Sängerin Patricia Kaas wird 50 «Ich kam nach Hause und musste nur noch weinen»

Sie singt vom Blues und hat damit 15 Millionen Tonträger verkauft. Patricia Kaas im intimen Interview über ihr Burnout, ihre Männer und ihre neue CD.

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Sie ist die berühmteste lebende Sängerin Frankreichs, jahrelang wohnte sie in Zürich. Patricia Kaas wird am 5. Dezember 50 Jahre alt. Und hat nun zum ersten Mal in 13 Jahren eine CD mit eigenen Liedern veröffentlicht.

BLICK: Sie feiern am 5. Dezember Ihren 50. Geburtstag. Freuen Sie sich?
Patricia Kaas: Nein. Diese Zahl macht mich alles andere als glücklich. Aber das Wichtigste ist, wie man sich fühlt. Und ich fühle mich momentan ziemlich gut. Das war vor ein paar Jahren anders. 

Was war damals?
Ich wollte immer viel zu perfekt sein. Das hat mich völlig kaputt gemacht. Ich war nur noch müde. Dann starb mein kleiner Hund Tequila. Das hat das Fass zum Überlaufen gebracht. Tequila hat mich überallhin begleitet, sie war wie ein Mensch für mich, ausser, dass sie nicht sprechen konnte. 

Wie alt war Tequila?
Elf. Ihr Tod war furchtbar. Nachdem sie starb, kam ich eines Tages nach Hause, sah die leere Wohnung und musste nur noch weinen. Ich wusste nicht mehr, wo mein Platz war. Ich habe mein Leben lang gezweifelt. Zuletzt hat es mich aufgefressen. Ich hatte ein Burnout. 

Was machten Sie dann?
Ich ging in Therapie. Dort lernte ich, dass auch die schattigen Seiten meiner Seele zu mir gehören. Ich werde nun mal traurig, wenn ich morgens aufstehe und es draussen regnet. Und ich lernte, auch mit weniger zufrieden zu sein. 

Woher kamen diese Zweifel?
Ich wuchs in einer Grossfamilie in Lothringen auf. Mein Vater war Grubenarbeiter, wir hatten kein Geld, konnten nie in die Ferien. Dennoch hatte ich nie das Gefühl, dass mir etwas fehlte. Ich war stets glücklich. Und später, als ich viel Geld hatte und mir alles leisten konnte, begann ich diese riesige Leere in mir zu spüren. Meine ganze Karriere beruhte darauf, dass ich immer besser werden wollte.

Hat die Musik Ihnen während Ihres Burnouts nicht geholfen?
Nein. Als meine Mutter 1989 an Krebs starb, stürzte ich mich in die Arbeit. Dadurch konnte ich mich ablenken. Das funktionierte während meines Burnouts nicht. Ich hatte auf nichts mehr Lust. In der ersten Stunde der Therapie musste ich all die Dinge niederschreiben, die ich in meinem Leben vermisste. Ich schrieb Erlebnisse und Gefühle aus meiner Kindheit auf. Ich vermisste den Weihnachtsmarkt, den Geruch nach Lebkuchen und Glühwein. Die Psychiaterin lachte laut heraus, als sie die Liste las. 

Warum besuchten Sie nicht einfach einen Weihnachtsmarkt?
Ich ging schon als junge Erwachsene nicht mehr hin. Wahrscheinlich, weil ich in dieser Rolle als Patricia Kaas gefangen war und meinte, dass es sich nicht mehr gehöre, an einem Stand Glühwein zu trinken. Ich weiss noch, wie ich als junge Frau vom Elsass nach Paris zog. Alle lachten über meinen Akzent. Sie zeigten mit dem Finger auf mich, weil ich nicht so kultiviert war, fast keine Filme kannte, nie im Theater war. Ich wollte stets so sein wie die anderen, wusste aber nicht, weshalb genau. Wenn man ein unsicherer Mensch ist, braucht es nicht viel, um verletzt zu werden. 

Was macht Sie heute glücklich?
Manchmal genügt ein Wort, ein Lächeln, eine Blume. Am glücklichsten macht mich die Erkenntnis, die Krise gemeistert zu haben. Ich hatte ein Haus in Südfrankreich. Das habe ich verkauft. Ich besitze nur noch eine Wohnung in Paris. Um nicht mehr so verbissen zu sein, muss man lernen, loszulassen. 

