Top Secret! Interview mit Daniel Craig «Gut möglich, dass ich Bond bin»

  • Aktualisiert am 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann

Er steht im Geheimdienst Ihrer Majestät: BLICK hat James Bond aufgespürt und ihm einige Geheimnisse entlockt.

Blick: Daniel Craig, wenn Johnny Depp in eine Bar geht, sagt wohl kaum jemand: «Oh, seht mal, da ist Jack Sparrow!»
Daniel Craig: Schaut mal, das ist doch dieser Pirat! (lacht)

Bei Ihnen reagieren die Leute wohl anders. Es heisst doch: «Daniel Craig ist James Bond.»
Gut möglich, dass ich für viele Bond bin. Ich denke da aber nicht viel drüber nach. Mein Leben hat sich schon verändert, ich kann mich nicht mehr so frei bewegen wie früher, und ich muss mich anders bewegen. Während Dreharbeiten wie hier in Bregenz wissen alle, dass ich hier bin, man sucht nach mir. Zu Hause, wenn das alles vorbei ist, geht es dann wieder einfacher.

Was treibt denn Daniel Craig so während Drehpausen?
Ich wünschte, ich hätte welche. Es gibt für mich praktisch keine.

Nicht mal Zeit für Ihren FC Liverpool?
Doch, die hab ich. (lacht)

Und die EM im Sommer?
Also das tu ich mir diesmal sicher nicht an!

Zum neuen Film «Quantum of Solace»: Ist 007 noch so unbesonnen wie in «Casino Royale»?
Alle denken, er sei ausser Kontrolle, weil sein Herz gebrochen ist und er Grund für einen Rachefeldzug hat. Aber ihm geht es darum, eine böse Organisation auseinanderzunehmen. Natürlich handelt er unbesonnen, das macht ihn aus, das wird immer so sein.

Was macht James Bond sonst noch aus für Sie?
Er ist eine Einzelfigur, die versucht, sich einen Reim auf die Welt zu machen, und die das Böse finden und bekämpfen will. Und er ist sehr unabhängig – daher sollte er immer unpolitisch sein.

Unpolitisch in welchem Sinn?
Wir müssen glauben, dass es da draussen Instanzen gibt, die der Wahrheit verpflichtet sind und die sich ums Gemeinwohl kümmern. Wenn wir nicht mehr an das Gute glauben, dann ist alles vorbei. Aber auch das ist politisch, klar.

Sie glauben noch an das Gute.
Wir lebten doch immer in sehr instabilen Zeiten. Ich wuchs während des Kalten Krieges auf – eine sehr instabile Ära. Jetzt sind die Probleme anders, die Weltökonomie ist rückläufig, Dinge müssen sich ändern. Aber wir müssen trotz allem an das Gute im Menschen glauben.

Die Kurzgeschichte «Quantum Of Solace» ist eher Bond-untypisch. Wird irgendetwas für den Film beibehalten?
Es geht um den Moment in einer Beziehung, in dem die Liebe erlischt. Und das ist das Schlimmste: Wenn das passiert, gibt es kein Zurück mehr. Bond hat ja die Frau, die er liebt, am Ende des letzten Films verloren – sie hat sich umgebracht, er bleibt im Glauben, sie habe ihn hintergangen. Jetzt sucht er nach dem «Quäntchen Trost». Natürlich nicht offen – das wäre ja ein Zugeständnis von Schwäche. Die Bösewichte spielen auch eine Rolle – es ist etwas kompliziert.

Es klingt sehr psychologisierend. Ist das nicht gefährlich? Hängt der anhaltende Erfolg von 007 nicht damit zusammen, dass die Zuschauer ihren eigenen Bond denken dürfen?
Wir behandeln die Psyche des Charakters, aber ich veranstalte hier ganz ehrlich keine riesigen Charakterstudien. Es ist nur ein Quäntchen. Es ist immer noch Action. Es ist immer noch Bond!

Nicht unbedingt in allen Belangen: Bondgirl Olga Kurylenko hat mir gegenüber angedeutet, dass sie stärker sei als Bond.
Ich habe kürzlich die Bücher von Ian Fleming wieder gelesen. Bond ist darin so emotional, verliebt sich ständig, er ist ein Wrack! Man denkt ja immer, dass er die Frauen verlässt – aber in den Büchern sind es normalerweise die Frauen, die ihn verlassen, weil sie nicht damit klarkommen, wer er ist. So zielstrebig, denkt nur an seine Arbeit.

Ist Bond im Film verzweifelt wegen einer Frau?
Er ist doch immer etwas verzweifelt wegen Frauen, oder? (lacht) Eine seiner grössten Schwächen!

Warum brauchte es bei 007 so lange, um zu zeigen, dass Girls auch die Starken sein können?
Ach, das wussten wir doch schon immer, oder? (lacht)

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