Interview mit dem «3+»-Chef Hat Kaiser das Programm, um TV-König zu werden?

  • Publiziert: 07.10.2012
  • Tom Wyss
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Freut sich über den neuen Sender 4+ ab Herbst: Gründer und CEO der 3 Plus Group AG, Dominik Kaiser.

Er träumt vom Weltall und tollen Serien. Dominik Kaiser (43), Chef des Senders 3+, spricht über die Konkurrenz des Schweizer Fernsehens und erklärt, weshalb er 80 Stunden die Woche arbeitet.

Wie viel TV durften Sie als Kind schauen?
Domimik Kaiser: Es hat eine Wochenration gegeben, etwa vier Stunden pro Woche. Ich musste einteilen, was ich gucken wollte.

Und das hat gereicht?
Nein, ich wollte immer mehr schauen, als ich durfte, fand das total fies, dass ich mir das so genau überlegen muss, was ich schauen will. Und wenn ich falsch aussuchte, ärgerte ich mich.

Sie waren quasi schon als Kind ein Senderchef.
(Lacht) Stimmt, aber nur im kleinen, weil ich das Programm selber zusammenstellen musste.

Hat Sie das TV geprägt damals?
Ich habe einfach sehr gern ferngesehen. Aber als Kind wollte ich eigentlich Astronaut werden. Das waren meine Helden, ich bin Jahrgang 1969. Als ich klein war, dachte man, wir erobern das Sonnensystem. Das hat mich beeindruckt.

Warum wurden Sie nicht Raumfahrer?
Mit etwa 15 konnte man die fliegerische Vorschulung machen. Doch ich wurde nicht genommen, weil meine Augen zu schlecht waren. Da brach natürlich eine Welt zusammen.

Wie wurden Sie Senderchef?
Das war kein direkter Weg. Erst importierte ich im Anfangshype Computer, dann produzierte ich CDs und schliesslich TV-Sendungen für das SF-Jugendprogramm. Als späterer Senderchef bei Viva Plus in Köln packte mich definitiv das Fernsehvirus und nach dem Aus der beiden Schweizer Privatsender Tele24 und TV3 sah ich die Chance, selber einen erfolgreichen Sender zu lancieren.

Ein Traumjob?
Sicher fast so gut wie Astronaut!

Nur der Kosmos ist kleiner.
Genau, aber es gibt ja auch bei uns Sternchen … (lacht) Ich finde, es ist ein super Job, der all meine Talente vereint. Ich analysiere gerne Zahlen, produziere gerne und liebe Serien. Ich finde, das passt.

Gab es nie Momente, in denen Sie Ihr TV-Projekt bereut haben?
Doch, die gab es ein paar Mal. Bevor wir starteten, gab es Momente, wo es nicht weiterzugehen schien. Und auch später, als wir massiv Prügel von der Presse kriegten.

Wie sehr tat das weh?
In dieser Ballung hat das schon geschmerzt. Aber es kam dann ja zum Glück gut. Doch am Anfang wars sehr unangenehm. Niemand glaubte an uns ...

Wollten Sie nie aufgeben?
Nein, denn ich glaubte immer an unser Konzept. Und mein ganzes Geld steckte drin. Ich hatte sozusagen keine Wahl.

Welche Zwischenbilanz ziehen Sie nach sechs Jahren?
Eine sehr positive. Wir haben stetig ansteigende Zuschauerzahlen. Und uns mit Sendungen wie «Bauer, ledig, sucht ...», «Bumann der Restauranttester» oder «Jung, wild, sexy» national bekannte Marken geschaffen. Erstere überflügelt gar regelmässig in gewissen Zielgruppen das Schweizer Fernsehen.

Was planen Sie mit Ihrem neuen Sender 4+ alles?
Im ersten Schritt zeigen wir viele Blockbuster, beginnen mit «Achtung, fertig, Charlie!». Wir werden einen Schweizer Abend haben, einen Doku-Abend, einen Comedy-Abend, einen Abend mit Serien.

Haben Sie mit einer solchen Programmierung keine Angst, dass einfach die eigenen Zuschauer von 3+ zu 4+ rüberwechseln?
Ein bisschen wird das womöglich schon passieren. Aber wir werden sehr komplementär programmieren. Wenn auf 3+ Krimis laufen, dann auf 4+ eher Spielfilme.

Was sind Ihre Pläne mit diesen Sendern?
Ich bin überzeugt, dass der zweite Sender 3+ stabiler macht. Wir können das Programm besser nutzen und auf 3+ vermehrt Eigenproduktionen produzieren, die wir ausbauen wollen. Und wir können insgesamt punkto Zuschauer wachsen und so wichtiger für die Werbekunden werden.

