BLICK-Autor würdigt George Michael Die Welt trauert um «Grossbritanniens grössten Pop-Star»

Er war einer der grössten Songschreiber des Pop, er hatte eine der besten Stimmen. Nun ist George Michael (†53) tot. Eine Würdigung.

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Blick am Abend-Blattmacher Thomas Rickenbach erinnert sich gut an George Michaels Auftritt auf der Bühne des Webley-Stadions am 20. April 1992. play
Blick am Abend-Blattmacher Thomas Rickenbach erinnert sich gut an George Michaels Auftritt auf der Bühne des Wembley-Stadions am 20. April 1992. Blick

Jeder kannte George Michael (†53), als er an jenem 20. April 1992 auf die Bühne des Wembley-Stadions trat. Dort lief das Erinnerungs-Konzert an Queen-Sänger Freddie Mercury (†45), einerseits eine würdige Angelegenheit für die AIDS-Forschung. Andererseits ein Zeichen, dass keiner dieser Superstars auch nur annähernd die Stimme von Freddie hatte.

Dann kam George Michael

Dann, eben, kam George Michael. Einst so etwas wie ein Teenie-Star mit Wham!, dann vor allem mit anzüglichen Texten aufgefallen («I Want Your Sex»), immer funky und damit massentauglich, aber das gewisse Etwas? Was sollte man mit diesem George Michael genau anfangen? Er trat also auf die Bühne. Spielte mit Queen zuerst deren weniger bekanntes «39», bereits ein grosser Moment.

Dann gemeinsam mit Lisa Stansfield (50) die Abschieds-Ballade «These Are the Days of Our Lives», noch grösser. Und dann folgte das gigantische Cover von «Somebody to Love»: George Michael füllte das Wembley-Stadion mit seiner Stimme aus, er nahm es in Besitz. Mit Soul, mit Präsenz, mit unglaublicher Präzision bei schwierigsten Tönen. Hätte es an diesem Abend, wie so oft in diesem Fussball-Stadion, einen Sieger gebraucht: Er hätte George Michael geheissen.

Jener Abend ist es, der mir zuerst in den Sinn kommt, wenn ich heute an ihn zurückdenke. Jener Abend, der zeigte: George Michael ist nicht einfach ein Teenie-Idol. Sondern eine der grössten Nummern der Pop-Musik. Der «Guardian» bezeichnet ihn heute als Grossbritanniens grössten Pop-Star (sein guter Freund Elton John hätte allen Grund, darüber etwas enttäuscht zu sein, aber heute wird er damit umgehen können).

Er war so typisch Achtziger

George Michaels Karriere war grob gesagt, in Jahrzehnte unterteilbar. Da waren die Achtziger, als der Sohn eines zyprischen Auswanderers, sein voller Namen lautet Georgios Kyriacos Panayiotou, den Durchbruch schaffte. Wham! hiess die Gruppe, gemeinsam mit Andrew Ridgeley (53). Auch wenn eigentlich immer alle auf George Michael schauten. Fönfrisur, gefärbte Haare, oft mit Drei-Tage-Bart: Er war so typisch Achtziger. Und das war auch der Sound von Wham!. 4 Platten sollte es nur von ihnen geben.

Die Hits waren zuerst leicht hip-hoppig angehauchte Jugendfantasien («Wham Rap»), dann seichte Urlaubs-Knaller («Club Tropicana»), schliesslich «Wake Me Up Before You Go-Go» ­- immer noch an jeder 80er-Party ein sicherer Wert – und die Saxofon-Ballade «Careless Whisper». Immer gerade an der Grenze geschrieben, wo ein Song noch nicht ganz schmalzig ist, sondern einfach sehr schön. Und ganz am Schluss von Wham! verlegte sich Haupt-Songwriter Michael auf Monster-Mitsing-Hits: Heute hört man «Everything She Wants», «I’m Your Man» oder «The Edge of Heaven» zwar kaum mehr am Radio. Aber diese Licks, diese Riffs.

Freundschaftliche Trennung von Wham!

