«Ich bin eine echte Fehlbesetzung»

  • Publiziert: 06.03.2007, Aktualisiert: 14.01.2012
  • von Jonas Hoskyn

LONDON – Hugh Grant (46) über seine schwierige Beziehung zur Musik, die Problematik seines Aussehens und den Wunsch nach Kindern.

BLICK: Haben Sie sich mit dem Film irgendeinen alten Rockstar-Traum erfüllt?
HUGH GRANT:
«Nun, ich habe viele unerfüllte Träume, aber Rockstar zu sein gehört nun wirklich nicht dazu. Ich war nie wirklich musikbegeistert. In meinem ganzen Leben war ich auf genau drei Konzerten, und ich habe jedes davon gehasst. Ich bin eine echte Fehlbesetzung. Ich habe im wahrsten Sinne des Wortes überhaupt keine Musik in mir. Und nachdem ich zugesagt hatte, kriegte ich Panik und habe versucht, mit Unterricht das Ganze mit meinem letzten bisschen Würde über die Bühne zu bringen.»

Aber Sie haben schon selber gesungen?
«Ich gebe zu, das Ganze ist ein Riesenschwindel. Ich konnte nicht glauben, wie clever Computer mittlerweile sind. Da kann man wie ein Hund reinbellen, und auf der anderen Seite kommt Pavarotti raus. Unglaublich.»

Und wie war das mit dem Tanzen?
«Grässlich. Ich bekam einen Coach – einen richtig guten, mit herabhängenden Jeans und so. Bei dem war ich im Studio. Er drehte also die Musik auf und sagte, ich solle jetzt einfach das machen, was aus mir rauskommt. Eine halbe Stunde später stand ich immer noch da, ohne mich vom Fleck gerührt zu haben.»

Während dem Dreh hats dann aber doch ganz gut geklappt ...
«Das scheint nur so. Es gibt diese Szene, wo ich bei einer Klassenreunion tanzen muss. Aus lauter Nervosität hatte ich massenweise Beruhigungstabletten geschluckt, die meine Freundin gegen ihre Flugangst nimmt. Und meine Visagistin, die gute Seele, schmuggelte mir immer wieder Whisky in meine Trinkflasche. So wurde es doch noch ein ganz witziger Tag.»

Und wie war das mit dem Videoclip?
«Noch so eine erniedrigende Sache. Eine ganze Armee von Stylisten musste mich jünger machen. Sie schafften, dass ich statt 46 mindestens 45 aussehe. Dann hat man dieses Video mit lauter jungen Typen, und dazwischen dieser Typ, der aussieht wie eine Pariser Nutte mit zu viel Rouge.»

Sie schauen eigentlich ganz passabel aus der Wäsche.
«Ein weiterer Fluch in meinem Leben. Ich sehe zu jung aus. Als Student brauchte ich dringend Geld, und da habe ich so eine Foto-Lovestory für ein Mädchenmagazin gemacht. Ich war 22 und spielte einen 15-Jährigen. Und letzte Weihnachten ist prompt ein Sammelband mit den Fotostorys rausgekommen!»

Wenn jemand schon so lange im Showbusiness dabei ist wie Sie: Hatten Sie eigentlich auch schon – wie Ihre Filmrolle – das Gefühl, nur vom Ruhm vergangener Tage zu zehren?
«Ich glaube, ich weiss, wann der Zeitpunkt kommt, um abzutreten. Ich halte es da wie Audrey Hepburn. Eigentlich habe ich sowieso meine Karriere nach ihrem Vorbild aufgebaut. In erster Linie auch den Kleiderstil.»

Was käme dann? Haus, Frau und Kinder?
«Ja, ich denke, dafür wärs mal Zeit. Das heisst, ein Haus habe ich zum Glück ja schon. Aber eigene Kinder zu haben ist ein Wunsch, den ich mir schon noch erfüllen möchte.»

play Hugh Grant im Interview: «Ich sehe zu jung aus.» (Keystone)

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