Wie viele Kaufangebote haben Sie bisher erhalten?
Die gab es immer wieder, eines gerade nach dem Sendestart von einer grossen amerikanischen Firma. Aber unser Plan ist ein anderer. Wir haben genug Geld, um selber 4+ zu starten. Wieso sollten wir also einen Grossen reinlassen, der dann dreinredet? Dazu gibt es keinen Grund. Und mehr Geld bedeutet nicht zwingend auch mehr Zuschauer. Wir wollen lieber Schritt für Schritt wachsen und wollen nicht verkaufen.

Wie können Sie gegen das übermächtige SF bestehen?
SF deckt etwa 30 Prozent der Zuschauer ab. Wir suchen uns jeden Abend eine Nische bei allen Zuschauern. Von Abend zu Abend ist unser Hauptkonkurrent ein anderer Sender. Mal SF 1, manchmal SF zwei, aber auch RTL oder Pro7.

Was machen Sie besser als Roger Schawinski mit seinem damaligen Tele24? Oder als TV3?
Tele24 und TV3 sind vor allem daran gescheitert, dass Sie teure Newssendungen gemacht haben. News sind in der Schweiz sehr gut durch die Zeitungen und die SRG abgedeckt. Das Zuschauerinteresse war deshalb entsprechend tief. TV3 wollte zudem alle Genres, die es gibt, zeigen: Talk, Reality, Spielfilm-Premieren, Serien, Konsumentenmagazine. Wir hingegen konzentrieren uns auf die Unterhaltung, zeigen vor allem Schweizerdeutsche Doku-Soaps sowie Topserien.

Ihr Erfolgsrezept?
Ein Punkt ist sicher, dass ich gern und viel arbeite.

Wie viel?
Um die 80 Stunden die Woche.

Das ist das doppelte, was die meisten anderen arbeiten. Wie schafft man so was?
Eine gute Work-Life-Balance. Und ganz wichtig ist, dass einem die Arbeit Spass macht. Dann merkt man gar nicht, dass man arbeitet.

Sie adaptieren viele bestehende Sendekonzepte. Ist das wirklich immer die beste Lösung?
Unser Ziel ist es, im sehr schwierigen Schweizer Fernsehmarkt einen Sender aufzubauen, der langfristig überleben kann. Darum orientieren wir uns an Formaten, die in anderen Ländern das Publikum interessieren. Und setzen diese dann sehr schweizerisch um. Klingt einfach, erfordert aber sehr viel Kreativität und Gespür.

Mit der Kuppel-Show «Bachelor» bringen Sie Ende Oktober eine weitere solche Sendung in die Schweiz. Was erhoffen Sie sich davon?
Spannende, lustige und herzliche Geschichten aus Thailand, der Schweiz und anderen Orten. Mit guten Storys hat die Sendung grosses Potenzial.

Keine Angst vor einem Flop?
Angst nicht, ich bin eher neugierig, zunächst nun wie der Rohschnitt ausfällt. Den kriegen wir nächste Woche. Wir haben mit dem Ex-Mister-Kandidaten Lorenzo Leutenegger einen tollen «Bachelor» und viele interessante Damen dabei, die Sets sehen sehr schön aus. Die Zutaten stimmen. Ich bin gespannt auf die Reaktion der Zuschauer, die sind manchmal sehr eigenwillig.

Welche Sendung, die Sie nicht haben, hätten Sie gerne?
Wir haben auch für «The Voice» geboten, hätten diese Sendung sehr gerne gemacht, denn sie passt perfekt zu uns. Sie war finanziell zwar am oberen Rand unserer Möglichkeiten gewesen. Das SF hat dann mehr geboten. Ich bin neugierig, wie sie es machen.

Wie gross ist Ihr Groll, dass SF einen grösseren Geldbeutel hat?
Das sehen wir sportlich. Jon de Mol, der Formathändler von «The Voice», wollte, dass sein Format auf einem öffentlich-rechtlichen Sender läuft. Wir hätten die Show schon in diesem Herbst gezeigt und dafür die Studios von ProSieben genutzt.

Dafür haben Sie eine andere Genugtuung. Punkto Marktanteil liegen Sie bei gewissen Sendungen regelmässig vor dem Schweizer Fernsehen. Was macht das SF falsch?
Ich werde mich hüten, SF öffentlich zu kritisieren. Das Schweizer Fernsehen macht vieles richtig, hat viele gute Leute, tolle Sendungen wie etwa im Sport oder bei den News. SF hat auch gute Unterhaltungssendungen. Wie «SF bi de Lüt». Wir erzählen unsere Doku-Soaps emotionaler, schneller und dramatischer. Und halten uns an die Taktrate der deutschen Privatsender.

