Psychiater Frank Köhnlein über den späten Nachwuchs von Mick Jagger «Im Grundschulalter ist sein Sohn vielleicht Halbwaise»

Mit seinem späten Vaterglück reiht sich Mick Jagger in eine Riege prominenter Papis im Rentenalter ein. Auf seinen Sohn kämen aber einige Herausforderungen zu, glaubt der Schriftsteller, Kinder- und Jugendpsychiater Frank Köhnlein.

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Erst im September sorgte Mel Gibson (60) mit der Nachricht, dass er zum neunten Mal Vater werde, für Schlagzeilen. Im Sommer wurde Rolling-Stones-Gitarrist Ron Wood (69) Vater von Zwillingen. Jetzt übertraf ihn Kollege Mick Jagger (73), der am Donnerstag zum achten Mal Papi wurde. Schräg, komisch oder gar verantwortungslos, lästern böse Zungen. Aber wie ist es als Kind, wenn der eigene Vater im grossväterlichen Alter ist?

«Mick Jagger wird in den nächsten zehn Jahren ableben»

Frank Köhnlein (49) ist Oberarzt an der Kinder- und Jugendpsychiatrischen Klinik Basel und Schriftsteller. Er meint, ein Kind begreife erst im mittleren oder späteren Primarschulalter, dass der eigene Vater zumindest statistisch näher am Tod ist als ein anderer. «Ich kenne die Lebenserwartung britischer Vollblut-Rockmusiker nicht, aber mit grosser Wahrscheinlichkeit wird Mick Jagger – wenn er nicht unsterblich ist – in den nächsten zehn Jahren ableben», sagt er zu BLICK und meint weiter: «Wenn sein Sohn im Grundschulalter ist, wird er also vielleicht Halbwaise sein oder werden.»

Ein Vorschulkind habe aber noch keinen Massstab für das Alter. Erst im Vergleich mit Schulkameraden müsse es wohl lernen, damit umzugehen, dass in seiner Familie etwas «nicht normal» sei. Trotz aller Bedenken ist Köhnlein überzeugt: «In einer postmodernen Gesellschaft ist vieles möglich, was vor 40 Jahren noch undenkbar war. Die Kinder werden diese Veränderungen und die damit verbundenen Herausforderungen deutlich leichter bewältigen als wir Erwachsenen.» Unsere klischeebehafteten und vorurteilsgeprägten Bilder seien natürlich auch etwas irreführend. «Aber als Jagger-Kind lebt der Bub ja sowieso in einer anderen Normalität.»

Ältere Menschen wollen nicht auf den Spielplatz

Kann es vielleicht auch vorteilhaft sein, einen älteren Vater zu haben? Nicht wirklich, meint Köhnlein: «Das Argument, dass 75-jährige Väter mehr Zeit haben und gelassener sind, halte ich für Augenwischerei.» Menschen in diesem Alter hätten andere Interessen, als auf dem Spielplatz zu schaukeln. «Sie widmen sich ihren Briefmarkensammlungen oder sitzen in Arztpraxen herum, gehen auf Kreuzfahrt, machen Golfferien, lesen Thomas Mann, schauen nachmittags ZDF oder brechen sich den Schenkelhals», sagt er. Das seien zwar üble Klischees, aber: «Im Zweifelsfall ist ein Vater, der vier, fünf Wochen im Jahr und viele Wochenenden ganz und gar für die Kinder da ist, nachhaltiger als einer, der jeden Tag ein bisschen vorhanden ist. Ja, ältere Väter haben grossväterliche Vorteile, aber die haben auch gute Grossväter.»

«Wer will festlegen, was richtig und ethisch ist?»

Für Jaggers andere sieben Kinder, die zwischen 46 und 17 Jahre alt sind, wird es wohl eigenartig sein, jetzt noch ein Geschwisterchen zu bekommen – sofern sie sich nicht längst an die Eigenheiten ihres Vaters gewöhnt haben. «Ich bin aber überzeugt, dass in der Jagger-Familie wie in anderen Familien mit solchen Konstellationen durchaus neben aller Freude auch kritisch oder gar kopfschüttelnd kommentiert oder diskutiert wird», meint Köhnlein. Nach aussen werde sie das aber wohl kaum zeigen.

Als aussenstehende Person könne man Jaggers Entscheidung für erneuten Nachwuchs aber nicht verurteilen: «Ich habe schon Familien erlebt, in denen der krebskranke Vater nach langem Abwägen noch ganz bewusst ein Kind gezeugt hat. Wer will hier festlegen, was richtig und ethisch ist?» Darauf gebe es nur individuelle, persönliche, vielleicht auch religiöse Antworten, die jeder für sich finden müsse.

Publiziert am 09.12.2016 | Aktualisiert am 26.12.2016
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