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Blick: In «Changeling» spielen Sie eine Mutter, deren Kind entführt wird. Was hat Sie an dieser Geschichte gereizt?
Angelina Jolie: Als ich das Script bekam, war ich von der Geschichte sofort fasziniert. Sie handelt von Christine Collins, einer Frau, die 1928 in Los Angeles lebt und deren Sohn entführt wird. Die Polizei meldet sich nach einer Weile mit der Nachricht, sie hätte den Jungen gefunden.
Der Bub ist aber nicht ihr Kind.
Genau. Die Polizei ist durch und durch korrupt, und weil sie den Fall nicht lösen kann, versucht man ihr ein Kind aufzuzwingen, das nicht ihres ist. Es ist eine wahre Geschichte, und als ich die ersten Seiten davon las, musste ich das Drehbuch in einem Zug lesen. Als ich fertig war, habe ich abgesagt. Ich konnte nicht. Es hat mich zu sehr aufgewühlt.
Was hat Sie dazu bewogen, Ihre Meinung zu ändern?
Christine Collins ging mir nicht mehr aus dem Kopf, und ich musste ihr Schicksal immer wieder mit Freunden besprechen. Es ist eine Geschichte über Demokratie, Zivilcourage und über die Überwindung des Schmerzes. Ich wollte, dass die Welt davon erfährt. Das ist das Mindeste an Gerechtigkeit, das Collins verdient: dass man ihre Geschichte erzählt.
Sie haben den Film zu einem Zeitpunkt gedreht, der für Sie schwierig war. Was hat dieser Entschluss für Sie bedeutet?
Meine Mutter ist mit 56 Jahren an Krebs gestorben. Das ist ein unglaublich grosser Verlust für mich. Sie war noch viel zu jung. Und obwohl es emotional sehr anstrengend war, musste ich diesen Film einfach drehen. Es gibt so vieles an Christine Collins, das mich an meine Mutter erinnert hat.
Zum Beispiel?
Der Name meiner Mutter war Marcheline und wir haben sie zum Spass immer «Marshmellow» genannt, weil sie so süss und gutherzig und sanft war. Sie wurde mit uns Kindern nie wütend. Wenn es aber darum ging, uns zu beschützen, wurde sie zur absoluten Furie. Meine Mutter hatte dieselbe Eleganz und Stärke wie Collins.
Es gibt Gerüchte, dass Sie sich aus der Filmindustrie zurückziehen.
Ja, das möchte ich. Ich habe seit einem Jahr nicht mehr gearbeitet, und es stehen auch keine neuen Projekte an. Ich werde mich noch nicht gerade zur Ruhe setzen, aber ich möchte gerne mehr Zeit mit meiner Familie verbringen.
Angelina Jolie ungeschminkt und im Pyjama vor dem TV?
(Lacht) So ungefähr. Ich schaue zwar fast nie fern. Es gibt aber schon Tage, die ich nur im Schlafanzug verbringe und mit meinen Kindern spiele oder male.
Werden Sie Ihre Familie weiter vergrössern?
(Lacht) Darauf können Sie wetten!
Sie sind bei den diesjährigen Oscars Favoritin für Ihre Rolle in «Changeling». Wie man hört, haben Sie Ihren ersten Oscar für «Girl, Interrupted» verlegt …
Ja, das stimmt. Ich habe ihn meiner Mutter geschenkt, und sie gehört zu den Menschen, die sich solche Dinge nicht ins Wohnzimmer stellt, sondern sie verstecken – weil sie sie für zu wertvoll erachtet. Sie hat die Statue also irgendwo in ihren Dingen versteckt, und dann ist sie gestorben. Wir sind ihre Sachen noch nicht alle durchgegangen – und darum bleibt der Oscar bis jetzt verschollen (lacht).