Wie viel SF schauen Sie privat?
Nur ab und zu. Zuletzt «Die Assistenzärzte», regelmässig aber die «Rundschau», da sie den Zeitgeist der Schweiz gut widerspiegelt. Auch Dokus gucke ich gerne.

Wie sieht eigentlich ein Tag in Ihrem Leben aus?
Ich stehe unter der Woche früh auf. Viermal in der Woche gehe ich Schwimmen, im Sommer im Zürichsee und ab Herbst ins Hallenbad. Dann gehts ab ins Büro! Ich arbeite jeweils bis 21.30 Uhr durch. Danach lese ich gern, am liebsten Fachbücher.

Ihre Ergänzung zum Entertainment-Beruf?
Ich bin neugierig und denke gerne über komplexe Systeme nach.

Wie wichtig ist Ihnen Luxus?
Ich habe kein teures Auto, ich habe gar kein Auto! Ich habe gerne Kleider und esse gerne gut auswärts. Kochen kann ich nicht.

Wie leben Sie als Senderchef?
Ich habe eine schöne, ruhige Wohnung, die ist mir wichtig.

Leben Sie gut?
Ja, sehr. Ich habe in früheren Jobs deutlich mehr verdient als jetzt, habe aber alles, was ich brauche und bin glücklicher als früher.

Wie viel zahlen Sie sich aus?
Es reicht sehr gut zum Leben.

Ihr grösster Traum?
Immer noch derselbe wie als Kind. Ich würde gerne mal ins Weltall. Einfach ein paar Mal herumfliegen. Das würde schon reichen (lacht).

Wo sehen Sie sich in zehn Jahren?
Zehn Jahre sind ein gigantischer Ausblick. Unsere Welt verändert sich schnell und zum Teil sprunghaft, deshalb möchte ich keine Prognose machen. Sicher will ich in den nächsten Jahren mein Arbeitspensum reduzieren, um wieder mehr zu reisen.

Haben Sie das Programm, Herr Kaiser, um TV-König zu werden?
Die TV-Könige sind zum Glück die Zuschauer mit ihrer Fernbedienung.

Kaisers Karriere

Vor sechs Jahren gründete Dominik Kaiser (43) in Zürich den überregionalen Privatsender 3+. Mit einem Startbudget zwischen zehn und 30 Millionen Franken, wurde damals spekuliert, von Kaiser jedoch nie kommentiert. Im Verwaltungsrat der 3 Plus Group AG sitzt seit 2008 Helmut Thoma (73), der ehemalige Geschäftsführer von RTL. Die meistgeschaute Eigenproduktion von 3+ ist «Bauer, ledig, sucht ...», die einen Marktanteil von rund zehn Prozent erreicht. Am Dienstag schaltet Dominik Kaiser den neuen Sender 4+ auf. Dort will er vor allem Blockbuster-Filme zeigen. 3+ hat rund 40 Angestellte.

Beliebteste Kommentare

  • Damian  Moor , Vordemwald
    Hut ab vor diesem mann!
    Sf in allen ehren, aber oftmals geht es da leider am geschmack des breiten publikums vorbei- eine tatsache die such 3+ wunderbar zu nutze macht...
    Ich bin sichr, 4+ wird ein erfolg und 3+ wird künftig noch stärker. Weiter so!
    • 07.10.2012
    • 45
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  • Rolf  Wyss
    Aber bis zum Vorabend ist das Programm auf 3+ absolute Wüste. 7 Stunden ESO-TV täglich !?! Wie kann man nur solchen Quatsch senden / anschauen. Ist doch absoluter Müll. Und die endlosen Wiederholungen sind auch nicht wirklich der Hit. SF hat zwar mehr Geld aber da ist das Programm auch nicht viel besser.
    • 08.10.2012
    • 23
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Alle Kommentare (3)

  • Müller  Pascal , Ebikon
    3+ Schaue ich nie! Aber auf 4+ freue ich mich!
    • 08.10.2012
    • 3
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  • Rolf  Wyss
    Aber bis zum Vorabend ist das Programm auf 3+ absolute Wüste. 7 Stunden ESO-TV täglich !?! Wie kann man nur solchen Quatsch senden / anschauen. Ist doch absoluter Müll. Und die endlosen Wiederholungen sind auch nicht wirklich der Hit. SF hat zwar mehr Geld aber da ist das Programm auch nicht viel besser.
    • 08.10.2012
    • 23
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  • Damian  Moor , Vordemwald
    Hut ab vor diesem mann!
    Sf in allen ehren, aber oftmals geht es da leider am geschmack des breiten publikums vorbei- eine tatsache die such 3+ wunderbar zu nutze macht...
    Ich bin sichr, 4+ wird ein erfolg und 3+ wird künftig noch stärker. Weiter so!
    • 07.10.2012
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