bei vielen Widerstand aus.
Doch gerade das ausgeklügelte Spiel mit dem Bammel ist der Reiz der Sendung. Die Promigäste stammeln dauernd Sätze wie: «Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat.» Oder: «Ich bin sehr beeindruckt.»
Und das funktioniert. Viele fragen sich: Könnte doch was dran sein, wenn der Berner Vincent Raven (41) über seine Rabendame Corax (23) mit den Toten spricht? Und wenn Kandidat Leo Martin (31) verhinderte, dass eine Schauspielerin auf einen Becher schlägt, unter dem ein Nagel hätte stehen können – hat er vielleicht doch übersinnliche Kräfte?
Es ist doch einfach: Am Tag next Uri Geller wollen wir am Arbeitsplatz mitreden können, wenn alle sagen: «Unheimlich, unheimlich ...»
Dr. Lord Jack Nasher: Wird er gleich baumeln? Sicher nicht, schliesslich kann er sich ja auf seine übersinnlichen Kräfte verlassen.- Pro Sieben