Stratosphärenspringer Felix Baumgartner (45) hat genug von den Ösis «Ich will den Schweizer Pass»

Felix Baumgartner war von Berufs wegen ständig auf der Suche nach Gefahren. Angelockt hat ihn dennoch die Schweizer Sicherheit und Stabilität.

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BLICK: Felix Baumgartner, seit letztem Freitag ist Ihr Rekord-Anzug erstmals in der Schweiz ausgestellt. Im Luzerner Verkehrshaus. Welche Bedeutung hat das für Sie?
Felix Baumgartner:
Eine sehr grosse! Ich habe hier in der Schweiz, in Arbon, meinen Lebensmittelpunkt. Deshalb ist mit dieser Ausstellung ein Traum für mich in Erfüllung gegangen. Der Anzug und die Kapsel sind schon auf der ganzen Welt gezeigt worden, jetzt stehen sie endlich bei mir daheim.

Sie sind ein Österreicher, der sich in der Schweiz offenbar richtig wohl fühlt.
Ja, ich bin ein grosser Schweiz-Fan! Hier leben genaue und penible Menschen, was mir sehr zusagt. Und ich spüre den Respekt und die Wertschätzung, die mein Stratosphären-Sprung durchaus verdient.

Was macht Ihre Wahlheimat denn besser?
Tatsächlich hat die Schweiz für mich eine Vorbildfunktion. Das kleine Land mitten in Europa schaffte es, wirtschaftlich unglaublich stark zu sein. In Österreich kassiert der Staat 20 Prozent Mehrwehrtsteuer und kommt dennoch vorne und hinten nicht durch. Schuld daran ist ein aufgeblasener bürokratischer Apparat. Die Politiker dort blockieren sich gegenseitig, was die Bevölkerung teuer zu stehen kommt.

Sie dürfen nicht wählen, interessieren sich aber trotzdem stark für die Schweizer Politik.
Die Schweiz hat eine direkte Demokratie. Das finde ich sehr gut. Das Volk kann über Sachvorlagen abstimmen. Deshalb spüre ich hier kaum eine Politik-Verdrossenheit. Das System Schweiz sollte man kopieren und in Österreich einführen.

Es hört sich jetzt fast so an, als würden Sie gerne ganz Schweizer werden?
Ich würde sehr gerne für immer hier bleiben. Erst recht, wenn ich sehe, was derzeit in der EU passiert. Das EU­-Konstrukt hat ein Ablaufdatum. Deshalb möchte ich den Schweizer Pass. Ein wenig kenne ich mich schon aus: Es gibt 26 Kantone, die Gründungskantone waren Uri, Schwyz und Unterwalden ... Für den Einbürgerungstest müsste ich dann aber doch noch etwas über die Bücher (lacht).

Zwischen Schweizer und Österreichern gibt es traditionell bedingt eine gewisse Unliebe. Wie nehmen Sie das wahr?
Im Alltag gar nicht. In den österreichischen Medien gibt es aber tatsächlich die Tendenz, dass die Schweiz wegen ihrer Weigerung, bei der EU mitzumachen, schlecht dargestellt wird. Es ärgert mich, dass dieses Bild vermittelt wird.

Gehen wir weg von der Politik und reden wir über den Sprung, der sie berühmt machte. Was war für Sie damals am schwersten?
Nicht der Sprung. Richtig hart war die fünfjährige Vorbereitungszeit. Wir hatten viele Rückschläge. Ein Beispiel: Es gab eine einjährige Verzögerung, nur, weil wir für die Kapsel keine Bewilligung bekamen. Der Grund war wirklich lapidar. Es fehlte ein passendes Formular für ein Fluggerät, das beim Aufstieg bemannt war und beim Abstieg nicht mehr. Das sind Momente, in denen du alles hinschmeissen möchtest. Was wir aber glücklicherweise nicht getan haben.

Wie war der Moment, als Sie sich in 39 Kilometern Höhe von der Kapsel lösten?
Es war das Highlight meines Lebens. Diese unglaubliche Ruhe da oben. Du hörst nur deinen eigenen Atem. Natürlich wusste ich, dass in diesem Moment die ganze Welt auf mich schaut. Das ist einfach unbeschreiblich. Wie bei der Mondlandung wissen heute noch viele, wo sie waren, als es passierte. Darauf bin ich sehr stolz.

