Psycho-Magier Machen sie uns alle verrückt?

  • Aktualisiert am 20.01.2012
  • Von Peter Padrutt
In den Röhren ist ein scharfes Messer. Sieht der Magier mehr als andere? Hauptsache, die Show ist gut.- Pro Sieben

MÜNCHEN – Nervenkitzel total: Mit «The Next Uri Geller» zauberte Pro7 einen Knaller aus der TV-Hexenküche. Das morbide Spiel mit Angst und Tod ist ein Strassenfeger.

Viele hatten sie längst tot gesagt – die düsteren Psychozauberer, die das Publikum zum Schwitzen bringen. 33 Jahre nach dem phänomenalen Auftritt von Mystifier Uri Geller am Schweizer TV machen uns jetzt Mentalisten wieder irre.

Wie konnte Dr. Lord Jack Nasher (28) in der Geller-Show überleben? Er spielte russisches Roulette mit dem Strang. Alle zitterten: Machts jetzt gleich klack? Wird er baumeln? Gott behüte – er hat ja übersinnliche Fähigkeiten.

Anfang des letzten Jahrhunderts hatten die Psychomagier Houdini und Hanussen ihre grosse Zeit. Dann verschwanden sie – bis Uri Geller kam. In Jeans und Hemd hielt der 24-Jährige 1974 auch die Schweiz in Atem – er verblüffte selbst Skeptiker wie Bruno Stanek oder Hans A. Traber. Später hielt er den Big Ben an, verbog Löffel, fand Erdöl. Grund: Das Publikum wollte an seine rätselhafte Kraft glauben – egal ob Zauberer ihn als Trickkünstler entlarvten.

Jetzt holte Pro7 die Mentalisten aus der Gruft. Nachdem Castingshows mit jungen Singvögeln langsam ausgezwitschert haben, setzt der Privatsender auf Psychokandidaten mit dem finsteren Blick. Bis zu 4,7 Millionen schwitzten am Dienstag, als der aufgekratzte Uri Tische zum Tanzen brachte.

«Es ist eine toll gemachte Zaubershow», konstatiert Sven Spacey, Präsident des Magischen Rings der Schweiz. «Nicht mehr und nicht weniger.» Das Düstere an der Show gefällt ihm weniger: «Richtige Mentalisten distanzieren sich von schwarzer Magie und Okkultem», sagt er.

Tatsächlich sollen auch die Kandidaten dagegen rebellieren: Die jungen Magier sollen gezwungen worden sein zu bescheinigen, dass sie «über ausgeprägte mentale und intuitive Fähigkeiten, wie etwa Gedankenlesen, Telekinese, Suggestion oder Autosuggestion» verfügen. Diese Passage in Verträgen löste bei vielen Widerstand aus.

Doch gerade das ausgeklügelte Spiel mit dem Bammel ist der Reiz der Sendung. Die Promigäste stammeln dauernd Sätze wie: «Ich weiß nicht, wie er das gemacht hat.» Oder: «Ich bin sehr beeindruckt.»

Und das funktioniert. Viele fragen sich: Könnte doch was dran sein, wenn der Berner Vincent Raven (41) über seine Rabendame Corax (23) mit den Toten spricht? Und wenn Kandidat Leo Martin (31) verhinderte, dass eine Schauspielerin auf einen Becher schlägt, unter dem ein Nagel hätte stehen können – hat er vielleicht doch übersinnliche Kräfte?

Es ist doch einfach: Am Tag next Uri Geller wollen wir am Arbeitsplatz mitreden können, wenn alle sagen: «Unheimlich, unheimlich ...»

Ohne Tricks gelingt nichts

Mentalmagie hat mit übernatürlichen Fähigkeiten und Phänomenen rein gar nichts zu tun – es handelt sich ausschliesslich um Tricks, die zu einem grossen Teil auf Psychologie, Menschenkenntnis und Wahrnehmungsgabe basieren. Ein guter Mentalmagier ist also in erster Linie ein guter Psychologe, der sein «Opfer» wie ein Buch lesen und auf ausgeklügelte Weise beeinflussen kann. Dazu bedient er sich auch gerne Hypnosetechniken, wie sie zum Beispiel vom amerikanischen Psychiater Milton H. Erickson entwickelt wurden, oder Suggestionstechniken, die auch im NLP (Neuro-Linguistisches Programmieren) Anwendung finden. Die Grosszahl der Tricks, die von Showmentalisten gezeigt werden – Wörter oder Zahlen erraten, Zeichnungen blind nachzeichnen und so weiter – gelingen aber dank simpelsten Hilfsmitteln wie z. B. versteckten Spiegeln oder Augenbinden, unter denen der Mentalist durchschauen kann.
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Dr. Lord Jack Nasher: Wird er gleich baumeln? Sicher nicht, schliesslich kann er sich ja auf seine übersinnlichen Kräfte verlassen.- Pro Sieben

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