«Superweib» Veronica Ferres «In Hollywood bin ich viel entspannter»

Veronica Ferres (51) war das «Superweib». Nun dreht sie mit Robert De Niro und kocht für Danny DeVito.

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Frau Ferres, wir erreichen Sie telefonisch in Hollywood. Wie reagiert die Filmbranche auf die Wahl von Donald Trump?
Veronica Ferres: Mit grossen Augen. Gleichzeitig ist die Filmwelt bestärkter denn je, für ihre Werte einzutreten. Und Kunst zu machen, die für Toleranz und Menschlichkeit steht.

Niemand versteht Amerika besser als Hollywood. Hat die Filmbranche das Phänomen Trump verkannt?
Ganz sicher. Das zeigen die Wahlergebnisse. Erhoben haben sich die sogenannten Flyovers: Menschen zwischen Los Angeles und New York, über die viele nur hinwegfliegen.

Warum wurde Trump gewählt?
Es ging gar nicht so sehr um Trump. Das war ein Protest der Mittelschicht.

Künstler drohten, bei einer Wahl Trumps die USA zu verlassen. Sie?
Das Resultat kam demokratisch zustande. Es muss angenommen werden – egal, wie schwierig das ist und wie sehr es verunsichert.

Hollywood spiegelt, was im Land und auf der Welt passiert. Welche Art Filme erwarten Sie in den vier ersten Trump-Jahren?
Filme, die mit klarer Handschrift zeigen, dass Minderheiten genauso liebenswert sind wie alle anderen.

Warum leben Sie in Hollywood?
Wegen der Kinder, die haben das so entschieden. Mein ältester Sohn studiert hier, meine Tochter absolviert ein Gastschuljahr. Ich bin als Mutter hier. Spass macht es mir, auf Castings zu gehen. Studierte mein Sohn in Island, wäre ich in Island.

Hollywood bietet aber bestimmt mehr als eine dunkle Insel.
Letzte Woche feierte «The Comedian» Premiere, da habe ich eine kleine Rolle neben Robert De Niro und Harvey Keitel. Ein unglaubliches Glücksgefühl, von solchen Giganten lernen zu dürfen.

In Europa haben Sie alles erreicht. Welchen Wert hat das in Hollywood?
Einen grossen. Die wissen genau, dass ich in einem Oscar-nominierten Kinofilm mitgespielt habe, dass ich 89 Rollen verkörperte, davon 20 auf Englisch. Es ist in der Schublade abgelegt, dass ich vier Filme mit John Malkovich drehte.

Ihr Résumé löst keinen Neid aus?
Hollywood ist frei von Neid, im Gegensatz zu Deutschland. Leistung wird enorm respektiert. Es zählt nur, wie du am Set bist, wie schnell du umsetzt, was der Regisseur sagt.

Wie gross ist der Druck, mit solchen Stars zu arbeiten?
Hier bin ich viel entspannter als in Europa. Weil ich grossen Respekt spüre. Viele Menschen, mit denen ich gedreht habe, essen bei mir. Es hat sich herumgesprochen, dass ich gut kochen kann. Danny DeVito etwa isst gerne bei mir.

Verändert De Niro Ihre Arbeit?
Es ist bei jedem Film gleich. Das Lampenfieber ist so gross, als wäre es meine erste Rolle. Mit kindlicher Freude und Naivität gehe ich in das nächste Projekt und versuche, neue Grenzen auszuloten.

Selbst bei kleinen Rollen?
Schon Shakespeare hat gesagt, es gebe keine kleinen Rollen, nur kleine Schauspieler. Bei jeder Frau, die ich verkörpere, lerne ich das Drehbuch, erarbeite den dramaturgischen Bogen, taste mich an ihr Innenleben heran. Das mache ich mit grosser Leidenschaft.

An der Seite von De Niro spielen Sie eine Hochzeitsplanerin. Keine zu kleine Rolle für die grosse Ferres?
Jede Sekunde auf der Leinwand zählt. Für De Niro würde ich auch die Tür aufhalten. Zudem wusste ich ja nicht, wie ich auf Regisseur Taylor Hackford wirken würde. Bei der Premiere sagte er vor allen: «Jetzt möchte ich euch eine wunderschöne Frau vorstellen, Veronica Ferres. Ich habe sie nicht besetzt, weil sie schön, sondern weil sie gut ist, ich würde immer wieder mit ihr arbeiten.» Passiert so etwas, könnte ich Luftsprünge machen.