Was fehlt zum perfekten Glück?
Ein toller Mann wäre nett. Ich bin seit Jahren Single. Oft hatte ich das Gefühl, ich hätte ein Herz aus Stein. Ich hatte einige schöne Lieben. Wurde zum Glück nur einmal bitter enttäuscht, ansonsten war ich meist mitschuldig, wenn es nicht geklappt hat. Ich konnte nicht bedingungslos lieben, weil ich mich selbst nicht bedingungslos geliebt habe. 

Das können Sie heute?
Ich denke schon. Ich kenne mich inzwischen sehr gut. Ich weiss, dass ich nach einem Konzert ohne schlechtes Gewissen eins trinken gehen darf. Früher ging es immer gleich zurück ins Hotel. Mit diesem zwanghaften Gefühl, dass ich am nächsten Abend noch besser singen muss. Heute weiss ich, dass ich nicht jeden Abend noch besser werden muss. Ich bin längst gut genug. 

Was heisst gut genug? Ihre neue CD ist fantastisch!
Oh ja, das finde ich auch (lacht). Ich nenne es das Album mit meinen schönsten Narben. Als ich die Endversion zum ersten Mal hörte, musste ich weinen – vor Freude! Ich habe zu mir gesagt: Patricia, du musst dich nicht mehr verstecken, du kannst stolz auf dich sein. Ich habe erkannt, dass ich keine Maschine bin, sondern ein Mensch. Es ist komisch, dass man 50 Jahre alt werden muss, bis man das endlich gelernt hat.

Patricia Kaas live: Samstag, 4. Februar, Arena, Genf. Sonntag, 5. Februar, Kongresshaus, Zürich. Mittwoch, 8. Februar, KKL, Luzern.

Publiziert am 03.12.2016 | Aktualisiert am 03.12.2016
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6 Kommentare
  • Christian  Duerig , via Facebook 03.12.2016
    Alles Gute zum Geburtstag.
    Schauen Sie mal bei den AKB48 vorbei. So fröhliche, emotionale und lebensfreudige Girls gibt es nur in Japan.
    Weshalb lernen Sie nicht Japanisch ?
    Ganbatte to Matane !
    Kopfhoch und bis bald !
    (You Tube: "AKB48 Youre A Music"; "AKB48 Cherry Blossom Bookmark"; "AKB48 Anata Ga Ite Kureta Kara"; "AKB48 Sayonara Crawl"; ....)
  • Joe  Di Marco 03.12.2016
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Patricia, Deine Stimme und Deine Lieder haben mir immer viel Freude bereitet und tun dies auch weiterhin. Alles Gute im neuen Lebensjahr und weiterhin viel Kraft für alle Mommente in Deinem Leben.
  • Joe  Di Marco 03.12.2016
    Herzlichen Glückwunsch zum Geburtstag Patricia, Deine Stimme und Deine Lieder haben mir immer viel Freude bereitet und tun dies auch weiterhin. Alles Gute im neuen Lebensjahr und weiterhin viel Kraft für alle Mommente in Deinem Leben.
  • Hermann  Kuch aus Dintikon
    03.12.2016
    Frau Kaas eine wunderbare Sängerin mit einer Stimme, die in Europa konkurrenzlos ist. Ich wünsche Ihr für die nächsten 40 Jahre alles Gute und beste Gesundheit, auch wenn sie nicht mehr singt bis 90 !!
  • Adrian  Züger 03.12.2016
    Sie hat Geld, Ruhm und kann sich alles leisten
    Vielleicht würde ein Glas Glühwein unter normalen Menschen ihr gut Tun
    • Manfred  Grieshaber aus Zollikon
      03.12.2016
      Sie hat sich sehr weit von ihren Wurzeln entfernt. Aufgewachsen ist sie in Forbach unmittelbar an der deutsch-französischen Grenze. Ihre Karriere begann in der studentischen Beizen-Szene der Altstadt Saarbrückens. Das ist eine unorganisierte, multikulturelle und spontane Szene. Da hat es auch noch den Weihnachtsmarkt mit Glühwein und man spricht auf beiden Seiten der Grenze den gleichen Dialekt. Das ist das genaue Gegenteil der geschliffenen Hochglanzwelt in der sich Frau Kaas später bewegte.