Also trennten sich Wham! auf pompöse und freundschaftliche Weise. Michael damals: «Es soll die freundschaftlichste Trennung der Popgeschichte sein.» Er hatte wohl entdeckt, dass er alleine noch viel grössere Songs schreiben und präsentieren könnte. Anzügliche eben, wie ganz am Anfang das von allen Sendern zensurierte «I Want Your Sex». Rockige wie «Faith», als eine Art Elvis-Zitat. Balladen wie «One More Try».

Später, und das waren nun definitiv die Neunziger, liess George Michael seine «Faith»-Gitarre im Video zu «Freedom! 90» verbrennen. Dort liess er Naomi Campbell (46), Linda Evangelista (51), Cindy Crawford (50) & Co. seinen Song «singen», hielt sich zurück, inszenierte sich so nur stärker. Auf Models in Video zu setzen: Das war damals noch recht neu. Wenn es Taylor Swift (27) heute macht, so zitiert sie letztlich nur George Michael. Es folgt der erwähnte Auftritt mit Queen – und ein erneuter Neubeginn.

Auf dem 96er-Album «Older» war der Ton plötzlich ruhiger, ernster, erwachsener, wie es der Titel schon ankündigte. Sein Partner Anselmo Feleppa war an AIDS gestorben. «Jesus to a Child», die erste Single, der Song zum Abschied, war Musik gewordene Melancholie und Trauer. Hier trat nicht mehr «der Popstar» der Achtziger an. Wobei Michael gleich darauf seinen grössten Funk-Song veröffentlichte: «Fastlove», eine Sample-Feier, eine Hommage an den One-Night-Stand. Und bald folgten wieder traurige Songs, die die Welt des George Michaels wohl besser widerspiegelten. Auch traurig: Erst gestern pfiff der Autor dieser Zeilen plötzlich «Spinning the Wheel». Weshalb? Keine Ahnung.

«Older» war wohl der Höhepunkt von George Michaels Schaffen. Und eine Art Schlusspunkt.

Highlights wurden seltener, Schlagzeilen negativer

Die Schlagzeilen wurden immer negativer. Der Fan litt mit. Hier und da ein Highlight: Das Stevie-Wonder «As», mit Mary J. Blige (45), war nochmals grosse Klasse. Aber eben: ein Cover. Die 2000er kamen. «Shoot the Dog» war mit seiner Kritik an Bush und Blair inhaltlich interessant, aber musikalisch? «Amazing» erinnerte mit seinem Groove entfernt an bessere Zeiten. Und sonst?

1998 wurde George Michael in einem öffentlichen WC im Beverly Hills verhaftet. Was er genau tat? Jedenfalls war damals klar, dass George Michael am männlichen Geschlecht interessiert war. «Es war bestimmt nicht, weil ich mich auf diese Art outen wollte», sagte er später der BBC. Viele grosse Stars der 80er und 90er versteckten ihr Schwulsein noch vor der Öffentlichkeit.

In den folgenden Jahren wurde Michael oftmals mit Drogen erwischt. 2009 erzählte er dem «Guardian» mal, er kiffe nur noch «sieben oder achtmal» am Tag. Früher sei es bis zu 25 Mal gewesen.

2011 folgte der erste grosse Gesundheits-Schock nach Auftritten mit einer Lungenentzündung lag er in Wien auf der Intensivstation. Man fürchtete um sein Leben.

Und 2013 fiel er in England auf der Autobahn aus einem fahrenden Auto. Die Umstände blieben unklar. Worauf seine Entziehungskur in einer Zürcher Luxus-Klinik für 290'000 Franken folgte.

Die Pop-Welt trauert

Nun ist George Michael entschlafen. Er hinterlässt eine trauernde Pop-Welt. Wie zuvor David Bowie (†69) oder Prince (†57). Die gängige Twitter-Reaktion lautet: «2016 ist doch einfach ein A…loch». Fakt ist aber leider auch: Viele unsere Idole starteten ihre Karrieren in den späten 70ern oder den frühen 80ern. In jenen Jahren, in denen TV und Pop aufkamen. Wir werden uns daran gewöhnen müssen, um sie zu trauern. 

Publiziert am 26.12.2016 | Aktualisiert am 27.12.2016
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