Reinhold Messner (72) über Leidenschaft, Spiritualität und Massentourismus «Ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod»

Er ist einer der grössten Abenteurer unserer Zeit. Im Interview erklärt Reinhold Messner, weshalb er sich auch auf 8000 Metern über Meer den Göttern nicht näher fühlt.

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Er verschob die Grenzen des Möglichen und hat erlebt, wie Überleben funktioniert. Vom 20. bis 26. Januar ist Extrembergsteiger Reinhold Messner (72) mit seiner Multimediashow «Überleben» in der Schweiz auf Vortragstour. Im Interview mit BLICK verrät der Südtiroler, wann der Tod eine Befreiung sein kann.


BLICK: Sie standen als erster Mensch auf allen 14 Achttausendern, haben die Antarktis und Grönland durchquert. Was für Herausforderungen gibt es noch für Sie?
Reinhold Messner:
Die sind heute ganz anderer Natur. Eigentlich teilt sich mein Leben in Phasen auf. Zuerst war ich ein Felskletterer. Nachdem ich mir mehrere Zehen abgefroren hatte, wurde ich Höhenkletterer. Als es nicht mehr höher ging, durchquerte ich Sand- und Eiswüsten – dabei habe ich mir das Fersenbein zertrümmert. Dann folgten Forschungsreisen zur Yeti-Legende, mein Sitz im Europaparlament und der Aufbau des Museums. Jetzt befinde ich mich in meiner siebten und wahrscheinlich letzten Phase. Ich bin Filmregisseur, nicht mehr Kletterer. Abenteuer sind nicht nur physischer Natur, es geht auch um eine kulturelle Herausforderung. 

Sie sind 72. Altert man als Extremsportler anders?
Vom Geistigen her altert man besser. Aber für den Körper ist das Extreme kein Gesundbrunnen. Wenn man über längere Zeit bei minus 40 Grad oder in Höhen mit wenig Sauerstoff unterwegs ist, dann spürt man das. Aber für meinen Geist ist es ein Jungbrunnen. 

Sind Abenteuer der Schlüssel zu einem glücklichen Leben? 
Man kann auch mit der Bahn auf die Jungfrau fahren und von dort noch ein paar Meter hochsteigen. Das hängt ganz vom Können ab. Wer viel kann, strebt höhere Ziele an. Aber solche Abenteuer sind nur ein Teil. Wichtig ist, dass man in seinem Tun ganz aufgeht. Wenn ich bloss auf ein gelungenes Leben zurückschaue, habe ich in dem jetzigen Augenblick nichts davon. Wenn ich aber meine Träume sukzessive umsetze, dann bin völlig verwoben mit dem, was geschieht.

Sie sind viele Risiken eingegangen, waren oft dem Tod nahe. Haben Sie damit gerechnet, überhaupt so alt zu werden? 
Ehrlich gesagt, ich habe mir damals keine Gedanken darüber gemacht, was ich mit 70 mal tun werde. Ich war jeweils auf mein nächstes Ziel konzentriert. 

Wie oft haben Sie dem Tod in die Augen geblickt? 
Diese Momente, in dem man keinen Ausweg mehr sieht, kann ich an einer Hand abzählen. Wenn es nur ein kurzer Schreck ist, kann ich mich schnell wieder fangen. Wenn man aber länger in einer lebensbedrohlichen Situation gefangen ist, dann kommt ein Moment, in dem man sein Einverständnis zum Tod gibt. Wir Menschen haben Angst vor dem Sterben, weil er mit Schmerzen verbunden ist. Wenn es aber so weit ist, kann der Tod auch eine Befreiung sein. Ich habe ältere Menschen beobachtet, die den Tod willkommen geheissen haben. Ich hoffe, dass das bei mir auch so sein wird.

Glauben Sie an ein Leben nach dem Tod? 
Nein, ich glaube nicht an ein Leben nach dem Tod – nicht im populistischen Sinne. Betrachtet man allerdings das Feinstoffliche, gehen unsere Zellen oder Atome ja auch nach dem Tod nicht verloren. Die werden wieder in die Natur zurückgeführt, das Atom eines Menschen kann so wieder in einer Pflanze oder einem anderen Lebewesen auftauchen.

Wem fühlt man sich auf 8000 Metern Höhe nahe?
Nicht den Göttern. Alle Götter wurden vom Menschen erfunden, es ist ein Wunschdenken. Da oben fühle ich mich der Natur ausgesetzt, es ist eine menschenfeindliche Zone. Sobald man da oben ist, will man nichts anderes als wieder runter. Eigentlich ist es schizophren. Zuerst flüchtet man aus der urbanen Welt und dann will man sich dahin zurückretten. Wenn man wieder unten ist, fühlt man sich wie neugeboren. 

Sind Berge für Sie heilige Orte? 
Früher galten fast alle Berge als mythologisch, weil sie unzugänglich waren. Die Berge im Himalaya waren bis vor 100 Jahren fast alle heilig. Die Alpen sind inzwischen völlig banalisiert, hier gibts kaum noch heilige Plätze. Es liegt daran, wie wir einen Zugang haben. Wir wandern oder klettern da oben völlig selbstverständlich.

Publiziert am 28.11.2016 | Aktualisiert am 29.11.2016
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9 Kommentare
  • Peter  Weber aus Zürich
    29.11.2016
    Reinhold Messmer sollte schon sagen was er glaubt, kein Leben nach den Tod ist nur ein Teil seiner Weltanschauung. Wichtig am eigenen Weltbild ist doch das es mich dazu anspornt das möglichst Beste zu tun. Und das ist Friede, Empathie, Liebe.
  • Hanspeter  Niederer 28.11.2016
    "Gerade die intensive Beschäftigung mit der Natur zeigt uns so viele komplexe Zusammenhänge, dass die Wahrscheinlichkeit der Präsenz einer übergeordneten Macht enorm ansteigt." Und worin besteht jetzt der Zusammenhang zu einer Weiterexistenz in menschlichen Begriffen nach dem Tod? Ich bin übrigens ein grosser Naturbewunderer.
  • jürg  frey aus teufen
    28.11.2016
    Er war gut, er ist gut, und er bleibt gut, auch gutaussehend im Alter. Auch wenn er nicht an Gott glaubt, die Berge werden seine Seele beherbergen nach seinem Ableben.
  • Gardin  Roberto 28.11.2016
    Die Gläubigen glauben an ein Leben nach dem Tod. Die Atheisten glauben nicht an ein Leben nach dem Tod. Glauben heisst, nicht wissen. Und wissen tun beide Seiten rein gar nichts.
  • Walter  Nef aus Niederweningen
    28.11.2016
    Mit dem Glauben werden die Menschen geknechtet um Geld abzuliefern!
    Angst ist die Mutter aller Religionen.
    Durch den Glauben entstehen Kriege, also gehören die Religionen Weltweit abgeschafft!
    • Reto  Schelling aus Dachsen
      28.11.2016
      Herr Nef, Glaube ist nicht Religion. Religion bedeutet Gesetze. Glauben ist frei.