So reagieren Politiker auf die Verhaftung von Roman Polanski Einen Herrn Müller hätten wir auch eingebuchtet

Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf und die Präsidenten der fünf grössten Schweizer Parteien haben sich zur Verhaftung von Star-Regisseur Roman Polanski geäussert.

  • Aktualisiert am 13.01.2012
Die Parteipräsidenten sind auch beim Thema «Polanski» nicht einer Meinung.- Keystone

«Wir finden in der Schweiz, dass das Recht durchgesetzt werden soll», sagte Bundesrätin Eveline Widmer-Schlumpf im Rahmen einer Pressekonferenz zum Abstimmungssonntag. Wenn Roman Polanski ein Herr Müller gewesen wäre, würden die meisten Menschen hierzulande denken, dass der Vollzug des Haftbefehls normal sei. Dies sei schlicht eine Frage der Gleichbehandlung.

Sie könne verstehen, wenn die Filmschaffenden betroffen reagierten. Jedoch sei für sie nicht verständlich, wenn die Filmschaffenden sagten, die Verhaftung sei rechtsstaatlich fragwürdig. «Die Verhaftung war rechtsstaatlich der einzig mögliche Weg», erklärte sie.

Es sei das erste Mal gewesen, dass die Schweizer Justiz schon im Vorfeld über einen Besuch Polanskis informiert gewesen sei und nicht erst im Nachhinein davon erfahren habe, sagte BDP-Magistratin in der «Tagesschau». Polanski werde eines schweren Deliktes beschuldigt, das nicht verjähre.

Dass die Schweiz die wegen dem Bankenknatsch gestörten Beziehungen zu den USA mit der Verhaftung Polanskis kitten wolle, dementiert Widmer Schlumpf. Washington habe auch keinen Druck ausgeübt. Es sei einfach ein internationaler Haftbefehl vorgelegen, der nun umgesetzt wurde. «Wir haben seit 1990 einen Vertrag mit den USA, dass wir einen amerikanischen Haftbefehl auch bei uns vollziehen – und umgekehrt», erklärte Widmer-Schlumpf.

Das sagen die Parteipräsidenten:

Die Präsidenten der fünf grössten Schweizer Parteien haben sich am Rand der Elefantenrunde zur heutigen Abstimmung zur Verhaftung des Star-Regisseurs geäussert.

FDP-Präsident Fulvio Pelli sagte, die Festnahme überrasche ihn. Aus der Vergangenheit von Polanski gebe es aber eben nicht nur schöne Filme, sondern auch «ungeheuer schlechte Informationen». Polanski habe sein Vergehen gestanden und sei deswegen aus den USA geflohen.

SVP-Präsident Toni Brunner sah Hinweise, wonach die Schweiz als verlängerter Arm der US-Justiz gehandelt haben könnte. Versuche, fremden Herren zu dienen, seien gefährlich, meinte er. CVP-Präsident Christophe Darbellay bezeichnete die Vergewaltigung eines Kindes als «die schlimmste Sache». Er würde Polanski sofort in die USA ausschaffen.

Für Ueli Leuenberger, den Präsidenten der Grünen, war die Festnahme des Ehrengastes des Zurich Film Festival völlig unverständlich. Der Filmemacher sei in der Vergangenheit mehrmals unbehelligt in die Schweiz eingereist.

SP-Präsident Christian Levrat schliesslich mochte den Vorfall nicht kommentieren. Es handle sich um eine Angelegenheit der Justiz, und er kenne die Ausgangslage nicht. (SDA/hhs)

USA loben Schweizer Justiz

Polanski wurde auf Gesuch der US-Behörden in Zürich festgenommen. Das sagte die Sprecherin der Bezirksanwaltschaft in Los Angeles, Sandra Gibbons, heute Abend. Ihr Büro habe eine Anfrage an das US-Justizministerium geleitet, die das Gesuch den Schweizer Behörden präsentiert habe, sagte Gibbons. Wie Bundesrätin Widmer-Schlumpf im Schweizer Fernsehen sagte, handelt es sich dabei um ein provisorisches Auslieferungsgesuch. Die USA hätten nun 60 Tage Zeit für das definitive Gesuch. Gibbons lobte die Schweizer Behörden für ihre extrem kooperative Haltung. Die Beziehungen mit den Schweizer Behörden seien ausserordentlich gut. Wann sie die Auslieferung Polanskis erwarte, konnte Gibbons nicht sagen. Dies hänge von der Schweizer Justiz ab.

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