Kevin Costner im Jubiläums-Interview «Erfolg hat mich noch nie besonders beeindruckt»

  • Publiziert: 13.02.2011, Aktualisiert: 03.01.2012
  • Interview: Dierk Sindermann

Vor 20 Jahren kam «Der mit dem Wolf tanzt» ins Kino. Es war einer der grössten Triumphe der Filmgeschichte: sieben Oscars, zwei für Kevin Costner persönlich. Wie lebt man mit so viel Ruhm?

Am 21. Februar 1991 kam «Der mit dem Wolf tanzt» in die Schweizer Kinos. Kevin Costner (56) produzierte, führte Regie und spielte die Hauptrolle. Das Leinwandepos aus der Zeit des US-Bürgerkriegs machte ihn mit sieben Oscars zum Superstar.

BLICK: Sie haben diesen Triumph nie wieder erlebt. Kränkt Sie das?
Kevin Costner: Im Gegenteil. Es zeigt, dass ich mich nicht dem Erfolg zuliebe angepasst habe. Erfolg hat mich noch nie besonders beeindruckt. Ich habe Filme gemacht, die mir am Herzen lagen. Und wenn mir Produzenten dafür nicht ihr Geld anvertrauen wollten, dann habe ich eben mein eigenes eingesetzt.

In Ihrem letzten Film «The Company Men» begnügen Sie sich mit der Nebenrolle eines wenig heldenhaften Bauunternehmers.
Sie werden lachen, ich wollte diese Rolle. Ich sehe ein Menge Heldenmut in diesem Mann, der auch am Wochenende zur Arbeit geht, damit er niemanden aus seiner Bautruppe entlassen muss.

Das sind Probleme, wie sie ein Hollywood-Star Ihrer Preisklasse wohl kaum aus eigener Erfahrung kennt.
Ich habe mit meiner Filmerei viel Glück gehabt. Aber glauben Sie mir, ich kenne auch das Leben aus der Arbeiter-Perspektive.

Keine Angst, einen Hammer in die Hand zu nehmen?
Nicht nur keine Angst, ich kann Ihnen in einem Tag die Aussenwände für ein Holzhaus hinstellen. 100 Dollar habe ich nach meiner Schulzeit damit verdient.

Ist das heute noch Ihr Tagessatz?
Nicht ganz. Aber es gibt ausserhalb meines Berufs nichts Befriedigenderes für mich, als etwas mit meinen Händen zu errichten. Auf meinem Traktor bin ich König.

Was sagt Ihre Queen dazu?
Der ist es zu verdanken, dass wir heute auf einer Ranch am Pazifik leben. Vor unserer Hochzeit wohnten wir in Santa Barbara, in einem Haus, das ich mir als Junggeselle gebaut hatte. Sehr cool, aber nichts für Frau und Kinder. Nach drei Jahren hat Christine entschieden: Wir ziehen aus. Das hier ist deine Vergangenheit. Wir brauchen etwas für die Zukunft. Und das haben wir jetzt. Fünf Hektar Paradies. Es wird das letzte Domizil für mich sein.

Das Handy in Costners Jackentasche klingelt. Er grinst: «Sorry, mit drei Babys in den Windeln muss ein Mann immer erreichbar sein.»

Und wie geht das, wenn Daddy mit seiner Band durch die Welt rockt?
Solange die Kids nicht schulpflichtig sind, ist das kein Problem. Sie kommen einfach mit auf Tour.

Ihre Frau protestiert nicht?
Im Gegenteil. Sie war es, die mich ermuntert hat, wieder Musik zu machen. Letztes Jahr war ich in neun oder zehn Ländern, 29 Konzerte in sechs Wochen. Live-Gigs sind meine grosse Leidenschaft. Das ist spannend, weil man immer in Gefahr ist, Sch… zu bauen.

