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«Manchmal muss ich mich schon kneifen, um festzustellen, ob ich träume», erzählt der 36-jährige Head of Character Animation gegenüber Blick.ch. Simon Otto besuchte in Zürich die Kunstgewerbeschule und studierte in Paris Animation. Erst als 1998 amerikanische Studiobosse anklopften und ihm einen Job beim Trickfilm «Der Prinz von Ägypten» anboten, realisierte er, dass die Pforte zu Hollywood offen steht.
Nach «Kung Fu Panda» (2008) folgt nun mit «Drachenzähmen leicht gemacht» der neuste Streich der Striche aus dem Hause DreamWorks. Dreieinhalb Jahre hatten Otto und sein 50-köpfiges Team von Zeichnern daran gearbeitet. Für das 3D-Abenteuer waren 3000 einzelne Szenen nötig. Für eine Sekunde Film müssen 24 Bilder auf Blatt gebracht werden.
«Der Film ist enorm aufwändig. Am schwierigsten zu gestalten sind zum Beispiel Wasser oder Haare», verrät Otto weiter. Die neue 3D-Technologie sieht er als grosse Chance, das Kino-Erlebnis noch intensiver zu machen: «Für die Animatoren ist es eine Herausforderung, den Zuschauern das Gefühl zu geben, sie könnten jetzt die Hand ausstrecken und den Drachen berühren.»
Inspirationen für die Figuren holt er sich vor allem beim Beobachten seiner Umwelt. Und wie entstand die Hauptfigur? «Wir haben Hunde, Katzen und Adler genommen und diese quasi in einer grossen Salatschüssel durchgeschüttelt. Dabei heraus kam der Drache Toothless.»
Vertont werden die Figuren übrigens noch vor ihrer Animierung. So konnten die Schauspieler, die den einzelnen Charakteren ihre Stimme liehen, noch viel von sich selber einbringen und ihnen mehr Leben einhauchen. Die Bewegungen von Gerard Butler sind nun in der Figur des Wikinger-Chefs Haudrauf auf Film verewigt.
Obwohl Simon Otto tagtäglich mit Promis zu tun hat und seit 13 Jahren «mitten im Kuchen von Hollywood» lebt, ist der Vater eines einjährigen Sohnes bescheiden geblieben. Er reist zwar regelmässig in die Schweiz, dennoch fehlen dem ehemaligen Eisskulpturen-Künstler aber einige Dinge in der Traumfabrik: «Schweizerdeutsch, meine Familie und Schnee vermisse ich. Ich kann in Amerika zwar auch Skifahren gehen, aber es ist halt doch nicht das Gleiche.»
Auf Kung-Fu-Pandas folgen Drachen: Was wird Simon Otto als nächstes zähmen? «Wenn genug Schweizer den Film schauen gehen, hoffe ich, dass ich weiter mit Drachen arbeiten kann. Es wäre toll, wenn es eine Fortsetzung von dieser Geschichte gäbe», träumt der Chef-Animator und bannt mit ein paar Strichen einen weiteren Drachen auf Papier.
Simon Otto, Head of Character Animation bei DreamWorks: «Es hemmt mich in den USA nicht, dass ich dort der kleine Schweizer bin.»