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Herzog lobte die Arbeit der Jury, die hervorragend funktioniert und «eine klare Entscheidung» getroffen habe. In traumwandlerisch schönen, ruhigen Bildern erzählt Kaplanoglu eine Vater-Sohn- Geschichte im ländlichen Anatolien.
«Honig» hatte bei Publikum und Kritik zu den Favoriten des Festivals gezählt. Der achtjährige Hauptdarsteller Bora Altas wurde als heimlicher Star der zehntägigen Filmschau gefeiert. Die Türkei hatte zuletzt im Jahr 1964 mit dem Melodram «Trockener Sommer» von Ismail Metin einen Goldenen Bären gewonnen.
Nicht persönlich konnte am Samstagabend der in der Schweiz unter Hausarrest stehende Roman Polanski seinen Preis entgegennehmen. Er wurde für seinen US-Politthriller «Der Ghostwriter» mit dem Silbernen Bären für die beste Regie geehrt.
Stattdessen schickte er eine etwas zynische Botschaft: «Selbst wenn ich gekonnt hätte, wäre ich nicht gekommen. Denn als ich das letzte Mal zu einem Festival gekommen bin, um einen Preis entgegenzunehmen, bin ich im Gefängnis gelandet.»
Polanski war im September auf Grund eines US-Haftbefehls festgenommen worden, als er einen Preis für sein Lebenswerk am Filmfestival Zürich entgegennehmen wollte. Gegen Bezahlung einer Kaution wurde er Anfang Dezember aus der Auslieferungshaft entlassen. Seither sitzt Polanski mit elektronischen Fussfesseln in seinem Chalet in Gstaad (BE). Ihm droht in den USA ein Prozess wegen Vergewaltigung.
Die Darstellerpreise gingen an Schauspieler, die Menschen in extremen Situationen porträtieren. In Koji Wakamatsus Antikriegsfilm «Caterpillar» (»Raupe») spielt die Japanerin Shinobu Terajima sehr präsent und expressiv eine junge Ehefrau, die ihren aus dem Zweiten Weltkrieg ohne Arme und Beine zurückgekehrten Mann pflegt.
Den Preis für die besten männlichen Darsteller teilen sich die Russen Grigori Dobrygin und Sergej Puskepalis. Sie spielen in Alexei Popogrebskys «How I Ended This Summer» (»Wie ich diesen Sommer zu Ende brachte») zwei Männer auf einer einsamen Wetterstation in der Arktis. Für seine Kameraführung in dem Film erhielt Pavel Kostomarov einen Silbernen Bären für eine herausragende künstlerische Leistung.
20 Filme aus aller Welt waren in der offiziellen Bären- Konkurrenz. Den Grossen Preis der Jury erhielt der Rumäne Florin Serban für das Jugenddrama «Wenn ich pfeifen möchte, pfeife ich». Der Film wurde ausserdem mit dem Alfred-Bauer-Preis gewürdigt.
Den Preis für das beste Drehbuch gab es für den chinesischen Regisseur Wang Quanan, der mit seiner Tragikomödie «Tuan Yuan» (»Getrennt zusammen») die Berlinale eröffnet hatte. Als bester Erstlingsfilm wurde der schwedische Film «Sebbe» von Babak Najafi ausgezeichnet. Der Dokumentarfilm «Aisheen (Still Alive In Gaza)» des Genfers Nicolas Wadimoff gewann den Preis der ökumenischen Jury.
Das Jubiläumsfestival bot anspruchsvolle Themen, hatte aber nur wenig Glamour zu bieten. Die grossen Stars blieben Mangelware. Dennoch konnten die Veranstalter mit 300000 verkauften Eintritten einen Besucherrekord verbuchen. Am Sonntag geht die 60. Berlinale mit dem traditionellen Publikumstag zu Ende. (SDA)