Leonardo DiCaprio im grossen BLICK-Interview «Ohne Mama wäre ich abgehoben»

Der Filmstar erzählt, was sich seit seinem Durchbruch mit dem Film «Titanic» alles verändert hat.

  • Publiziert: 01.02.2012, Aktualisiert: 02.02.2012
  • Interview: Dierk Sindermann

Vor genau hundert Jahren sank die «Titanic». Aus diesem Grund bringt Regisseur James Cameron seinen gleichnamigen 1997- Blockbuster noch einmal in die Kinos – dreidimensional! «Titanic» machte Leonardo DiCaprio damals über Nacht zum Superstar. DiCaprio hat sich seither vom Teenie-Idol zum reifen Charakterdarsteller, wie in seinem neusten Film «J. Edgar», entwickelt. Wie sich sein Leben sonst noch verändert hat?


Kinder, wie die Zeit vergeht. Schon 15 Jahre ist es her, da fühlten Sie sich in Titanic als «König der Welt». Sind bei Ihnen die Jahre auch so schnell vergangen?
Ja, es ist schon unglaublich, wie schnell alles vorbeigerauscht ist! Ich bin auf Filmsets gross geworden und es fühlt sich wie gestern an, als ich mit 12 auf meine erste Audition in Hollywood gegangen bin.

Reut es Sie, so früh Karriere gemacht zu haben? Weil Ihnen dadurch vielleicht ein Teil Ihrer Kindheit verloren gegangen ist.
Nein, ich würde es nur bereuen, wenn ich nicht die Chancen genutzt hätte, die sich mir geboten haben. Es waren Geschenke, für die ich heute noch dankbar bin.

Müssen Sie sich nicht manchmal kneifen, wenn Sie sehen, wie steil Ihre Karriere seit «Titanic» nach oben gegangen ist?
Doch. Vor allem, wenn ich mich daran erinnere, wie ich und Kate Winslet damals als junge Schauspieler in diesen gigantischen «Titanic»-Strudel gezogen wurden. Diese weltweite Aufmerksamkeit war nicht ganz einfach zu verarbeiten.

Wie sind Sie auf dem Teppich geblieben?
Mit Hilfe meiner Freunde und meiner Familie. Insbesondere meiner Mutter. Ohne sie wäre ich abgehoben.

Sie haben eine sehr enge Beziehung zu ihr.
Ja. Meine Eltern haben sich getrennt, als ich ein Jahr alt war. Mama hat mich allein grossgezogen. Ihr habe ich es zu verdanken, dass ich zu dem Menschen wurde, der ich heute bin. Sie hat viele Entbehrungen auf sich nehmen müssen, um mich auf gute Schulen zu schicken.

Nicht zu vergessen, dass sie Sie als Kind an alle Auditions chauffieren musste.
Das auch, ja. Meine Mutter ist nur wegen mir von Oklahoma nach Los Angeles gezogen und hat sich und mich dort durchbringen müssen.

Und zwar lange. Sie waren 19, ehe Sie Ihre erste grosse Rolle im Film «Die Geschichte einer Jugend» bekamen.
Damals hatte ich das Gefühl, im Lotto gewonnen zu haben. Aber so fühle ich mich eigentlich auch noch heute (lacht).

Was hätten Sie gemacht, wenn Sie kein Star geworden wären?
Ich würde heute als Biologe oder in irgendeiner anderen Form mit Tieren arbeiten. Das hat mich schon als Junge interessiert und wäre bestimmt ein wirklich erfüllender Beruf.

Noch ist es nicht zu spät dazu.
Das ist wahr. Vielleicht hole ich das wirklich noch nach, falls ich die Schauspielerei mal an den Nagel hängen würde.

Dann gingen Ihnen aber einige Vergünstigungen flöten. So wie beispielsweise immer die besten Plätze bei den Heimspielen des Top-Basketballvereins Los Angeles Lakers zu bekommen.
Ich gebe zu, dass ich die freiwilligen Sozialleistungen schätze, die mein Job mit sich bringt.

Ihn Ihrem neusten Film «J. Edgar» spielen Sie J. Edgar Hoover, den rätselhaften Gründer des FBI. Was haben Sie während der Vorbereitung herausbekommen?
Dass er ein echtes Muttersöhnchen war. J. Edgar hat bis zu seinem 40. Lebensjahr zu Hause gelebt. Das müssen Sie sich mal vorstellen! Der wohl mächtigste Mann Amerikas ist jeden Abend zum Essen nach Hause gegangen und hat sich über die wichtigsten Entscheidungen seines Landes mit seiner Mutter beraten. 

Für Sie nicht nachvollziehbar?
Nein, meine Beziehung zu meiner Mutter kann man damit gar nicht vergleichen (lacht). Seine Mutter hat ihn angetrieben, ihn wie wild gepuscht, damit der Name der Familie in aller Munde ist. Meine Mama anderseits hat mich eher gebremst, wenn ich zu viel auf einmal wollte.

Sie befassen sich immer sehr intensiv mit der Figur, die Sie spielen?
Ja. Und zwar aus einem ganz einfachen Grund: Je besser ich  einen Menschen verstehe, desto überzeugender kann ich ihn spielen.

Sie altern in der Hoover-Rolle zu einem 70-Jährigen. An wen fühlten Sie sich erinnert, als Sie das erste Mal in den Spiegel schauten? An Ihren Vater? Ihren Grossvater?(lacht) Eher an meine Oma.

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