Jetzt «gehört» er endgültig uns!

  • Publiziert: 28.06.2008, Aktualisiert: 03.01.2012

DAVOS – Marc Forster ist nicht mehr bloss gefühlter, sondern ganz offiziell Schweizer Bürger. Der Star-Regisseur hat nun den rot-weissen Pass.

Marc Forster ist künftig Schweizer und Davoser Bürger. Dem weltbekannten Regisseur sind heute das Ehrenbürgerrecht von Davos und die Schweizer Staatsbürgerschaft verliehen worden. Zu den Gratulanten zählte Bundesrat Moritz Leuenberger.

Noch nie sei ein Bundesrat an einer Einbürgerung anwesend gewesen. Denn in dieser Hinsicht zeigten die Behörden vor allem mit Kulturschaffenden Mühe, sagte Leuenberger am Festakt in der Grossen Stube des Rathauses von Davos.

Bei Schweizern, die im Ausland kulturelle Leistungen für den Film erbrachten, habe sich die offizielle Schweizer Politik meist erst bei runden Geburtstagen gemeldet. In Lobesreden würden solche Jubilare an ihre heimatlichen Wurzeln erinnert. Und «gleichzeitig sonnen wir uns stolz in ihrem Weltglanz», erklärte der Bundesrat laut Redetext.

So sei es auch mit Marc Forster: «Wir klopfen uns im Geist selber auf die Schultern und fühlen uns etwas mitverantwortlich für dessen Welterfolge wie den ‹Drachenläufer› oder ‹Neverland›».

Lieber Fussballer als Künstler

Kultur sei die «bedeutendste Infrastruktur», wobei der Film die globalste Bedeutung habe. Das Medium lebe vom Pendeln der Filmemacher zwischen den Kulturen. «Was wäre der Schweizer Film ohne Lindtberg mit österreichischen oder ohne Samir mit irakischen Wurzeln», gab Leuenberger zu bedenken.

Doch nicht immer würden Fremde als Bereicherung empfunden, und schon gar nicht, wenn sie aus dem Balkan stammten – es sei denn, sie seien Fussballer. Offensichtlich fielen Einbürgerungen leichter, wenn man sich daraus einen Nutzen versprechen könne.

Wer ein- oder auswandere, wisse wie Forster, dass die Begegnung mit dem Fremden Spannungsfelder erzeuge. Die politischen, kulturellen und sozialen Konflikte seien in der Schweiz die gleichen, die sich auf der Weltbühne abspielten: «Unterschiedliche Drehbücher, die den gleichen Stoff behandeln.» (SDA)

Beharrliches Genie

DAVOS – Als kleiner Davoser Knabe wollte er Theater spielen, mit nur 38 Jahren ist er einer der gesuchtesten Regisseure und Drehbuchautoren weltweit. Doch hat der neue Davoser Ehrenbürger Marc Forster lange auf seinen Durchbruch warten müssen.

Nach dem Gymnasium, das Forster in einem Internat am Zugerberg besuchte, flog der Sohn einer Arztfamilie 1990 nach New York und belegte die Filmschule der New York University.

Nach mageren Jahren gelang ihm im Jahr 2000 in Los Angeles der Durchbruch: Mit nur 100000 Dollar drehte Forster «Everything Put Together». Dafür erhielt er den Jurypreis des Sundance Festivals.

Nun ging es Schlag auf Schlag: «Monsters Ball», ein Film der die Todesstrafe thematisiert, wurde 2001 zum ersten weltweiten Erfolg. Zudem gewann Hauptdarstellerin Halle Berry als erste Afro-Amerikanerin einen Oscar.

«Finding Neverland», eine Geschichte um den Autoren des «Peter Pan», mit Johnny Depp und Kate Winslet in den Hauptrollen, wurde 2004 für fünf Golden Globes und sieben Oscars nominiert. Seitdem drehte Forster jedes Jahr einen Film.

2005 erschien der Psychotriller «Stay», 2006 «Stranger than Fiction», vergangenes Jahr «Drachenläufer», der erste amerikanisch finanzierte Film, der mehrheitlich unter Afghanen spielt. Dieses Jahr führt der neue Schweizer und Davoser Ehrenbürger im 22. James- Bond-Film «Quantum of Solace» Regie. (SDA)
play Bundesrat Moritz Leuenberger schlug in seiner Rede auch kritische Töne an. (Reuters)

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