Exklusiv-Interview mit der deutsch-türkischen Skandalautorin Sila Sönmez (26) «Mein Vater darf dieses Buch nicht lesen»

  • Publiziert: 15.10.2010, Aktualisiert: 02.01.2012
  • Interview: Maja Zivadinovic
play BLICK-Reporterin Maja Zivadinovic (l.) und Sila Sönmez beim Gespräch in Zürich. (Toini Lindroos)

ZÜRICH - Sie bricht Tabus, schreibt schonungslos offen über Sex: BLICK traf Sila Sönmez zum Sex-Gespräch.

BLICK: Sie sorgen mit Ihrem «Das Ghetto-Sex-Tagebuch» für Aufregung. Wie reagieren die Leute auf Sie?
Sila Sönmez:
Obwohl ich Tabus breche und teilweise vulgär schreibe, ernte ich nur Lob. Ich freue mich auch, dass meine Familie und meine Freunde stolz auf mich und meinen Erfolg sind.

Haben Männer Angst vor Ihnen?
Ich bin nicht sicher, ob sie Angst haben. Die meisten sehen den Kumpel in mir. Ich bin keine High-Heels-Tussi, ich rede viel Mist und trinke viel zu viel.

Noch andere Laster?
Ich rauche verdammt viele Zigaretten und bin süchtig nach Kaffee.

Lassen Sie uns über Sex sprechen.
Gerne. Darf ich kurz etwas sagen, wofür mich die Männer hassen werden?

Nur zu.
Männer denken, dass unsere Brüste das Pendant zu ihren Penissen sind. Dann fummeln sie da wie wild herum. Das nervt.

Noch was, das Männer wissen sollten?
Ja. Sie sollen aufhören, einfach so ihre Penisse auszupacken und das Gefühl zu haben, dass wir davon angeturnt sind.

Ayla, die Hauptprotagonistin, schläft ständig mit dicken, alten Männern. Wieso?
Ich lenke bewusst von Schönlingen ab. Ayla geht mit diesen Typen ins Bett, weil sie pure Lust und schmutzige Fantasien dazu antreiben.

«Hässliche» Männer sind also besser im Bett?
Nicht unbedingt. Aber unattraktive Männer sind Bestandteil unserer Fantasie. Auch ich denke nicht immer nur an Typen wie Brad Pitt.

Für eine Türkin gehen Sie überraschend offen mit Sex um.
Meine Eltern haben mich locker erzogen. Wir sind keine gläubigen Moslems. Als ich 14 war, wollte mich meine Mutter aufklären. Ich erklärte ihr, dass ich dank des «Bravo»-Dr. Sommer-Team bestens Bescheid weiss.

Wie war Ihr erstes Mal?
Ein peinliches Desaster. Danach lag ich enttäuscht da und dachte: «Das war jetzt echt Sex? Mensch, ist das blöd.»

Wie muss ein Mann sein, damit er richtig gut im Bett ist?
Er muss sich gehen lassen können und nicht immer nur den aktiven Part übernehmen. Wenn er Lust hat, devot zu sein, dann soll er das zulassen.

Wie ist Ihr Sexleben heute?
Bis vor vier Monaten war ich vier Jahre lang mit meinem Ex-Freund zusammen. Wir waren aufeinander eingespielt und wussten, worauf wir stehen. Als Single muss ich den Sex jetzt neu entdecken.

Was unterscheidet Sex in einer Beziehung von Single-Sex?
In einer Beziehung geniesse ich es, Sex mit Liebe zu haben. Danach kann ich stundenlang in den Armen des Mannes liegen. Als Single ist es ein bisschen wie russisches Roulette: Es kann heiss und geil sein, aber auch in die Hose gehen.

Was war Ihr schlimmstes Mal?
Ich erinnere mich an einen Typen, der nach zwei Minuten knutschen heftig stöhnte. Das hat mich so abgeturnt, dass ich die Nummer abbrechen musste.

In Ihrem Buch stellen Männer aber viel schlimmere Dinge an.
Genau. Ich kann nicht verstehen, dass es heute noch Ehrenmorde gibt. Ein Mädchen zu töten, weil es vor der Ehe Sex hatte, ist das Allerletzte.

Welche Beziehung haben Sie zu Ayla, der Protagonistin des Buchs?
Ich mag die Kleine. Sie ist ja erst süsse 17 Jahre alt und kämpft mit dem Erwachsenwerden. Hierbei reitet sie sich immer wieder in die Scheisse. Das Schöne daran ist, dass Ayla aus ihren Taten lernt. Und sie lernt, dass sie das Gute eines Menschen vor allem hinter seiner Fassade erkennen kann.

Wer soll Ihr Buch auf keinen Fall lesen?
Mein Papa. Ich habe es ihm echt verboten. Denn ich bin mir sicher: Wir wären beide total peinlich berührt.

Sie sorgt für Aufregung

Mit ihrem Buch «Das Ghetto-Sex-Tagebuch» (Verlag Schwarzkopf & Schwarzkopf) sorgt Sila Sönmez (26) in Deutschland für grosse Aufregung. Die «Bild»-Zeitung titelte: «Das ist Deutschlands neue Sex-Autorin» und zählte genau nach: «In ihrem Buch bricht Sila Sönmez Dutzende Tabus. Worte wie «fi**en», «Mu**hi», «F**ze», «Schw**z» und «Joint» kommen auf 221 Seiten über 100-mal vor. Sönmez sei Deutschlands härteste Sex-Autorin, hiess es an anderer Stelle.

Auf Papier knallhart, als Person sehr sympathisch: Autorin Sönmez wuchs in einem Plattenbau in Köln auf, ihre Eltern stammen aus der Türkei. Sie studiert Kulturwissenschaften. Das Skandalbuch schrieb sie während acht Monaten in ihrer Einzimmerwohnung.
play Sila Sönmez war früher pummelig, fand sich selbst hässlich. Jetzt hat sie einen Sex-Bestseller geschrieben. (Toini Lindroos)

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  • 29,9% Reine Provokation, nicht hinsehen!
  • 26,7% Literarischer Sex ist immer gut.