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Michael Steiner (40) hat lange geschwiegen, sich mit Anwälten und Freunden beraten, geduldig allen Spott ertragen. Doch nun nimmt er Stellung zu den Vorwürfen des Kokainmissbrauchs und fahrlässiger Filmfinanzierung. Wir trafen den Erfolgsregisseur, werdenden Vater und zornigen Künstler im Atelier seiner Verlobten in Zürich.
Wann werden wir «Sennentuntschi» im Kino sehen?
Michael Steiner:Im Herbst 2010, wenn alles gut läuft.
Und wenn weitere 850000 Franken an Fördergeldern für die Postproduktion reinkommen.
Diese Mittel braucht es, um den Film fertigzuschneiden. Abgedreht ist er.
Drei Gläubiger, darunter die UBS, verzichten auf 800000 Franken.
Ihr bin ich äusserst dankbar für die Bereitschaft, das Geld von unserem Ex-Geschäftsführer Bruno Seemann einzufordern.
In Ihrem Erfolgsstreifen «Grounding» war die UBS der Bösewicht. Jetzt rettet sie Ihren Film.
Ich habe nicht das Unternehmen kritisiert, sondern die Führung und ihr Geschäftsgebaren. Ausserdem ermöglichen auch der Verzicht der Co-Produzenten Hans Syz und This Brunner sowie das Investment von Markus Barmettler und Andreas Fallscheer die Rettung.
War dieses Geschäftsgebaren auch der Grund für Ihre Pleite?
Wir haben fast drei Millionen an offenen Verpflichtungen. Und alle bereits gesprochenen Gelder sind blockiert, bis eine Gesamtlösung vorliegt. Pleite sind wir also nicht.
Was waren die Gründe, wer hat versagt?
Vor einem Jahr begannen wir mit den Dreharbeiten. Im November 2008 merkten wir, dass wir einen Liquiditätsengpass von rund einer Million Franken haben. Das hatte zwei Gründe: Erstens brachte unser damaliger Geschäftsführer …
Bruno Seemann ...
… es nicht fertig, die Zwischenfinanzierung für ausstehende Fördergelder zu sichern, die in Raten fliessen. Zweitens fiel unser französischer Co-Produzent weg.
Sie selbst sind völlig fehlerlos?
Nein. Seemann war keine gute Wahl. Und als Verwaltungsrat der Kontraproduktion war ich für seine Anstellung mitverantwortlich. Ich bin aber Regisseur. Was meinen Beruf angeht, habe ich bei «Sennentuntschi» leidenschaftlich und professionell gearbeitet.
Weshalb kam es dann schon bei «Mein Name ist Eugen» zu Misswirtschaft?
Ein Budget zu überschreiten, ist keine Misswirtschaft! «Eugen» wurde seriös produziert. Wir haben das Problem schnell erkannt und es noch während des Drehs lösen können. Rückblickend bleibt die Tatsache, dass wir als eine der wenigen Schweizer Filmproduktionen den Förderern Geld zurückbezahlt haben.
Anders als bei «Sennentuntschi», wo die Fördergelder …
Es wurden nie irgendwelche Fördergelder missbraucht! Jeder Franken floss in den Film. Dafür bürgt auch die seriöse Arbeit unseres ausführenden Produzenten Stephan Barth.
Aber etwas kann doch nicht stimmen: Woher kommt die Lücke von 800000 Franken?
Wie gesagt, wir verloren den französischen Co-Produzenten, was nicht unser Fehler war. Und unser Geschäftsführer bezog einen Lohn, der weit über dem vereinbarten Salär lag. Wir haben uns geeinigt, dass er für das USB-Darlehen von 450000 Franken persönlich haftet und für seine Bezüge selbst geradesteht. Ich bin froh um diese faire Lösung.
Also geht es Ihnen jetzt besser?
Immer noch nicht besonders gut. Mir und meiner Familie ging es in den letzten Tagen «u huere mies».
Wegen der Anwürfe der Medien?
Dass ich mit Kokain und Callgirls in Verbindung gebracht wurde, geschah aus Kalkül und niederen Motiven. Das hat mich extrem getroffen. Und dass auf meinem Rücken Filmpolitik gemacht wird, ist unglaublich stossend.
Ist an den Vorwürfen etwas dran?
Nichts! Mit der Callgirl-Bestellung, welche notabene im Jahr 2007 geschah, also lange bevor Fördergeld floss, habe ich nichts zu tun. Und meine Droge ist das Filmemachen.
Sie sind kein Kokser?
Nein. Mit diesen Anwürfen wollte man suggerieren, dass wir Fördergelder für private Vergnügungen ausgegeben hätten. Die Absicht dahinter ist klar.
Den eidgenössischen Filmförderer Bideau zu schwächen?
Nochmals: Auf meinem Rücken wurde Filmpolitik betrieben. Und ich weiss mittlerweile, welche Personen diese Gerüchte in Umlauf gebracht haben.
Andres Brütsch vom Produzentenverband GARP, der Nicolas Bideau bekämpft?
Ich nenne keine Namen. Aber diese Leute begingen Rufmord. Ich werde mir die noch vorknöpfen.
Wie geht es Ihnen finanziell?
Ich habe viel Geld verloren, halte mich aber mit Werbefilmen über Wasser.
Haben Sie noch Zukunftspläne?
Ich werde hoffentlich das machen, was ich wirklich kann: Filme. Und meine Verlobte und ich möchten irgendwann auf der Philippinen-Insel Boracay ein Boutiquehotel aufbauen.
play
Aufgebracht: «Auf meinem Rücken wurde Filmpolitik betrieben», beklagt sich Steiner. Er und seine Familie hätten sehr «unter der Kampagne» gelitten. (Siggi Bucher)