In Schweizer Kinos tobt der Sprachenkrieg «Motherfucker» versus «Schweinebacke»

Leinwandhelden wie Bruce Willis sprachen in der Schweiz immer Englisch. Das ist seit ein paar Jahren nicht mehr so. Jetzt regt sich Widerstand.

  • Publiziert: 22.04.2009, Aktualisiert: 19.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann
play «Schweinebacke» gegen «Motherfucker». (Cinetext)

«Schweinebacke!», flucht Kult-Cop John McClane (Bruce Willis, 54) in den deutschen Fassungen der «Die Hard»-Filme. Auf Englisch stirbt er zwar nicht härter, teilt aber härter aus: «Schweinebacke» steht für «Motherfucker».

Noch vor kurzem war es in der Schweiz unmöglich, der «Titanic» (1997) auf Deutsch beim Sinken zuzusehen. «I’ll never let go, Jack!» seufzt Kate Winslet (33). Alle verstanden. Mit oder ohne Untertitel.

Diese Zeiten sind vorbei. Schon 2007 werden erstmals mehr als 50 Prozent der Eintritte für Synchronfassungen verzeichnet. Heute sind die echten Stimmen der Stars kaum mehr zu hören. Der Action-Hit «Fast & Furious» läuft zwar in 58 Schweizer Ortschaften, doch nur in vieren brummt Vin Diesel (41) mit seinem New Yorker Akzent.

Nicht besser ist es bei Jason Statham (37) in «Crank 2: High Voltage»: Nur in Wettingen AG, Zürich und Basel gibts das Lästermaul im Original, sonst flucht der Brite überall deutsch. Sogar die Pop-Comedy «The Boat that Rocked» rockt mehrheitlich deutsch!

Den Filmfans reichts. Ihr Widerstand kommt aus Facebook: In Gruppen wie «Edf forever» (2000 Mitglieder), «Synchronstimmen gehören nicht ins Kino!» (200) oder «Please get multilingual!» (160) attackieren sie die deutsche Welle und drohen mit Kino-Boykott.

Martin Stucki, Pressesprecher von Universal Pictures Schweiz, kann die Fans verstehen. Doch er sagt: «Die Kinobetreiber bestimmen aufgrund des Publikumsgeschmacks, ob sie Original- oder synchronisierte Kopien zeigen. Der Trend läuft ganz klar zum Deutschen. Man muss auch bedenken, dass die untertitelten Originalfassungen für die Verleiher teurer sind als die Synchronfassungen.»

«Englische Fassungen haben kaum Besucher», so Antonio Annecchiarico, Direktor der Kinos Pathé Dietlikon ZH und Küchlin Basel. Auch in Städten gewinne Deutsch an Boden: «In Basel etwa nehmen Besucher deutscher Fassungen deutlich zu.» Mit den teureren Originalen habe das nichts zu tun: «Es geht allein um die Nachfrage.»

Gibts bald nur noch «Schweinebacke», auch in Städten? Eine Horror-Vorstellung für echte Film-Freaks. Eines ist klar: Im Zeitalter von Blu-Ray und Internet geht diese Rechnung kaum auf.

Was ziehen Sie vor? Synchronisierte Filme oder solche in Originalfassung? Schreiben Sie uns Ihre Meinung!

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