Gab es beim Sprung einen Moment, in dem sie Todesangst hatten?
Wir haben uns akribisch vorbereitet. Aber natürlich gibt es die  100-prozentige­ Sicherheit nicht. Aber ich vertraute voll und ganz auf mein Team.

Schlimm wirkte die erste Minute Ihres Fluges. Sie kamen schwer ins Trudeln. Das war so nicht geplant, oder?
Da vor mir kein Mensch Überschall geflogen ist, wussten wir nicht genau, was in diesem Moment passiert. Nicht einmal die Experten waren sich einig. Einzelne warnten mich vor diesem Trudeln, das für den Körper richtig furchtbar ist. Als ich mich schliesslich zu drehen begann, dachte ich nur: «F***, es passiert wirklich.» Glücklicherweise kam ich nach 55 Sekunden in eine stabile Position. Danach konnte ich den Rest des Fluges geniessen.

Sie sagten immer, nochmals würden Sie nicht springen. Letzten Sommer tat es Google-Manager Alan Eustace (57), aber aus einer Höhe von 41 Kilometern. Hat das Ihren Ehrgeiz geweckt?
Nein, keineswegs. Mir war immer klar, irgendwann kommt ein anderer, der den Rekord bricht. Allerdings hätte ich nicht gedacht, dass es so schnell geht. Und wenn wir korrekt sind, dürfen die Sprünge nicht verglichen werden. Eustace war während des ganzen Falls an einem Stabilisierungsschirm. Ich verwendete bei meinem Sprung keine Hilfen. Meine Rekorde sind deshalb immer noch gültig. Zudem bin und bleibe ich der erste Mensch, der die Schallmauer durchbrach.

Seit Ihrem Sprung haben Sie sich vom Extremsport zurückgezogen. Was machen Sie heute?
Ich fliege für ein Helikopter-Unternehmen und bin weltweit für Vorträge unterwegs. Ich spreche über meine Erfahrungen, denn die Gesellschaft braucht Abenteurer, die bereit sind, über den Tellerrand hinauszuschauen. Ich war auch mal ein kleiner Kfz-Mechaniker und habe es geschafft, mit einem Fallschirm am Rücken die Welt zu erobern.

Publiziert am 05.03.2015 | Aktualisiert am 05.03.2015
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Spektakulärster Sprung aller Zeiten aus der Ego-Perspektive

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16 Kommentare
  •   koitz 05.03.2015
    Lieber Herr Baumgartner! Das mit dem büroktisch aufgeblasenen System gebe ich dir recht. Aber wie allen prominenten Leuten so auch bei dir geht es nur ums Geld. Sportler, Künstler usw. Wechseln nur allzugerne die Staatsbürgerschaft oder verlegen den Hauptwohnsitz aus Steuergründen. Ich war auch lange in der Schweiz und wie ich die Schweizer kenne, werden sie dir denn Schweizerpass sicher nicht nachschmeißen
  • Mike  Müller aus Zürich
    05.03.2015
    Na ja, wie dem auch sei - in Sachen Frauen beweist der Baumi jedenfalls einen guten Geschmack, allzeit bereit zu einem neuen Sprung. Und die Devise eines verwegenen «Springers» muss es letztlich ja sein: «Was soll ich nur eine «bespringen», wenn ich gleichzeitig bei mehreren landen und glücklich machen kann......!?!»
  • Sven  Lauber , via Facebook 05.03.2015
    wird kein Problem, musst nicht mal unsere Sprache können. Und sonst wirf den Pass weg und sag du hast keinen, da kommst du mit Handkuss rein :D
  • Heidi  Keller aus Zürich
    05.03.2015
    Es geht allein ums Geld. Auch deshalb sollte endlich Schluss sei mit zwei Pässen. Diese Rosinenpickerei ist einfach nur widerlich. Jetzt hat er zwar viel Geld das er nicht in der EU versteuern will, aber in einigen Jahren werden wir ihn durchfüttern müssen. Ein Exzentriker und Egoist wie Baumgartner findet nirgends einen Job. Und will auch nicht wie das gewöhnliche Volk arbeiten.
  • Hans  Meier aus Bern
    05.03.2015
    Man darf eines nicht vergessen: Herr Baumgartner ist momentan voll am Kohle scheffeln. Da kann er nicht in der EU seine Papiere habe, das wäre für ihn viel zu teuer. Es mag ja sein, dass er die Schweizer mag, aber schlussendlich geht es auch bei ihm nur ums Geld.