Schock für die Filmszene

ZÜRICH – Die Verhaftung des Regisseurs Roman Polanski löst in der Schweizer Filmszene heftige Reaktionen aus. Auch die Leitung des Zurich Film Festivals zeigt sich sehr betroffen.

  • Publiziert: 27.09.2009, Aktualisiert: 19.01.2012

In einer Pressemitteilung teilt die Leitung des Zurich Festival mit, dass die Preisübergabe an Roman Polanski auf unbestimmte Zeit worden sei. Man habe «mit Bestürzung und grosser Betroffenheit von der Festnahme erfahren».

Retrospektive wird durchgeführt

Die für heute Sonntag angesetzte «Tribute to Roman Polanski»-Retrospektive, in der ausgewählte Werke des Regisseurs gezeigt werden, wird planmässig durchgeführt. Die Festival-Leitung will Polanskis Schaffen bei dieser Gelegenheit würdigen und ihre Solidarität ausdrücken.

Schweizer Filmszene unter Schock

Der Verband der Regisseure bezeichnet das Vorgehen der Behörden nicht nur als «groteske Justizposse», sondern auch als «ungeheueren Kulturskandal».

Dass Polanski in der Schweiz verhaftet worden sei, werde dem Land weltweit Schaden zufügen, schreibt der Verband Filmregie und Drehbuch (ARF) in einem Communiqué. Es sei eine «Ohrfeige ins Gesicht aller Kulturschaffenden in der Schweiz».

Der Dokfilmer Christian Frei (»Space Tourists»), der selber an der «Master Class» von Polanski am Zurich Film Festival hatte teilnehmen wollen, zeigte sich auf Anfrage der SDA «absolut entsetzt».

Die Schweizer Behörden hätten jegliches Rückgrat vermissen lassen, erklärte Frei.

BAK-Direktor völlig überrascht

Jean-Frédéric Jauslin, Direktor des Bundesamtes für Kultur, zeigte sich seinerseits «total erstaunt». Er hätte heute Abend eigentlich eine Laudatio auf Polanski gehalten. Die Angelegenheit sei für das Ansehen der Schweiz «sicher nicht gut». (SDA(hgt)

Reaktion aus Frankreich

Die französische Regierung ist irritiert über die Festnahme ihres Staatsbürgers Roman Polanski in der Schweiz. Kulturminister Frédéric Mitterrand erklärte, er habe «mit Verblüffung» von der Prozedur gegen den «international renommierten Filmemacher» erfahren.

Mitterrand nahm nach eigenen Angaben umgehend Kontakt zu Staatschef Nicolas Sarkozy auf. Dieser verfolge das Dossier mit grösster Aufmerksamkeit und teile seinen Wunsch nach einer «raschen Bereinigung» der Situation.

Er wolle sich zwar nicht in ein «sehr altes juristisches Verfahren» einmischen, erklärte Mitterrand. Er bedauere es aber ausserordentlich, wenn auf diese Weise ein neues Kapitel in der Affäre geschrieben werde.

Der gebürtige Pole Polanski erhielt 1976 die französische Staatsbürgerschaft. (SDA)

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