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Herr Steiner, wie hat das Publikum nach der Weltpremiere Ihres «Sennentunschi» am Zurich Film Festival reagiert?
Michael Steiner: Sehr positiv. Als Regisseur hört man an seiner Premiere natürlich nie negative Kritik – trotzdem hörte ich von Besuchern, die den Film zu deftig fanden oder ihn nicht ganz enträtseln konnten. Aber hey: Der Film ist ein Schreckmümpfeli für Erwachsene.
Hatten Sie vor der Premiere eine schlaflose Nacht?
Nervenflattern habe ich vor jeder Premiere. Ich bin mir bewusst, dass der Film gewagt ist. Ich wusste vorher nicht, ob die Schweiz bereit ist für einen komplexen Genre-Film.
Und? Ist die Schweiz bereit?
Ja. Auf jeden Fall! Aber es braucht einen Moment, bis man den Film verdaut hat. Am besten schaut man ihn gleich ein zweites Mal an (lacht). Dann begreift man auch die komplexe Struktur.
Wird der Film ein Erfolg?
Ich habe ein gutes Gefühl. Die ersten Reaktionen waren positiv und ich bin erleichtert, dass dieses cineastische Experiment verstanden wird.
Macht Ihnen Gewalt eigentlich Spass?
Nein, aber Gewalt ist Bestandteil der Saga und darum auch des Filmes. Ich freue mich aber über die Diskussion, die deswegen entstanden ist! Als Filmemacher ist es auch eine Aufgabe, dass die Menschen über den Film kontrovers diskutieren. In «Sennentuntschi» geht es um einen Schweizer Mythos, um ein Gesellschaftsdrama – das berührt das Publikum.
Haben Sie sich an Hansjörg Schneiders Original orientiert?
Nein, ich habe das Stück nicht mal gesehen. Wir wollten etwas komplett Neues und Unabhängiges erschaffen.
Wer sollte sich den Film anschauen?
Erwachsene, die Schweizer Mythen mögen. Sie sollten auch starke Nerven haben. Der Film eignet sich nicht als Matinée.
Erwarten Sie Kritik? Wenn ja, von welchen Stellen?
Kein Film ist perfekt und ich lese Kritiken mit Vergnügen. Aber ich denke nicht, dass sich Institutionen empört zu Wort melden, denn der Film ist reine Fiktion. Das Publikum kann unterscheiden und weiss, dass bei uns in den Alpen nicht «Sodom und Gomorrha» herrscht. Der Streifen ist einfach ein Schauermärchen für Erwach-sene.
Sie sagen, der Film sei für Erwachsene. Er ist aber ab 16 Jahren freigegeben.
Ja, mit 16 ist man ja schon fast erwachsen, und da wir keine erigierten Geschlechtsteile zeigen, kann man den Film ab 16 Jahren anschauen. Eine kleine Anekdote zum Dreh der nun so kritisierten Sexszene: Andrea Zogg litt an einer Blasen-Entzündung und musste Roxane auf sich sitzend erleiden. Für die Crew und vor allem für Andrea war das natürlich alles andere als eine prickelnde Szene, wenn man unter Schmerzen Lust spielen muss. So eine Szene wird minutiös geplant und ist ein ziemlich technischer Akt.
Was ist die Kernaussage des Films?
Ich will zeigen, dass die Schweiz ein guter Nährboden für gute Geschichten ist. Die Botschaft des Films ist simpel. Es ist dieselbe wie die der Sage: «Don’t mess around with the evil» – spiel nicht mit dem Bösen! Es rächt sich!
Gibt es Szenen im Film, die Sie für problematisch halten?
Nein, ich finde «Sennentuntschi» ist im Vergleich zu anderen Filmen nicht übermässig hart. Der Gewaltanteil liegt im erträglichen Rahmen. Besonders im internationalen Vergleich.
Möchten Sie den Film auch international vermarkten?
Es wäre für mich das Schönste, wenn der Film im Ausland Beachtung findet. Schön war schon, dass gestern die ARD in den Tagesthemen über den Film berichtete. Denn genau um diese Botschaft geht es mir: Wir sind nicht nur das Kuh-, Schokoladen- und Postkartenland. Wir Schweizer haben eine reiche Kultur- und Sagenlandschaft, die auch in modernen Zeiten immer noch gut unterhalten kann.
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Regisseur Michael Steiner strahlt zusammen mit seiner Frau Minerva an der «Sennentuntschi»-Premiere am Donnerstag. (Keystone)