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Herr Löwensberg, Sie spielen die schillernde Persönlichkeit Hugo Koblet. Was war für Sie das Anspruchsvollste daran?
Dass Hugo einen enormen Zauber verbreitete. Anfangs hatte ich Angst, seinem Wesen nicht gerecht zu werden. Ihm nicht die Ausstrahlung geben zu können, die er hatte. Hugo Koblet war ein Weltklasse-Sportler und Gentleman. Er war ganz oben und auch ganz unten. Dies subtil und dennoch stark darzustellen, war für mich eine grosse Aufgabe.
Empfinden Sie Bewunderung oder Mitleid mit ihm?
Es hält sich die Waage. Als ich das Archiv-Material angeschaut habe, war ich fasziniert von seinem Charisma, bewundernswert. Riesensrespekt habe ich natürlich auch von seiner sportlichen Leistung.Genauso riesig ist meine Wehmut über das, was in seinem Leben passiert ist, sein mysteriöser Autounfall.
Sehen Sie Parallelen zwischen Ihrem Leben und dem von Hugo Koblet?
Einerseits ja. Hugo Koblet musste für seinen Erfolg nie richtig kämpfen. Er war ein Ausnahmetalent. Ich musste insofern auch nie darum kämpfen, meinen Eltern meine Leidenschaft für die Schauspielerei zu vermitteln. Sie haben mich moralisch unterstützt, und ich konnte immer von meiner Schauspielerei leben.
Sie arbeiteten als Velokurier.
Ja, das war aber noch vor der Schauspielerei. Ansonsten aber ist mein Leben komplett anders als das von Koblet. Ich habe gehört, dass er mit seiner Frau Sonja nicht gross gesprochen hat, zwischen ihnen gabs kaum Auseinandersetzungen. Auch das Gefallen wollen um jeden Preis, was einem bei seinem Leben ins Auge sticht, ist bei mir überhaupt nicht so.
Ecken Sie lieber an?
Nein, ich will nicht explizit anecken. Ich war anfangs skeptisch und reserviert gegenüber Journalisten. Daher kam ich verschiedentlich wohl so rüber. Ich hatte oft das Gefühl, die Portraits über mich hätten mit mir nicht viel zu tun.
Wie wollen Sie wahrgenommen werden?
Anfangs wollte ich nicht, dass es heisst, das ist der Sohn vom Leuenberger. Ich wünschte mir, dass man über mich deshalb schreibt, weil ich viele tolle Sachen gespielt habe. Bald aber habe ich gemerkt, dass es sich vermischt. Heute seh ich es nicht mehr so eng, gehe viel entspannter damit um.
Kam Ihr Vater am 6. August an die Premiere in Locarno?
Ja, aber privat, nicht offiziell. Er sass mitten im Publikum. Nachher haben wir mit der Familie ein Bier getrunken.
Seine Funktion wirft einen langen Schatten. Fluch oder Segen?
Früher empfand ich es eher als Fluch, Sohn des Bundesrats zu sein. Und ich fragte mich, was seine Funktion mit mir als Schauspieler zu tun hat. Ich glaube aber nicht, dass es meine Karriere beeinflusst hat. Alles was ich gespielt habe, habe ich gespielt, weil man mich wollte und nicht, weil ich der Sohn von Leuenberger bin. Ich mag meinen Vater ja gerne. Und mittlerweile ist es auch nicht mehr so, dass ich das Gefühl habe, mich abgrenzen zu müssen.
Hugo Koblet war sehr eitel. Während der Zielfahrt kämmte er sich die Haare. Wie eitel sind Sie?
Sicher nicht so eitel wie er. Aber ich will schon auch gefallen. Eitel bin ich auf eine raffiniertere Art, nicht äusserlich und schon gar nicht bei den Haaren. Ich will, dass man mich als Mensch mag, dass man sich für meine Gedanken interessiert.
Koblet war ein Frauenheld, auch noch nach seiner Heirat. Wie ist Ihr Beziehungsstatus?
Ich bin in einer Beziehung. Und brauche nicht an allen Ecken Bestätigung von irgendwelchen Frauen. Koblet suchte ja auch sexuelle Bestätigung. Das geht mir zur Zeit völlig ab.