Blick am Abend: Nach knapp elf Jahren sind Sie mit Ihrer Partnerin Vanessa Paradis noch immer nicht verheiratet.
Johnny Depp: Ich kann Vanessa nicht heiraten! Ich würde ihren Namen ruinieren. «Paradis» klingt wie
Musik. Was würde ich ihr antun, wenn ich aus ihr einen «Paradis-Depp» machen würde? Klingt grausam. Aber ganz ehrlich: Wenn Vanessa eines Tages sagt «lass uns heiraten», würde ich es sofort machen.
Erinnern Sie sich an den Tag, an dem Sie sich in Vanessa verguckt haben?Es war in einem Pariser Hotel. Ich habe sie zunächst nur von hinten gesehen. Ihren Rücken und ihren Hals. Als sie sich umdrehte, war es restlos um mich geschehen.
Im neuen Film «Public Enemies» spielen Sie den Bankräuber John Dillinger, in «Fluch der Karibik» den Piraten Jack Sparrow. Haben Sie ein Faible für Gangster?Ja, ein sehr ausgeprägtes. Wahrscheinlich, weil es in meiner Familie auch ein paar Kleinkriminelle gab. Mein Opa schmuggelte während der Prohibition Alkohol und mein Stiefvater Robert sass eine Zeit lang im Knast in Illinois.
Und Ihre Schandtaten? Ich habe es bislang nur auf eine Verhaftung wegen Ruhestörung und Sachbeschädigung gebracht, als ich in den 90er-Jahren ein Hotelzimmer demolierte.
Sie wohnen in Frankreich. Warum haben Sie noch keinen französischen Film gedreht?Mir fehlte bisher immer die Zeit. Ich hatte ein paar Szenen in diesem einen Film, dessen Namen ich nicht aussprechen kann ...
«Ils se marièrent et eurent beaucoup d’enfants»Richtig. Ich nenne ihn jedoch lieber «Film mit dem Titel, den kein Ausländer richtig betonen kann». Eines Tages will ich aber unbedingt eine Hauptrolle auf Französisch.
Wofür geben Sie am liebsten Geld aus?Für gutes Essen und guten Rotwein.
Sie haben sogar eine eigene Insel ...Ja, Little Hall’s Pond Cay, eine der Bahamas-Inseln. Ich brauche diesen Rückzugsort, um nach einer längeren Zeit in Hollywood wieder zur Normalität zurückzufinden. Rückzug ist für mich eine Überlebensstrategie.
Wir sehen Sie auf Fotos meist mit Hut. Warum?Ich finde die Mode der 20er- und 30er-Jahre super. Die Leute hatten damals viel mehr Stil. Schade, dass so viele gute Umgangsformen jener Tage verloren gegangen sind.
Sie drehen bald den vierten «Fluch der Karibik»-Film. Hängt Ihnen Captain Jack Sparrow nicht längst zum Hals raus?Warum sollte er? Alles in allem waren die drei ersten Filme doch nicht schlecht. Okay, sie hatten hier und da ihre Schwächen, habe ich gehört. Nicht, dass ich sie gesehen hätte. Ich schaue mir meine eigenen Filme nicht an. Das ertrage ich nicht. Captain Jack zu spielen hingegen macht mir riesigen Spass. Ich finde ihn cool.
Interview: Andreas Renner / Bearbeitung: Maria Liessmann
8 Fakten zu Johnny Depp
1. Geboren am 9. Juni 1963 in Owensboro, Kentucky.
2. Ist deutscher und irischer Abstammung und Urenkel eines Cherokee-Indianers.
3. Wohnt seit zehn Jahren in Frankreich.
4. Seit 1998 mit der französischen Sängerin Vanessa Paradis (36) liiert.
5. Zwei gemeinsame Kinder: Lily-Rose Melody (10) und Jack (7).
6. Durchbruch: 1990 mit der Hauptrolle im Kinofilm «Edward mit den Scherenhänden».
7. Grösster bisheriger Erfolg: Rolle als Captain Jack Sparrow in «Fluch der Karibik 1–3», für die er 2003 eine Oscar-Nominierung bekam.
8. Ab 31. Juli als Bankräuber John Dillinger im Kinofilm «Public Enemies» zu sehen.