Das erleben Sie in Deutschland nicht?
Dort hätte man gesagt: Schau mal, wie klein die Rolle ist. Doch davon habe ich mich befreit. Ich mache nicht mehr, was andere denken, sondern was mir Spass macht.

Sprache ist für Schauspieler ein wichtiges Instrument. Jetzt drehen Sie in einer fremden Sprache.
Was mir nicht schwerfällt, zumal ich ja mit meinen Kindern Hausaufgaben mache. Die gehen auf internationale Schulen. Deutsch und Englisch: Das ist völlig fliessend geworden. Drehe ich auf Englisch, sauge ich alles auf wie ein Schwamm. Dann träume ich englisch.

Wie wichtig ist Ihnen die Kontrolle bei eigenen Projekten?
Mit der Erfahrung und dem Alter ist das wichtiger geworden. Ich will keine Zeit mehr verschwenden.

Sie wollen Macht?
Mit Macht hat das alles nichts zu tun. Macht hat mich nie interessiert, weder beruflich noch in Beziehungen. Mich packen Unabhängigkeit und Selbstbestimmung.

Und wie sichern Sie sich diese?
Sie kommt von mir selbst, und nicht indem ich andere unterdrücke. Durch Selbstbestimmung versuche ich möglichst grosse Freiheit zu erlangen.

Was treibt Sie denn an?
Nie das Geld, immer die Fantasie. Packt mich, was ich in der Zeitung oder in einem Buch lese, passiert etwas vor meinen Augen. Dann weiss ich: Das interessiert auch andere. Von Beruf bin ich Geschichtenerzählerin. Die Kraft der Träume prägt mich. Es ist mein Lebenssinn, Menschen zu ermutigen, an die unbändige Kraft ihrer Träume zu glauben. Dann kann man im eigenen Umfeld die Welt verändern. Das schlägt Wellen und beflügelt andere.

Warum sind Sie Schauspielerin?
Es gibt nichts Schöneres, als sich von Kollegen gnadenlos inspirieren zu lassen. Mich reisst der kreative Prozess mit.

Wie geschieht das?
Unlängst drehte ich auf 4500 Meter Höhe in Bolivien mit Michael Shannon, dieser Urkraft, diesem genialen Schauspieler. Mit ihm auf Augenhöhe zu sein – wie der in der Pause proben will, wie er merkt, dass ich alles geben will. Wow! Das ist die schönste Erfüllung.

Wer hat die Macht in Hollywood?
Ganz klar: die Männer. Sie entscheiden zu 90 Prozent. Zwar leitet Stacey Snider Fox, aber sie ist die Ausnahme. In Deutschland kann Til Schweiger ein eigenes Studio haben. Veronica Ferres und Produzentin Nina Maag erleben da anderen Gegenwind – weil sie Frauen sind.

Hollywood ist brutal, wenn es ums Alter geht. Sie sind 51 – und trotzdem dort.
Weil Hollywood eine Domäne der Männer ist, gibt es weniger gute Rollen für Frauen. Werner Herzog hat für mich eine tolle Rolle geschrieben, da bin ich in jeder Einstellung drin. Robin Wright verkörpert in «House of Cards» eine tolle und nicht mehr junge Frau. Sicher, Jennifer Lawrence hat andere Möglichkeiten. Aber mit Cate Blanchett oder Helen Mirren kann man grossartige Filme finanzieren.

Sie haben 89 Frauen verkörpert. Haben Sie nicht langsam genug?
Ich habe noch immer diese kindliche Begeisterungsfähigkeit. Finde ich ein gutes Drehbuch, brennen bei mir alle Pferde durch, dann kriege ich Gänsehaut, muss laut lachen. Da hat sich nichts geändert.

Sie leben in Hollywood, München, Nizza. Wo sind Sie zu Hause?
In mir selbst. Und dort, wo die Kinder sind und mein Mann. Seit meine Eltern tot sind, ist die Heimat allein bei mir. Das gibt mir Gewissheit, wer ich wirklich bin.

Publiziert am 27.11.2016 | Aktualisiert am 27.11.2016
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