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Ja, die Teenagerzeit: Vieles war höllisch peinlich. Was dieser Streifen dankenswerterweise weglässt, schliesslich haben schon Filme wie «American Pie» jedes Fettnäpfchen betreten oder besser gesagt: mit jeder Apfelkuchenschüssel Unzucht getrieben. Stattdessen feiert «Twilight» die himmlisch aufregenden Momente des pubertären Daseins: Wie ihr Blick in der Schulcafeteria an ihm hängen bleibt und, ehe sie es sich versieht, sich nicht mehr so einfach von ihm lösen kann. Oder seine kribbelige Verwirrung, wenn er plötzlich im Biologieunterricht erschreckend dicht neben der aus der Ferne Angebeteten sitzt und mit ihr ein Mikroskop teilen soll.
Sie, das ist Bella (Kristen Stewart). Eine 17-Jährige, die von ihrer geschiedenen Mutter zum Vater (Billy Burke), dem Polizeichef von Forks, einem Hinterwaldstädtchen im Nordwesten Amerikas, abgeschoben wird. In der neuen High School wird Bella aus ihrer Melancholie gerissen: Was hat es mit dem mysteriösen Edward (Robert Pattinson) auf sich, der nur mit seinen vier ebenso coolen und bleichgesichtigen Geschwistern rumhängt? «Die machen ihr eigenes Ding», mehr kriegt Bella aus ihren Mitschülern nicht heraus.
Edward benimmt sich merkwürdig. Mal starrt er Bella an. Mal ergreift er vor ihr die Flucht und kommt tagelang nicht zur Schule. Erst als er sie auf dem Schulparkplatz mit übermenschlicher Kraft vor einem ausser Kontrolle geratenen Auto rettet, kommt sie ihm auf die Schliche. Er verrät ihr sein Geheimnis: Er und seine Familie sind edle «vegetarische» Vampire – sie unterdrücken ihr Verlangen nach menschlichem Blut und ernähren sich vom weniger befriedigenden Tierblut.
Der Clou der Story zeigt sich dann beim ersten Kuss der beiden Teenies. Die Leidenschaft und Bellas zarter Hals lassen Edward fast sich selbst vergessen und nach ihrem Blut dürsten. «Ich darf nie die Beherrschung verlieren in deiner Nähe», beschwört er Bella und sich selbst. Heisst: Das erotische Knistern zwischen ihnen darf sich wohl niemals entladen.
Das hat der Autorin der Buchvorlage, Stephenie Meyer, den Vorwurf eingebracht, sie habe Millionen jugendlicher Käufer ihrer vier Romane ein Plädoyer gegen Teenagersex vor der Ehe untergejubelt. Doch der Film, in dem sich die Darsteller schon mit Blicken regelrecht verschlingen, kommt kaum als keusche Enthaltsamkeits-Predigt rüber. Vielmehr zeigt Regisseurin Catherine Hardwicke, die schon mit dem Drama «Thirteen» ein Gespür für jugendliche Nöte bewies, die Verwundbarkeit durch Nähe. Mit welchen Ängsten junge Menschen sich das erste Mal hingeben, ob nur emotional oder auch sexuell, findet im drohenden Zubeissen Edwards ein passendes Bild: Werde ich nur ausgesaugt und dann zurückgelassen? Oder werde ich durch den Biss ein Teil von ihm und kann ich mich dabei selbst verlieren?
Catherine Hardwicke nimmt sich viel Zeit für die zauberhafte Intimität der Liebenden. Magisch bettet sie ihre Sehnsucht in die nebligen Wälder des wolkenverhangenen Nordwestens ein. Weniger beeindruckend sind die Computereffekte, wenn Edwards Familie am Ende in den Kampf zieht: gegen drei wilde Vampire, die es auf Bellas Blut abgesehen haben. Aber der Film hat genug andere Stärken, so dass es gar nicht auf die Action ankommt. Eine Vampirgeschichte, in der Blicke mehr zählen als Bisse.
Die drei «bösen» Vampire wollen Edwards Schwarm zur Ader lassen.- Summit Entertainment