Helge Schneider Will vom Hitler-Quatsch nichts mehr hören

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Dass ausgerechnet Helge Schneider in Dani Levys Film Adolf Hitler spielt, hat Schlagzeilen gemacht. Doch schon vor der Premiere will der Komiker von dem Film nichts mehr wissen. Lieber spielt er auf seiner neusten Tournee sich selbst. Denn auf der Bühne ist er zu Hause, da führt er sein eigentliches Leben

Mülheim an der Ruhr (D). Helge Schneider geht auf Tournee. Doch vor dem Start von «I brake together» schenkt er seiner Heimatstadt ein inoffizielles Eröffnungskonzert. Der Saal tobt.

Danach feiert die Band backstage. Hobbykellerambiente. Auf der Anrichte stehen Käse- und Wurstplatten mit Gürkchen als Verzierung, selbst gemachte Salate. Hunde schleichen, Kinder lachen, Freunde beglückwünschen.

Den Absacker nehmen die Musiker – wie immer – in der Bar des altehrwürdigen Hotel Handelshof. Da, wo sie wohnen – wie immer. Helge Schneider sitzt am Tresen: «Einen Portwein und ein Glas Wasser, bitte.»

Sie+Er: Sind Sie Musiker oder Komiker?
Schneider: Ein komischer Musiker. Es gibt niemanden, der noch so was macht wie ich. In der Schweiz gabs mal den Clown Grock. Der ist, seit ich Kind war, mein grösstes Vorbild. Er spielte hervorragend Klavier und Geige und Konzertina. Ich hätte mir gewünscht, so artistisch zu sein, wie er.

Sie+Er: Sie spielen immerhin Klavier, Orgel, Saxofon, Cello, Kontrabass, Trompete ...?
Schneider: ...Schon. Und trotzdem. Bei einem Konzert in den 30er-Jahren in Paris spielt Grock eine halbe Stunde klassisch Klavier. Da denkste: Ja was ist denn jetzt? Auf einmal rast der Stuhl zehn Meter hoch und er fliegt weg. Völlig absurd. In seiner Autobiografie redet er zum Beispiel nur über Autos. Das ist so total im Land der Fantasie angesiedelt, so individuell bis zum Geht-nichtmehr. Die Welt braucht solche Idole und die gibts fast nicht mehr.

Sie+Er: Wollen Sie Idol sein?
Schneider: Ich bin eins dieser Idole. Übrig geblieben aus einer anderen Zeit. Denn auf meine Art bin ich konservativ, was meine Kunst angeht. Ich bin ein Pianist, der sein Instrument beherrscht. Ich kann spielen, wenn ich das will. So was ist völlig ausgestorben! Die Musik wird doch immer unperfekter, immer doofer.

Sie+Er: Was zeichnet denn ein Idol aus?
Schneider: Perfektion, Liebe zur Sache. Liebe zu den Menschen – das vor allem.

Sie+Er: Wann haben Sie gespürt: Jetzt bin ich ein Idol?
Schneider: Mmmhhh, das kann ich nicht genau sagen. Ich habe das einfach entschieden. Das was ich mache, ist idolfähig.

Sie+Er: Ein Idol, das über Katzenklos oder wie neuerdings über Käsebrote singt?
Schneider: Hören Sie mal die Texte der englischen Lieder in der Hitparade – die sind ja so banal und so affenartig blöd. «... Du hast mich verlassen ... ich weine ...» Das ist doch zu wenig! Mit Katzenklo oder Käsebrot entführe ich ins Reich der Fantasie! Die Leute brauchen doch ein bisschen Spass.

Zum wiederholten Mal Handygebimmel. «Ich gebe gerade Interviews. Ich muss gleich anrufen. Wiedersehn», sagt er in der bekannten Helge-Schneider-Katzenklo-Stimme. «So, jetzt mach ich aus, das ist ja kein Zustand.»

Sie+Er: Warum haben Sie sich dann entschieden, einen der grössten Verbrecher der Menschheit zu spielen: Hitler im Film «Mein Führer. Die wirklich wahrste Wahrheit über Adolf Hitler»?
Schneider: Der Regisseur Dani Levy hat angerufen und gesagt: «Ich fänd es toll, wenn du das machst.» Dann hab ich gesagt: «Ja gut, ich les das Drehbuch» und hab mich danach entschieden, mitzumachen.

Sie+Er: Schnelle Entscheidung.
Schneider: Die Rolle ist mir nun mal auf den Leib geschrieben. Kann ich auch nix für.

Sie+Er: Wieso?
Schneider: Ich kann den sehr gut nachmachen.

Sie+Er: Machen Sie mal?
Schneider: Nee, das will ich nicht mehr. Das Kapitel ist jetzt abgeschlossen. Ich hätte mir gewünscht, dass der Film anders wird.

Sie+Er: Wie denn?
Schneider: Ich hätte mir mehr Adolf Hitler gewünscht. Gewünscht, ihn ausführlicher zu zeigen und nicht so in kleine Szenen zu zerschnippeln, zu reduzieren. Die Geschichte kam mir zwar aufgrund des Drehbuchs schon, na ja, ein bisschen mau vor. Aber dann hab ich gedacht: Auf jeden Fall reisst der Film irgendwas auf.

Sie+Er: Aber?
Schneider: Beim Schnitt ist die Aussage der Geschichte im Nachhinein verändert worden. Jetzt gefällt mir der Film nicht mehr, weil er nichts mehr aufreisst. Ich bin davon nicht mehr überzeugt, kann über diesen Hitler nicht lachen. Dass der Film so anders wird, hätte ich nicht gedacht.

Sie+Er: Was stört Sie?
Schneider: Der Fokus war ursprünglich auf Hitler. Jetzt ist er mit aller Gewalt auf der jüdischen Geschichte. Es geht nur noch darum, wie Hitler gesehen werden soll: Nämlich als Schwächling. Das ist mir zu profan. Hätte ich das gewusst, dann hätte ich vielleicht gar nicht mitgespielt. Jetzt soll ich für den Film als einziger Reklame laufen, hab ich das Gefühl. Damit höre ich jetzt auf. Ich kann darauf verzichten, so einen Film noch mal zu machen.

Sie+Er: Haben Sie nie daran gedacht, während der Dreharbeiten aufzuhören?
Schneider: Nee, das wusste ich ja zu dem Zeitpunkt gar nicht. Es ist auch kein schlechter Film. Bloss ein anderer.

Sie+Er: Haben Sie manchmal ein leises Gefühl der Macht verspürt, wenn die Statisten «Heil Hitler» skandierten?
Schneider: Beim besten Willen habe ich kein Gefühl der Macht, wenn ich eine Rolle spiele und weiss: Die Maske leidet, wenn ich in der Mittagspause esse, es sei denn ich begnüge mich mit Suppe, die ich durch einen Strohhalm trinke. Und ausserdem will ich von dem Hitler-Quatsch nix mehr hören. Ich bin froh, wieder zu Hause zu sein auf der Bühne, meine Shows zu machen, mein eigentliches Leben weiterzuführen. Ich will die Menschen mit Komik und Musik zum Lachen brigen.

Publiziert am 29.12.2006 | Aktualisiert am 20.01.2012

Service

Tournee
Im Mai 2007 kommt Helge auf Tournee in die Schweiz www.ticketino.ch

Film
«Mein Führer. Die wirklichst wahrste Wahrheit über Adolf Hitler» ab 17.1.2007 im Kino

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