Wegen Anklage-Erhebung gegen seinen Leibarzt Jacko wird jetzt öffentlich seziert

  • Publiziert: 09.02.2010, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Von Gabriel Brönnimann und Dierk Sindermann
play Der Angeklagte Conrad Murray am Montag auf dem Weg zum Gericht in L. A. (Keystone)

Der Prozess gegen Michael Jacksons († 50) Arzt Conrad Murray geriet zur Gruselvorstellung.

Amerika liebt seine öffentlichen Promi-Prozesse. Das ganze Land verfolgte 1994 gebannt den «Prozess des Jahrhunderts» gegen Ex-Footballstar O.J. Simpson (62), als dieser wegen zweifachen Mordes vor Gericht stand.

Jetzt geht es um den Tod von Michael Jackson, dem King of Pop, der am 25. Juni 2009 tot in seiner Villa in Los Angeles gefunden wurde. Angeblich starb Jacko an einem Cocktail von verschreibungspflichtigen Medikamenten. Am Pranger steht Jackos Arzt Conrad Murray (56). Am Montag um 13.55 Uhr verlas der Staatsanwalt die Anklage: «Fahrlässige Tötung.» Murray flüsterte auf die Frage des Richters, wie er sich zur Anklage bekenne: «Nicht schuldig.»

So weit, so voraussehbar. Was die Öffentlichkeit viel mehr beschäftigt, war der schockierende Vortrag des Gerichtsmediziners Christopher Rogers. Zum ersten Mal konnte man den offiziellen Obduktionsbericht einsehen, ist dieser doch Bestandteil der Anklage gegen Murray.

Jacko öffentlich seziert

Die Enthüllungen kamen einer öffentlichen Sektion gleich. Sie zeigen, wie krank Jacko wirklich gewesen sein muss. «Die Haare des Verstorbenen wuchsen nur noch sehr spärlich auf seiner Kopfhaut, und sie waren mit einer Perücke verflochten», hallte es durch den Gerichtssaal. Also traf zu, was seit langem gemunkelt wurde: Jacko war fast kahl. «Das lockige Haar in der Schläfengegend war spärlich vorhanden und mit einem unbekannten durchsichtigen Klebstoff durchsetzt.»

Die Leiche beschreibt der Obduktionsbericht so: «Es ist ein schwarzer Mann mit Flächen von hellen und dunklen Hautflecken. Röntgenbilder zeigen, dass er an einer milden Form von Arterienverkalkung in beiden Beinen litt, ausserdem einen Ansatz von Arthritis in der Wirbelsäule zeigt.»

In hohem Tempo ging es weiter durch das Jacko-Gruselkabinett: «Der Tote hatte viele Narben. Je eine hinter dem linken und rechten Ohr, an beiden Seiten der Nasenflügel, auf der rechten Schulter, zwei am Hals, eine am linken Oberarm, je eine auf dem linken und rechten Handgelenk, eine in Nähe des Bauchnabels, fünf in der Gegend des rechten Knies und eine auf dem rechten Schienbein.»

Jacko war nicht nur vernarbt, er war auch tätowiert. «Tattoos: Ein dunkler Streifen am Haaransatz, Augenbrauen und ein rosa Tattoo in der Lippengegend.»

Kein noch so privates Detail wurde ausgelassen. «Genitalien: Die Prostata ist leicht vergrössert. Beide Hoden befinden sich normal im Skrotum und haben keine aussergewöhnlichen Merkmale. Keine Anzeichen von Trauma.»

Zur Todesursache sagte der Gerichtsmediziner: «Propofol-Vergiftung, herbeigeführt durch Dritte.» Dafür, so die Anklage, soll Murray ins Gefängnis.

Wird er für schuldig befunden, drohen ihm maximal vier Jahre Haft. Der Richter setzte ihn gegen eine Kaution von 75 000 Dollar und die Abgabe des Reisepasses auf freien Fuss. Die nächste Anhörung wurde auf den 5. April angesetzt.

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