Viele Männer, die in zweiter Ehe Kinder in die Welt setzen, haben ein schlechtes Gewissen, weil sie sich um die aus erster Ehe nicht so intensiv gekümmert haben.
Da brauche ich mir keine Vorwürfe zu machen. Meine drei ersten Kids waren damals alles für mich. Ihretwegen habe ich sogar gezögert, noch einmal Vater zu werden. Ich wusste nicht, ob ich mich in diesem Alter noch einmal mit derselben Intensität kleinen Kindern widmen könnte.

Wie geht das jetzt mit 56 Jahren – und drei Kids zwischen acht Monaten und drei Jahren?
Da wird es eng im Bett. Und laut (lacht). Christine nimmt mit dem Baby die eine Hälfte ein; die andere wird von unseren beiden Söhnen beansprucht. Manchmal flüchte ich in ihr Zimmer.

Ein Sexsymbol im Kinderbett. Irgendwie passt das nicht zusammen ...
Ich habe es nie verstanden, warum man mir diesen Titel angehängt hat. Es war mir offen gestanden peinlich. Sie hätten mich mal in der Highschool erleben sollen. Da konnte ich nie bei den Girls landen.

Mal angenommen, die Wirtschaftskrise würde Sie treffen wie so viele andere Amerikaner: Kein Job, kein Geld, kein Dach über dem Kopf – und beinahe keine Hilfe vom Staat. Wie würden Sie sich vorkommen?
Ich würde mich natürlich masslos in meinem Stolz verletzt fühlen – genau wie jeder andere auch, der in eine solche Lage kommt.

Helfen Sie, wenn man Sie darum bittet?
Sofort. Aber man kann natürlich nicht jedermanns Probleme durch Geld lösen. Ich bin auch häufig von Leuten, denen ich unter die Arme gegriffen hatte, böse hintergangen worden.

Könnten Sie mit weniger Geldleben?
Wenn ich durch die Welt reise und sehe, mit wie wenig andere glücklich sind, dann begreife ich das als Lektion: Im Grunde habe ich viel zu viel. Es kann die Lebensqualität erhöhen, wenn man seinen Lebensstandard herunterschraubt.

Klingt fast wie eine soziale Botschaft. Haben Sie schon einmal darüber nachgedacht, wie Ronald Reagan in die Politik zu gehen?

So wie in Amerika heute Politik gemacht wird, geht es nicht darum, ein besseres Programm zu haben als andere, sondern den Gegner mit seiner Vergangenheit zu attackieren. Da ich ein sehr – wie soll ich sagen – farbenfrohes Leben gehabt habe, möchte ich mich da nicht durch die Mangel drehen lassen.

Wie es Ihnen passierte, als Sie in South Dakota ein Spielcasino eröffneten und mehrere Prozesse führen mussten. Gehört es Ihnen eigentlich immer noch?
Ja. Und es sind auch gute Erinnerungen damit verbunden. Es liegt im Ort Deadwood, wo ich «Der mit dem Wolf tanzt» gedreht habe. Meine Eltern besuchten mich damals und blieben hängen. Es hat ihrem Leben neuen Auftrieb gegeben.

Wenn Gott anbietet, Ihnen einen einzigen Wunsch zu erfüllen, welcher wäre es?
Ich bete immer, dass er mir die Zeit gibt, meine Kinder grosszuziehen. Dass mir in den nächsten 20 Jahren nichts passiert. Dass ich der Mann bin, der sie in die Geheimnisse des Lebens einweiht, sie auf die Schönheiten und die Fallstricke hinweist. Ich möchte unter keinen Umständen, dass dies ein anderer Mann an meiner Stelle tut. 

Persönlich

Er ist einer der grössten Filmstars Hollywoods. Doch Kevin Costner (56) ist auch ein gefragter Country-Musiker. Und ein grosser Umweltaktivist.

Aus erster Ehe hat er drei Kinder. Seit 2004 ist Costner mit der deutschen Modedesignerin Christine Baumgartner (37) verheiratet und hat mit ihr nochmals drei Kinder.

Der Amerikaner hat deutsche, irische und indianische Wurzeln.

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